Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Hauptversammlung - Feuerwehr Pfullingen bewältigt im vergangenen Jahr 194 Einsätze. Tempo 30 und Falschparker erschweren die Anfahrt der Lebensretter

Feuerwehr Pfullingen gefordert, nicht überfordert

VON GABRIELE LEIPPERT

PFULLINGEN. »Die Feuerwehr steht für eine Gemeinschaft, die Menschen unabhängig von deren Herkunft, Religion, Geschlecht oder Ansehen Hilfe leistet und für ein solidarisches Miteinander, Zusammenhalt und Kameradschaft.« So habe Hans-Peter-Kröger, vormals Präsident des Deutschen Feuerwehr-Verbands, die Hilfsorganisation beschrieben. Mit diesem Satz eröffnete Kommandant Dietmar Rall im Beisein von Stadträten, Mitgliedern der Polizei, DRK und Bergwacht die Hauptversammlung der Pfullinger Wehr.

Seit Jahrzehnten im Dienst der Pfullinger Feuerwehr: Die Geehrten mit Bürgermeister Michael Schrenk und Kommandant Dietmar Rall (von rechts).FOTO: LEIPPERT
Seit Jahrzehnten im Dienst der Pfullinger Feuerwehr: Die Geehrten mit Bürgermeister Michael Schrenk und Kommandant Dietmar Rall (von rechts). FOTO: Gabriele Leippert
2015 sei ein normales durchschnittliches Feuerwehrjahr gewesen, das gefordert aber nicht überfordert habe. 194 Einsätze, ein Anstieg von zwölf Prozent zum Vorjahr, hätten die derzeit 88 Feuerwehrleute, darunter vier Frauen, bewältigen müssen. 31 Mal mussten Brände bekämpft werden. Zwei davon seien eine besonders große Herausforderung gewesen, betonte Rall. So etwa gleich im Januar bei einer Pfullinger Firma, wo Lithium-Batterien in Brand geraten waren oder beim Großbrand in einer Schreinerei, als die Pfullinger zur Unterstützung der Reutlinger Feuerwehr ein Heim für Behinderte geräumt und ein Gasflaschenlager abgeschirmt hatten. Beide Fälle seien durch koordiniertes Vorgehen mit anderen Wehren bekämpft und große Schäden verhindert worden.

29 Mal wurde technische Hilfe erforderlich, so etwa um bei Verkehrsunfällen eingeklemmten Personen zu befreien oder Türen im Notfall zu öffnen. 22 Menschen konnten dabei gerettet werden. »Für zwei kam leider jede Hilfe zu spät.« 97 Mal mussten die Feuerwehrleute zur Beseitigung von Ölspuren oder unwetterbedingten Einsätzen ausrücken, im Juni und August bescherten heftige Gewitter mit Starkregen zusätzliche Einsatzstunden.

Neuer Kommandowagen

Das Jahr habe gezeigt, wie wichtig gut ausgebildete und ausgerüstete Feuerwehren seien, sagte der Kommandant. Ausbildungsschwerpunkte seien dementsprechend in den Bereichen Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung, Umweltschutz und medizinische Basismaßnahmen gewesen. Außerdem besuchten elf Feuerwehrangehörige Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal oder der International Fire Academy in der Schweiz. Grundausbildungs- oder Truppführer-Lehrgang, gemeinsame Übungsdienste der Gefahrstoffeinheiten, eine Großübung an der Baustelle des Scheibengipfeltunnels sowie eine Einsatzübung der Sondereinheit SRHT (Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen) standen ebenfalls auf dem Plan.

Erfreulicherweise habe ein neuer Kommandowagen in Dienst gestellt, die EDV-Technik modernisiert oder Chemikalien- und Kontaminationsschutzanzüge ersetzt werden können. In der Jugendfeuerwehr würden derzeit 26 Jugendliche im Alter zwischen 11 und 16 Jahren ihren Dienst versehen, die Altersabteilung zähle 27 Mitglieder, bilanzierte Rall außerdem. Eine Sache drückt dem Kommandanten aber auf den Magen. »Es wird geparkt, wo auch nur der Anschein einer Möglichkeit besteht, keiner bedenkt, ob Feuerwehr und Rettungsdienst diesen Weg noch befahren können«. Da stelle sich die Frage, wie die Bevölkerung sensibilisiert werden könne und ob möglicherweise Bußgelder helfen würden. Auch ein flächendeckendes Tempo 30 wäre aus Sicht der Freiwilligen Feuerwehr kritisch, da sich dadurch Ausrücke- und Eintreffzeiten zum Nachteil verändern würden. »Dies alles sind Gründe und Gedanken, die mit in die Verkehrsplanung einfließen müssen«, unterstrich Rall.

Zu geringe Wertschätzung

Feuerwehr sei angesichts der Zahlen und Fakten weit mehr als nur ein Hobby, »es ist eine Berufung«, zollte Bürgermeister Michael Schrenk Respekt und dankte »für den selbstlosen Einsatz rund um die Uhr«. Von einer »eindrucksvollen Leistungsbilanz« sprach Kreisbrandmeister Wolfram Auch. Diese zeige, dass die Feuerwehr immer vielfältigere und schwierigere Aufgaben bewältigen müsse.

Dass die Feuerwehrleute »viel zu wenig wertgeschätzt werden«, stellte Rainer Wenke, stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Reutlingen, fest: »Danke für Ihr Engagement, Sie sind diejenigen, die nachts aufstehen oder am Wochenende Frau und Kinder zu Hause lassen, um dem nächsten in Not geratenen Menschen zu helfen.« (GEA)



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