Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Pfullinger Bankkunde - Mann findet in der SB-Filiale eines Geldinstituts einen Schlüsselbund für die Geldautomaten

Finderlohn: Bis zum Dank der Bank währt's lang

VON THOMAS BARAL

PFULLINGEN. An einem Freitagabend kam P. (Name der Redaktion bekannt), er lebt seit 1984 in Deutschland und war lange als Altenpfleger tätig, in die SB-Filiale einer großen deutschen Bank in Pfullingen, um sich dort mit Barem fürs Wochenende zu versorgen. Am Geldautomaten steckte ein dicker Schlüsselbund - den hatte der Geldautomaten-Beschicker wohl einfach vergessen.

FOTO: dpa
Was tun? Den Geldautomaten aufmachen und sich bedienen? »Hätte ich wohl einfach machen sollen«, meint er später lachend, dann wäre es sicher nicht zu den Umständen in der Folgezeit gekommen. Aber nein, sagt er, angerufen habe er die Nummer der Bankzentrale, die in der menschenlosen Filiale ausgehängt sei, und habe mitgeteilt, dass da der Schlüssel hänge.

»Wollen Sie mich verulken?«, fragte die Bankmitarbeiterin und konnte es nicht glauben, was der Kunde ihr da erzählte - denn was nicht sein darf, kann ja nicht sein. Immer noch ungläubig riet sie dem Anrufer aber, doch den Schlüsselbund mit nach Hause zu nehmen, für alle Fälle, wenn es denn tatsächlich einer von der Bank sein sollte. Und dann könne er den doch am Montag in Reutlingen in der Geschäftsstelle vorbeibringen.

Klar, mache er, sagte der ehrliche Schlüsselfinder. Und irgendwie erhoffte er sich eine kleine Anerkennung dafür, dass er es gemeldet und den Schlüsselbund aufbewahrt hat.

Viele Euro erspart

Vor allem auch angesichts der Tatsache, dass er der Bank - vermutlich - viele Tausend Euro erspart hat, weil sie beim Verlust der Schlüssel sicher viele Schlösser austauschen und viele Schlüssel aus Sicherheitsgründen nachmachen, ganze Schließanlagen hätte umrüsten lassen müssen.

Tatsächlich war der Mann dann in Reutlingen und brachte den Schlüsselbund vorbei: Die Angestellten hätten es da immer noch nicht glauben wollen, dass seine Geschichte wahr sei. Irgendwie sahen sie aber ein, dem Manne muss etwas für seine Mühe gegeben werden. Nur was? Da gab es wohl grad im Reutlinger Haus der Bank keinen, der das entscheiden wollte: Wiederkommen solle er, wenn der Chef da sei, der wisse dann, was es gebe.

Der Schlüsselfinder kam wieder; aber irgendwie wurde auch diesmal nichts draus. Schließlich, so erzählt er, habe er sich darauf eingelassen, eine der Werbeprämien der Bank zu nehmen, ein Tablet, das wollte man ihm bestellen. Obgleich er doch längst eins hatte, wie er sagt.

Als er seinen Finderlohn dann eines Tages abholen wollte, hieß es, er müsse aber 50 Euro zuzahlen, sonst übersteige das doch die Dankbarkeitsbereitschaft des Geldinstituts. Nun, habe er geantwortet, eigentlich hätte er nicht Geld ausgeben, sondern eher etwas bekommen wollen für seine Dienste. Da seien die Banker etwas unwirsch geworden, sagt er, weil er sich doch angeblich schon auf den Handel eingelassen hätte. Nun war das Ganze wieder in der Schwebe und der Mann wurde beim Reutlinger General-Anzeiger vorstellig und erzählte diese ganze lustige Geschichte.

Im falschen Film

Eine schriftliche Anfrage des GEA beim Pressesprecher der Bankzentrale in Frankfurt brachte Bewegung in die Sache: Angerufen worden sei er aus Frankfurt »von einem Chef«, der wissen wollte, ob man sich tatsächlich nicht richtig bei ihm bedankt habe für seine Hilfe.

Dann wurde er erneut nach Reutlingen bestellt: »Was wollen Sie«, habe man ihn dort gefragt, »großen Fernseher - oder lieber Geld?« - »Ich kam mir vor wie im falschen Film«, sagt der Mann heute. Dann habe es noch etwas gedauert. Eines Tages aber hat er einen Betrag von 500 Euro auf seinem Kontoauszug vorgefunden. Und der Mann, der den Schlüssel hatte einst stecken lassen, wurde ihm erklärt, werde sich auch noch bei ihm bedanken. (ara)

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