Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Jugendarbeit - Neues Projekt für technikbegeisterte Jugendliche im ehemaligen Waschhäusle in Unterhausen

Junge Schrauber sind in Unterhausen am Werk

VON JOACHIM BAIER

LICHTENSTEIN-UNTERHAUSEN. In der Unterhausener Schrauberwerkstatt wirkt alles noch etwas improvisiert: Zwei Heizlüfter sorgen für angenehme Temperaturen, ein Baustrahler für Licht. In der Ecke steht ein neuer Werkzeug-Rollcontainer, prall gefüllt mit allem, was das Schrauberherz höher schlagen lässt. Auf dem abgewetzten Fußboden liegt ein alter Motor, teilweise schon in seine Bestandteile zerlegt. Drumherum hocken zehn Jungs und schauen gebannt, wie Dirk Hildebrandt den Motorblock Stück für Stück auseinandernimmt. »Den wollen wir später wieder so zusammenbauen, dass sich die Teile wieder richtig bewegen lassen.«

Dirk Hildebrandt (Zweiter von rechts) und seine Kids zerlegen in der neuen Schrauberwerkstatt einen alten Motor.
Dirk Hildebrandt (Zweiter von rechts) und seine Kids zerlegen in der neuen Schrauberwerkstatt einen alten Motor. FOTO: Joachim Baier
Hildebrandt ist gelernter Landschaftsgärtner, seit Jahren begeisterter Auto-Schrauber und nun auch noch so eine Art Jugendbetreuer. Der Reutlinger wurde vom Familienbüro Lichtenstein als Mentor für die Schrauberwerkstatt engagiert. »Mein Ziel ist«, sagt er, »den Jugendlichen ein Gefühl fürs Werkzeug und für die Technik zu vermitteln, ihnen zu zeigen, wie Teamarbeit funktioniert, und auch Erfolgserlebnisse zu vermitteln.«

Bereits gut angenommen

Die neue Schrauberwerkstatt in der Bahnhofstraße wird im Rahmen der »Sozialraum orientierten Jugendhilfe« organisiert. Anlaufstelle ist das Familienbüro, im vergangenen Jahr gegründet und gemeinsam getragen von der Gemeinde, dem Landkreis und »pro juventa«. »So etwas wie die Schrauberwerkstatt hat vor Ort einfach gefehlt«, sagt Regine Zweifel vom Sozialraum-Team. Zudem seien die Räume im ehemaligen Waschhäusle sehr zentral gelegen und in der Nähe hätten sich ohnehin viele Jugendliche regelmäßig getroffen.

Vor allem von den Jungs wird das Angebot gut angenommen. »Es ist ganz nett hier und man kann viel lernen«, sagt Kevin, der inzwischen regelmäßig kommt. Sein Vater habe gesagt, wenn er demnächst ein Mofa möchte, solle er zuerst mal lernen, wie ein Motor funktioniert, verrät der 15-Jährige den Grund für sein Technik-Interesse.

Auch Miguel ist Feuer und Flamme für die neue Schrauberwerkstatt: »Mir macht das hier richtig Spaß«, erklärt der 14-Jährige. »Vielleicht«, so überlegt er, »können wir irgendwann auch mal einen Porschemotor zerlegen, das wäre super«.

Das ehemalige Waschhäusle ist in Privatbesitz, der Eigentümer hat sich bereit erklärt, dringend notwendige Ausbesserungsarbeiten am Gebäude in Auftrag zu geben. Der Innenausbau - es gibt noch einen weiteren, bisher ungenutzten Raum -, soll von den Jugendlichen unter fachkundiger Anleitung erledigt werden. Und genau dafür hat sich bereits ein ehrenamtlicher Helfer gefunden: Dieter Vohrer aus Unterhausen ist Rentner und von dem neuen Jugendprojekt sehr angetan.

Für Betriebe interessant

Der gelernte Fliesenleger und Gipser mit 40 Jahren Bau-Erfahrung freut sich schon, gemeinsam mit den Jugendlichen die beiden Räume im Untergeschoss zu renovieren. »Mörtel anmachen, Verspachteln, das sind alles Dinge, die die Jugendlichen in ihrem späteren Leben einmal gebrauchen können«, ist Dieter Vohrer überzeugt, der so oft wie möglich in der Schrauberwerkstatt vorbeischauen möchte. »Ich freue mich schon, mit den Jugendlichen gemeinsam die Räume zu renovieren«, sagt der engagierte Rentner.

Der Nebenraum soll ein Aufenthaltsraum für die Jugendlichen werden. »Das könnte auch für Vereine interessant werden«, sagt Albrecht Henes vom Sozialraumteam Lichtenstein. Er ist überzeugt, dass das neue Jugendprojekt auch für Firmen, speziell für Handwerksbetriebe interessant werden kann, denn tüchtige und technikversierte Jugendliche sind gesuchte Nachwuchskräfte. »Wir sind immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die unser Projekt unterstützen«, sagt er. »Hier dürfen gerne auch neue Projekte entstehen«, bemerkt Regine Zweifel.

Die Schrauberwerkstatt hat immer mittwochs von 16.30 bis 20 Uhr und freitags von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Über die Feiertage, vom 23. Dezember bis zum 7. Januar, bleibt sie geschlossen. (GEA)

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