Wildtiere - Turmfalken haben auf Türmen und hohen Häusern einen zusätzlichen Lebensraum gefunden
Gewinner der Urbanisierung
VON FRANK KORNDÖRFER
PFULLINGEN. Turmfalken gehören zur Ordnung der Greifvögel (Falconiformes) und zur Familie der Falken (Falconidae). Mit dem Leben dieses Vogels befasst sich die Serie »Wildtiere in der Stadt« heute.
Treuer Turmfalke: Ein Paar bleibt meist ein Leben lang zusammen. Als Nest begnügt er sich mit einer kleinen Mulde, aus der die Eier nicht wegrollen können. FOTO: NABU
Der Turmfalke erhielt seinen Namen wegen seines bevorzugten Nistens in Kirchtürmen. Im Schwäbischen wird er auch »Turmweih« und im Volksmund oft »Rüttelfalk« genannt. Sein wissenschaftlicher Artname tinnunculus leitet sich von seinem Ruf ab, der wie »ti-ti-ti« klingt und übersetzt »klingend« oder »schellend« heißt. Es ist ein Erregungslaut, der vor allem dann zu hören ist, wenn die Vögel am Nistort gestört werden. Varianten dieses Rufes treten aber auch auf kurz bevor das Männchen die Beute am Nest übergibt.
Der Turmfalke ist ein überwiegend rotbraun gefärbter Greifvogel mit unterschiedlicher Kopf- und Schwanzfärbung bei Männchen und Weibchen. Männchen haben einen hellgrauen Kopf und hellgraue Schwanzfedern, während die Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt sind mit einer Querbänderung am Schwanz. Das Weibchen ist mit 260 Gramm etwas schwerer als das Männchen mit 200 Gramm. Der Turmfalke ist etwa 35 Zentimeter groß und gehört damit zu den kleinen Greifvögeln. Seine Flügelspannweite beträgt 75 Zentimeter. Im Flug sind die Vögel an ihren langen spitzen Flügeln zu erkennen. Als ursprünglicher Felsbewohner zählt der Turmfalke zu den Gewinnern der Urbanisierung. Türme und hohe Häuser haben ihm einen zusätzlichen Lebensraum eröffnet. In den Städten nistet der Turmfalke gerne an Kirchtürmen, auf Masten und hohen Gebäuden mit einer zugänglichen Öffnung oder Nische, die Platz zum Brüten bietet. Auch Nistkästen an hohen Gebäuden werden gerne angenommen. Im Gebirge, an Felsen oder in Steinbrüchen dienen Spalten oder kleine Höhlen im Gestein als Brutplatz. Zum Jagen benötigt er offene Flächen und niedrige Vegetation.
Eines der wichtigsten Kennzeichen des Turmfalken ist sein Rüttelflug. An dieser Flugtechnik kann man den Vogel auch auf größere Entfernungen erkennen. Im Beutesuchflug steht er mit ausdauerndem Rütteln in der Luft. Dabei ist der Körper aufgerichtet und der Schwanz als Stabilisierungsfläche breit gefächert. Zwanzig bis vierzig Meter über dem Boden späht er nach Beute, um dann im Stoßflug hinunterzustürzen. Die Nahrung besteht bei Stadtbewohnern hauptsächlich aus Sperlingen, Finken und anderen Kleinvögeln, bei Landbewohnern aus Kleinsäugern wie Feldmaus, Rötelmaus, Spitzmaus und Maulwurf. Aber auch Heuschrecken und Käfer oder Eidechsen werden nicht verschmäht.
Im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr besetzen die Turmfalken ihr Brutrevier, das häufig auch als Winterquartier dient. Ein Paar bleibt meist ein Leben lang zusammen. Als Nest begnügt sich die Art mit einer kleinen Mulde, aus der die Eier nicht wegrollen können. (GEA)
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