Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Tierschutz - Demnächst machen sich die Kröten wieder auf den Weg. Tempolimit beim Komposthof gefordert

Krötenwanderung: Weg vom Gas für Tier und Mensch

Von Uwe Sautter

PFULLINGEN. Noch ein paar warme Tage und sie gehen wieder auf Tour. Erdkröten, Grasfrösche oder Molche machen sich dann auf zu ihrem Geburtsort, um dort für Nachwuchs zu sorgen. Ein gefährlicher Weg, besonders dort, wo eine Straße den Wanderweg durchschneidet. Etwa am Pfullinger Komposthof an der Kreisstraße nach Gönningen. Sabine Winkler, Dieter Losch und ein Team von rund zehn weiteren Tierschützern helfen, den Amphibien sicher über die Straße zu kommen. Das ist ebenfalls nicht ungefährlich.

Huckepack zum Hochzeitsplatz. FOTO: PRIVAT
Huckepack zum Hochzeitsplatz. FOTO: PRIVAT
Denn dort wo Kröte und Frosch die Seite wechseln, haben die Autofahrer freie Fahrt. »Mit 100 Sachen und mehr« brausen viele dort an den Tierschützern vorbei. »Das ist lebensgefährlich«, sagt Sabine Winkler deshalb. Gerne würden die Tierschützer Jugendliche, vielleicht auch eine Schulklasse, zur Unterstützung gewinnen. Doch das Risiko ist zu groß, die Gefahr nachts von einem Auto erfasst zu werden, ist nicht von der Hand zu weisen.

Massaker erlebt


Ein Grund übrigens, warum etwa der Landkreis Ludwigsburg im vergangenen Jahr an vielen Straßen ein auf die Nachtstunden befristetes Tempolimit verhängt hatte. Der Chef der Kreisverwaltung appellierte sogar in einer Pressemitteilung an die Autofahrer, vorsichtig zu fahren: »Sie ermöglichen dadurch nicht nur Kröten und Fröschen einen sicheren Weg in die Laichgewässer, sondern tragen auch wesentlich zur Sicherheit der ehrenamtlichen Helfer entlang der Strecken bei, die die Amphibien einsammeln und über die Straße tragen.« So etwas hätten Sabine Winkler und Dieter Losch auch gerne gehabt. Doch ein entsprechender Vorstoß bei der Kreisverwaltung wurde im vergangenen Jahr negativ beschieden.

Im Antwortschreiben des Verkehrs- und Ordnungsamts wurden sie dafür ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die Helfer in diesem Bereich nur im Randbereich der Straße und keinesfalls auf ihr aufhalten dürfen. Wie die Helfer die Kröten dann auf die andere Seite bringen können, bleibt offen. Zudem haben es die Kröten nicht immer eilig, den Asphalt zu überqueren. Vor allem, wenn dieser während des Tages von der Sonne aufgewärmt wurde. Dann genießen die Tiere das warme Gefühl am Bauch allzu gerne, nur der beherzte Zugriff der Helfer, kann sie dann oft davor bewahren, platt gefahren zu werden. Doch dazu müssen die Menschen auf die Straße. Tempo 30 käme dort auch den Tieren entgegen. Denn die sterben nicht nur unter den Reifen, sondern auch durch den Sog, den die schnell fahrenden Autos erzeugen. Der Unterdruck lässt die Kröten regelrecht platzen.

Sabine Winkler ist einmal »so ein Massaker« erlebt, deshalb hat sie sich dem Krötenschutz angenommen. »Man muss das schützen, was man hat«, sagt sie und seien es die für manche Menschen etwas unansehnlichen Kröten. Deshalb wäre es Winkler und Losch auch daran gelegen, wenn die Stadt Pfullingen den im Bereich des Komposthofs angelegten Krötenzaun unter die Lupe nehmen würde. Der erfülle nicht mehr an allen Stellen seine Aufgabe. Eine stabilere Ausführung wäre in ihren Augen durchaus geeigneter, um die Wanderung in sichere Bahnen zu lenken. Außerdem könne er an der einen oder anderen Stelle auch etwas verlängert werden.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Pfullingen klappe gut, betonen die beiden. So werde jetzt wieder auf der Straße nach dem Spielplatz am Übersberg ein Warnhinweis aufgestellt. Denn auch dort sind die Amphibien verstärkt unterwegs. Tempo 10 wie 2015 wird dort allerdings nicht mehr angemahnt, aber mit einer Beschränkung auf 20 Stundenkilometer sind die Tierschützer zufrieden.

Tempolimit in den Nachtstunden


Auch die Pfullinger Feuerwehr hilft, wo sie kann, und benetzt etwa die Krötentunnel am Komposthof mit Wasser. Denn die dort angelegten Querungshilfen werden nach Beobachtungen der Tierschützer nicht optimal angenommen. Woran’s liegt, können sie allerdings noch nicht genau sagen. Eine Möglichkeit sind die trockenen Röhren. Schließlich gehen die Kröten immer bei feuchter Witterung auf Tour. Da hilft’s schon, wenn die Feuerwehr mal den Schlauch in die Röhre hält. Am meisten würde es aber helfen, wenn während der Hauptwanderzeit, also von Mitte Februar bis Ende April, zwischen 20 und 6 Uhr Tempo 30 an den Wanderwegen der Kröten gelten würde. Nicht nur am Komposthof, sondern auch an vielen anderen Stellen im Landkreis, sagen die beiden – zum Schutz von Mensch und Tier. (GEA)

Krötenwanderung


Um den Winter zu überleben und den zum Teil eisigen Temperaturen zu trotzen, wandern die Kröten schon im Herbst von ihren Tümpeln und Seen in die Wälder, graben sich in Erdlöcher ein oder verbringen den Winter in einer Höhle.

Sobald die Temperaturen wieder im milderen Bereich liegen, ab etwa fünf Grad Celsius, graben sich die Kröten im Frühling aus und machen sich auf den Weg zu ihrem Laichplatz.

Dieser kann in manchen Fällen einige Kilometer entfernt sein.

Sollte ein Geburtsgewässer durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Beseitigung von Laichgewässern oder die Verbauung von Bach- und Flussufern nicht mehr vorhanden sein, suchen sich die Kröten einen neuen Platz zum Laichen.

Neben ihren Fressfeinden ist der Mensch die größte Bedrohung für die Kröten. Jahr für Jahr werden viele von ihnen bei der Wanderung überfahren. In ganz Deutschland gibt es deshalb Organisationen mit Tausenden von Helfern, die den Kröten auf ihren Wanderungen helfen.

Wie in Pfullingen auch. Die Gruppe um Sabine Winkler und Dieter Losch kann im Übrigen durchaus noch Helfer gebrauchen. Wer sie unterstützen möchte, kann sich per E-Mail melden. (GEA)
dieterlosch@gmx.de


sabbes@gmx.de

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