LEUTE - Der Eninger Özkan Özbakir ist Europameister im Kickboxen und bereitet sich auf das nächste große Turnier vor
Kickboxer auf dem Weg zum Weltmeister-Titel
VON SEBASTIAN GROSS
ENINGEN. Süddeutscher Meister, Baden-Württemberg-Meister, Bavaria-Cup, deutscher Meister und Europameister - seit November ist der Eninger Özkan Özbakir europaweit der beste Kickboxer in der Klasse »Fullcontact« bis 67 Kilogramm. Doch er will noch mehr: Am 24. März wird der 22-Jährige in Florida um die Weltmeisterschaft kämpfen.
Özkan Özbakir (links) bereitet sich mit Trainer Mike Welsch derzeit auf den Kampf um die Weltmeisterschaft im März in Florida vor. FOTO: GROSS
Den Anstoß für die steile Kickbox-Karriere Özbakirs gab sein Vater. Der hielt die sportliche Betätigung seines Sohnes für wichtig und schleppte den damals Zehnjährigen ins MP-Sportcenter in Eningen, wo auch schon seine Onkel trainierten. »Kaum eine Woche hat es gedauert, dann war ich selbst begeistert«, erinnert sich der ruhige und zurückhaltend auftretende Europameister.
Eindrucksvolle Titel-Sammlung
In den Übungsstunden gefehlt hat er seit seinem Start im Jahr 2000 so gut wie nie, bescheinigt ihm sein Trainer Mike Welsch zufrieden. Dieser Fleiß macht sich für Özbakir nun bezahlt. Im Kampf um die Europameisterschaft im vergangenen November im italienischen Jesolo siegte er vor allem aufgrund seiner besseren Kondition. Seine Titel, die er seit 2006 sammelt, sind dementsprechend eindrucksvoll: Der Eninger mit türkischen Wurzeln ist dreifacher baden-württembergischer Meister, zweifacher Gewinner des Bavaria-Cups, süddeutscher Meister und Gewinner der Internationalen baden-württembergischen Meisterschaft sowie zweifacher und amtierender deutscher Meister.
Kein Wunder, dass er nun vom Internationalen Kickbox-Verband, der ISKA, ausgewählt wurde, um gegen den amtierenden Weltmeister Ali Perika, einen US-Amerikaner indischer Herkunft, zu kämpfen. »Da war ich echt überrascht«, erzählt Özbakir, der in Pfullingen arbeitet, und von seinem Trainer mit der Nachricht regelrecht aus dem Schlaf gerissen wurde. In einem mittelständischen Betrieb verdient sich der Kickboxer seine Brötchen als Maschinenbediener im Dreischichtbetrieb.
Als Amateur erhält er für seinen Sport kein Geld und muss sich seine Trainingszeiten gut einteilen. Auch für den Wettkampf in Florida nimmt er regulär Urlaub, nur Hotel und Flug werden bezahlt. Preisgelder gibt es generell keine für Amateure.
Daher plant Özbakir mit seinem Trainer den Start einer Profikarriere. Mit einer entsprechenden Lizenz könnte er aus der Amateur- in die Profiklasse wechseln und seinem Sport mehr Zeit widmen. Holte er sich auch den Weltmeister-Titel, dann hätte er in der Amateurklasse alles erreicht, erklärt er. Einzig die Profikarriere biete dann noch sportliche Ziele.
Noch nie beim Sport verletzt
Seine Trainingszeiten wird Özbakir, der ohnehin bereits viermal die Woche in der Sportschule ist, in der Vorbereitung auf den Wettkampf noch intensivieren. Die Form ist entscheidend, nicht nur für den Sieg - körperliche Fitness und technische Klarheit vermeiden auch Verletzungen. Kickboxen erscheint manchen Zuschauern zunächst etwas roh, da nicht nur mit den Fäusten geschlagen, sondern auch mit den Füßen getreten wird. Aber: Kickboxen ist ein vergleichsweise verletzungsarmer Sport. In den zwanzig Jahren, die seine Sportschule jetzt bestehe, seien noch nie ernsthafte Verletzungen vorgekommen, erzählt Trainer Welsch. Ganz anders als beim Fußball, fügt er hinzu.
Auch Özkan Özbakir war noch nie verletzt. Trotzdem habe seine Mutter immer ein wenig Angst bei Wettkämpfen, berichtet der Europameister verschmitzt. Er freut sich jedoch auf die Herausforderung und sieht dem Weltmeisterschaftskampf optimistisch entgegen. (GEA)
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