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Streikhelferfest - IG Metall und Belegschaft von Automotive Lighting feiern Erhalt des Standorts Reutlingen

Flammendes Plädoyer für den Arbeitskampf

ENINGEN. Es ist eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, die am Samstagabend in der HAP-Grieshaber-Halle gefeiert wurde. In nur sechs Streiktagen erkämpfte sich die Belegschaft von Automotive Lighting den Erhalt des Standortes Reutlingen für die Produktion von Scheinwerfer-Reflektoren, LED-Komponenten und Leuchtweitenregler.

Mit einem Arbeitskampf den Arbeitsplatz gerettet: Jetzt feierte die Belegschaft von Automotive Lighting den Erhalt des Standorts Reutlingen.  FOTO: HAI
Mit einem Arbeitskampf den Arbeitsplatz gerettet: Jetzt feierte die Belegschaft von Automotive Lighting den Erhalt des Standorts Reutlingen. FOTO: HAI
Als am 27. November vergangenen Jahres die Pläne der Geschäftsführung artikuliert wurden, die Fertigung nach Tschechien und Thüringen zu verlagern, fiel der Betriebsrat aus allen Wolken. »Das kam aus dem Nichts«, erinnert sich der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Willi Rebstock. So sei doch zuvor zugesichert worden, dass man ohne Probleme über die Runden kommen würde, notfalls mit Kurzarbeit.

Drohendes Aus abgewendet

Faktisch lockte die Geschäftsführung die Vorstellung von Lohnkosteneinsparungen in Höhe von fünf Millionen Euro, sodass die Verlagerung bereits beschlossene Sache war. Zu Beginn des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2010 sollten die ersten Umsiedlungsmaßnahmen umgesetzt werden. Dies hätte das Aus für 130 Arbeiter des 700 Mann starken Betriebs bedeutet, der weltweit 11 000 Angestellte zählt. Doch damit wollte sich die Tochter der Magneti Marelli-Gruppe nicht abfinden. Statt zu resignieren, bliesen die IG Metall Reutlingen-Tübingen sowie der Betriebsrat zum Kampf.

Rund tausend Demonstranten, darunter fast die komplette Belegschaft von Automotive Lighting sowie sich solidarisch erklärende Bosch-Mitarbeiter und Delegationen aus anderen Metall-Betrieben, machten ihrem Ärger am 2. Dezember vor den Werkstoren in der Tübinger Straße Luft. Niemals im Leben, so der Betriebsratsvorsitzende Michael Jäger, hätte er mit einer solch breiten Unterstützung, die letztlich aus der ganzen Nation gekommen sei, gerechnet.

Eine Diashow mit kurzen Videosequenzen, die IG Metall-Sekretär Michael Bidmond eigens für den Festakt in Eningen zusammengestellt hat, weckt Erinnerungen an den dreiwöchigen Arbeitskampf. Bilder von Streikposten, die sich mit rot gefrorenen Nasen bei minus 10 Grad um kleine Feuerstellen drängen, und von Plastikwannen mit darin angerichteten Mahlzeiten sorgen in der mit 240 Menschen fast voll besetzten Grieshaber-Halle für Gelächter und Jubelrufe.

Mit feuchten Augen betrachtet der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Reutlingen-Tübingen, Gert Bauer, die Impressionen vom 4. Februar. Damals hatte er, gemeinsam mit 130 Mitstreitern aus Deutschland und zahlreichen Beschäftigten der Fiat-Tochter Magneti Marelli, in Mailand das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz eingefordert. Stolz lobt er Mut und Disziplin der Streikhelfer: »Wer kämpft, kann auch gewinnen, und wir haben gewonnen!«

Mit tosendem Applaus, ausgelassenen Zurufen und stehenden Ovationen wird ebenso der Einsatz des Betriebsratsvorsitzenden Michael Jäger von den Feiernden gewürdigt. Dieser gibt den Dank zurück: »Ihr habt das geschafft!«

Dass mit dieser Aktion ein Exempel statuiert wurde, das Schule macht, hofft Jäger inständig. Auch andere Belegschaften sollen sich wehren, wenn man ihnen ihre Arbeitsplätze nehmen wolle. Die Unterstützung der Reutlinger Autoscheinwerferspezialisten sei ihnen dabei sicher.

Kampf hat sich gelohnt

Dass der Kampf sich gelohnt hat, davon zeugen die Ergebnisse der damals bis in die Morgenstunden andauernden Verhandlungsgespräche. So soll es bis 2015 keine betriebsbedingten Kündigungen bei Automotive Lighting geben, die Fertigung wird in Reutlingen bleiben und wichtige Zukunftstechnologien sollen vor Ort aufgebaut werden.

Begleitet von Musikeinlagen und orientalischen Tänzen wurde dieser Erfolg beim Streikhelferfest in Eningen ausgiebig zelebriert. Und es wurde angestoßen, auf die Frucht eines beispielhaften kollektiven Engagements. (hai)


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