Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Friedhofssatzung - Interfraktioneller Antrag schlägt vor, Pfullingen solle mit gutem Beispiel vorangehen

Grabsteine »aus fairer Produktion« gefordert

PFULLINGEN. »Grabsteine müssen aus unbedenklicher Produktion stammen, was bei Importsteinen durch entsprechende Zertifikate nachzuweisen ist.« Die Fraktionen von SPD/GAL und UVW haben im Pfullinger Gemeinderat diesen Antrag auf Änderung der Friedhofsordnung gestellt, der obige Satz eingefügt werden soll. Hintergrund des Antrags seien Presseberichte, denen zufolge nach Expertenschätzungen inzwischen 30 bis 60 Prozent aller neu errichteten Grabsteine in Deutschland Billigimporte aus Indien sind, bei deren Herstellung ausbeuterische Kinderarbeit in Steinbrüchen eine wichtige Rolle spiele.

Zwar habe die Bundesrepublik Deutschland die UNO-Konvention 182 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO gegen ausbeuterische Kinderarbeit ratifiziert, ein Importverbot für Produkte aus solcher Kinderarbeit gebe es jedoch leider weder seitens der Bundesrepublik Deutschland noch seitens der für den Außenhandel überwiegend zuständigen EU, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Fraktionen.

Es gebe aber Zertifizierungen, heißt es weiter, so beispielsweise das Siegel des Freiburger Vereins »XertifiX«, in dessen Vorstand als treibende Kraft der Dr. Norbert Blüm mitarbeitet. Eine 100-prozentige Tochter dieses Vereins, »XertifiX India«, arbeite als Zusammenschluss mehrerer sozialer Aktionsgruppen und namhafter Persönlichkeiten in Indien und kümmere sich vor Ort mit finanzieller Unterstützung anerkannter Hilfswerke - wie Misereor - auch um das Wohl befreiter Kinder.



In den drei indischen Kontrollteams seien indische Experten aus dem sozialen Feld tätig. Alle hätten seit mindestens zehn Jahren Erfahrung in der Zusammenarbeit mit europäischen Hilfswerken und sich in dieser Zeit einen einwandfreien Leumund erworben. Reaktionen auf den legalen Import solcher Grabsteine aus ausbeuterischer Kinderarbeit gab es in den Kirchen: So habe die evangelisch-reformierte Kirche in Deutschland schon 2008 empfohlen, auf den Friedhöfen nur noch Grabsteine aus nachweislich unbedenklicher Produktion aufzustellen.

Beispiel München

Aber auch in einigen städtischen Friedhofsverwaltungen habe man sich des Themas angenommen: So habe die Stadt München bereits 2007 folgenden Passus in ihre Friedhofssatzung aufgenommen: »Es dürfen nur Grabmale aufgestellt werden, die nachweislich in der gesamten Wertschöpfungskette ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILO-Konvention 182 hergestellt sind.« Und außerdem den Satz: »Jedem Antrag auf Genehmigung sind Nachweise über die Produktionsbedingungen beizufügen.«

Nach Münchener Auffassung gehöre es eben auch »zur Würde einer Grabstätte«, dass Grabmale aus moralisch korrekter Herstellung stammten. Diese Regelung habe auch die Unterstützung der Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung gefunden. Viele Städte folgten dem, unter anderem Andernach. Zwar gebe es inzwischen juristische Auseinandersetzungen darum, die Stadt München wolle jedoch nicht aufgeben: »Sie wird den Marsch durch die Institutionen antreten und über eine Bundesratsinitiative aus Bayern auf eine entsprechende Gesetzesänderung hinwirken.«

In Baden-Württemberg habe es bisher noch keine juristischen Verfahren um »faire Grabsteine« gegeben. »Pfullingen sollte mit gutem Beispiel vorangehen und auf der Durchsetzung von Menschenrechten bestehen«, so argumentieren für die Rathausfraktionen Sigrid Godbillon, Eberhard Buddee und Martin Fink. (ebo)



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