Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Bebauung - Anlieger im Bereich der Eninger Friedrichstraße haben Bedenken gegen ein Gewerbegebiet vor ihrer Nase

Gewerbegebiet Kugeläcker: »Städtebaulich nicht verträglich«

Von Uwe Sautter

ENINGEN. Ihren Unmut über die Ausweisung eines weiteren Gewerbegebiets im Arbachtal hatten zahlreichen Anlieger schon bei der vorgezogenen Bürgerbeteiligung im November mehr als deutlich gemacht. In den vergangenen Wochen haben sie ihre Einwände nicht nur konkretisiert, sondern auch Unterschriften gesammelt. Rund 60 Anlieger teilen die Bedenken, über die der Eninger Gemeinderat voraussichtlich in seiner März-Sitzung entscheiden wird.

Der Fußgängerweg entlang des Gebiets Kugeläcker würde bei der Umsetzung des Gewerbegebiets entfallen.  GEA-FOTO: SAUTTER
Der Fußgängerweg entlang des Gebiets Kugeläcker würde bei der Umsetzung des Gewerbegebiets entfallen. FOTO: Uwe Sautter
Die Position der Gemeindeverwaltung zum Vorhaben ist klar. Das Gebiet Kugeläcker, linker Hand am Ende des Gewerbegebiets Arbachtal gelegen, ist schon seit mehreren Jahrzehnten im Flächennutzungsplan als mögliches Gewerbegebiet ausgewiesen. Das hatte Bürgermeister Alexander Schweizer im Rahmen der Bürgerbeteiligung deutlich gemacht. Auch, dass die Gemeinde weitere Flächen brauche: »Wir wollen verhindern, dass Betriebe abwandern.«

Die Unterzeichner des Schreibens an die Gemeinde sehen das allerdings etwas anders. Sie verweisen auf große Leerstände in der Gemeinde - etwa im JDSU-Areal, an der Straße Im Grund (Vallon-Gebäude) oder im H3 stünden oder stehen bald Flächen zur Verfügung. Im Gewerbepark Alte Weberei gebe es Fläche und das Boarding-Haus am Kappelbach werde schon seit Jahren nicht genutzt. Damit sei die Begründung für die Ausweisung eines weiteren Gewerbegebiets nicht richtig. »Die in den rechtsgültigen Bebauungsplangebieten befindlichen gewerblichen Flächen sind weit überwiegend bebaut und gewerblich genutzt«, heißt es dort.



Schlechte ÖPNV-Anbindung

Die Nutzung der genannten Flächen halten die Unterzeichner auch deshalb für sinnvoller, da sie im Gegensatz zum Gebiet Kugeläcker größtenteils »hervorragend durch den öffentlichen Nahverkehr erschlossen sind sowie in unmittelbarer Nähe der Kindertagesstätte Pusteblume und der öffentlichen Kantine im H3« lägen. Demgegenüber liege die nächste Haltestelle des ÖPNV zwischen 700 und 1 000 Meter vom Gebiet Kugeläcker entfernt. »Das ist daher städteplanerisch und verkehrspolitisch völlig inakzeptabel«.

Die Unterzeichner sehen auch kein öffentliches Interesse an der Ausweisung von Kugeläcker, sondern nur ein Einzelinteresse, das sich die Begründung für die Ausweisung allein auf das Interesse eines einzelnen Betriebs gründe.

Ganz davon abgesehen sei das Gewerbegebiet zu steil und daher für die geplante Gewerbebebauung nicht geeignet. Bereits jetzt sei die Parkplatzsituation im Arbachtal unzureichend. Schon heute, so der Einwand, würden Fahrzeuge in der Friedrichstraße abgestellt. Das könnte mit der angedachten dreigeschossigen Bebauung noch häufiger geschehen. Nach den Berechnungen der Anlieger brauchte es dort 132 neue Parkplätze, geschaffen werden könnten entlang der Straße gerade 32. Hundert würden also fehlen und dieser Mangel den Park-Suchverkehr im angrenzenden Wohngebiet verstärken. Durch die rechtwinkelige Anordnung der Parkflächen zur Arbachtalstraße würde außerdem der Fußgängerweg auf der linken Seite wegfallen. »Dieser Gehweg ist die einzige sichere und durchgehende Verbindung für alle Fußgänger, die aus dem Gebiet Bruckberg/Augenried wieder in den Markweg gehen wollen.«

Planung über die gesamte Fläche

Kritisiert wird außerdem, dass der Hochwasserschutz nicht ausreichend berücksichtigt sei, ebenso wie der Lebensraum der Feldgrille und anderer Tiere in diesem Bereich. Defizite bei der Erschließung seien immer noch nicht beseitigt. Dort würde weiterhin eine Wendemöglichkeit für Lastwagen fehlen. Kritisiert wird vor allem auch die mögliche dreigeschossige Bebauung im westlichen Bereich, die sich weder städtebaulich nach landschaftsplanerisch mit der dahinterliegenden Wohnbebauung vertrage.

Auf die mögliche Verschattung ihrer Grundstücke hatten die Anlieger schon bei der Bürgeranhörung hingewiesen. Und auch damals schon auf ein ihrer Meinung nach grundsätzliches Problem der Planung. »Der vorliegende Bebauungsplanentwurf umfasst nicht die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Flächen für ein zukünftiges Gewerbegebiet.« Die Anwohner fordern eine Planung über die gesamte Fläche. Eine Planung in Abschnitten wird abgelehnt, da nur eine Gesamtplanung die vollständigen Auswirkungen auf die Umwelt und Umgebung darstellen kann. (GEA)



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