Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
leute  - Hartmut Schroeder aus Pfullingen nutzt Raketen-Stecken und Eisstiele für seine kreativen Projekte

Hartmut Schroeder baut Krippen aus Abfallmaterial

VON PETRA SCHÖBEL

PFULLINGEN. Wenn das Wetter garstig ist und nicht zum Wandern oder Spazierengehen taugt, dann ist Hartmut Schroeder im Keller zu finden. Dort sitzt er manchmal stundenlang, sägt kleinste Hölzchen zurecht, verleimt sie und tüftelt so lange, bis sein Werk die Form annimmt, die er sich vorgestellt hat. Der 81-Jährige bastelt Krippen, mit denen er zum Weihnachtsfest seine Familie erfreut.

FOTO: Petra Schöbel
Jede Krippe ist ein Unikat und gefertigt aus ganz besonderem Material: Das Fachwerk entsteht aus den vom Silvesterfeuerwerk übrig gebliebenen Raketen-Stecken, das Dach gedeckt mit den runden Enden von Eisstielen, die tatsächlich wie Dachschindeln aussehen.

»Heutzutage nennt man es Upcycling«, weiß der Rentner, »wenn man gebrauchte Sachen einem neuen Nutzen zuführt.« In diesem Sinne ist der Pfullinger ein echter Upcycling-Künstler.

Interesse für Kunst und schöne Dinge hat Schroeder sein Leben lang gehabt. Selbst ist er allerdings erst kreativ tätig geworden, nachdem er sich vor gut zwanzig Jahren aus dem Berufsleben verabschiedet hat. »Damals habe ich Malkurse genommen bei Ernst Eiting und Karl Raiser«, berichtet er. Seither gehört Malen zu seinen liebsten Beschäftigungen. Viele Aquarelle mit Motiven aus der Umgebung, aber auch südländische Ansichten, schmücken inzwischen die Wohnung der Schroeders in der Burgstraße.

Vor einigen Jahren hat er dann angefangen, mit Holz zu arbeiten. »Für meine Enkelkinder habe ich schon vielerlei Dinge gebaut, angefangen von Stühlen über einen Leiterwagen bis hin zu einem Segelschiff und einem Segelflieger-Modell«, erzählt der umtriebige Ruheständler. Auch eine Mühle im Kleinformat hat er gefertigt, »die wird richtig mit Wasser betrieben«, schildert er stolz.
»Die Stecken sammeln meine Enkel für mich«
 

Viel Zeit und Aufwand steckt Schroeder auch in seine Modelleisenbahn-Anlage, einem Miniatur-Deutschland auf gut zwei Quadratmetern, das die jüngsten Enkel immer wieder mit großen Augen bestaunen. Und auch mit Worten kann der Berliner, der seit 1965 in der Echazstadt zuhause ist, gut umgehen. »Ich schreibe Gedichte«, sagt er, vor allem zu den verschiedensten familiären Anlässen.

Jetzt, in der Adventszeit, rücken aber die Krippen in den Mittelpunkt. Vier Unikate hat er im Laufe der vergangenen fünf Jahre hergestellt, zwei davon hat er bereits an seine Kinder und Enkel verschenkt. Zwei »Neubauten« warten nun im Schroederschen Keller auf ihren Einsatz am Heiligen Abend. Die Fachwerkgebäude sind fix und fertig und lassen nicht mehr erahnen, welche Arbeit in ihnen steckt. Ganz ohne Pläne, frei Hand, macht sich der Rentner ans Werk: »Ich leg' einfach los, nehme eine Platte, lege die Eckpunkte fest und überlege mir, wo Tür und Fenster hinkommen«, beschreibt er seine Arbeitsweise.

Dann kommen die Stäbe von den Silvesterraketen ins Spiel. »Die sammeln meine Enkel für mich«, berichtet er. Und natürlich schleckt er auch nicht selbst das Eis dutzendweise, sondern sponsort lieber den familiären Nachwuchs, um an das Dachbaumaterial für seine Krippen zu kommen.

Sowohl Stecken wie Eisstiele werden in passgenaue Stücke gesägt, was ihm bisweilen einiges abverlangt: »Für das Fachwerk muss ich die kleinsten Hölzchen noch auf Gehrung sägen und zusammenfügen.« Aber es gelingt ihm, wenn auch manchmal erst im zweiten Anlauf, wie er einräumt. Verbunden werden die einzelnen Fachwerk-Streben mit Leim. »Da ist kein einziger Nagel drin«, betont er.
»Fürs Fachwerk muss ich kleinste Hölzchen auf Gehrung sägen«
 

Auf die Grundkonstruktion wird der Dachstuhl aufgesetzt und mit den in Form gestutzten Eis-Schindeln belegt. Damit die Krippe auch weihnachtlich illuminiert werden kann, verlegt Schroeder Käbelchen und schließt LED-Leuchten an. Auf Knopfdruck geht im Innern das Licht an.

Und weil zu einer richtigen Krippe auch Maria, Josef, das Jesuskind in der Krippe sowie Esel und Pferde gehören, greift der 81-Jährige in Mußestunden sogar zum Schnitzmesser und fertigt die Figuren selbst. Das ist für ihn nicht Arbeit, sondern bereitet ihm Vergnügen und Vorfreude. Denn er weiß, dass sich am Heiligen Abend die ganze versammelte Familie darüber freuen wird. (GEA)

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