Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Buchvorstellung - Frank Ausmeier hat sich akribisch in die Vergangenheit seiner Heimatgemeinde Eningen eingearbeitet

Eninger Kirchengeschichte im Visier

VON CLAUDIA HAILFINGER

ENINGEN. Ob ihm nicht irgendwann der Stoff ausgeht? Ein bestimmtes »Ha nein« ist die Antwort von Frank Ausmeier. Nach Büchern über die Höhlen Eningens, der öffentlichen Kunst, über Poststempel und einem Werk mit seltenen Fotografien aus vergangenen Tagen ist Ausmeier nun erneut tief eingetaucht in die Geschichte seiner Heimatgemeinde, genau genommen in die Kirchengeschichte.

Erst beim genauen Hinsehen erkennbar:  die beiden Arbeiter an  der Turmspitze der Andreaskirche beim Abbruch. FOTO: HEIMAT- UND GESCHICHTSVEREIN
Erst beim genauen Hinsehen erkennbar: die beiden Arbeiter an der Turmspitze der Andreaskirche beim Abbruch. FOTO: HEIMAT- UND GESCHICHTSVEREIN
Vier Jahre hat der Eninger an der neuen Jahresgabe des Heimat- und Geschichtsvereins gearbeitet, akribisch nachgeforscht, sich mit »fürchterlichen Handschriften« und fehlenden Quellenangaben rumgeschlagen und die Erkenntnisse schließlich anschaulich zusammengefasst. So hopplahopp ist das nicht passiert. Denn Ausmeier ist einer, der's genau nimmt. »Irgendwann im 18. Jahrhundert? Damit bin ich nicht zufrieden«, erklärt der 48-Jährige. Auch will er nicht einfach Passagen blind übernehmen. »Ich habe vom ersten bis zum letzten Wort alles selbst recherchiert.«

Ein Rätsel bleibt

Mit den vielen Datumsangaben hatte er gleich etliche Nüsse zu knacken. Nach zahlreichen Stunden in den Archiven des Heimat- und Geschichtsvereins, der Städte Stuttgart, Ludwigsburg, Reutlingen und Sigmaringen und etlichen durchgearbeiteten Wochenenden hatte Ausmeier die Fakten schließlich beieinander. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: ein fundiertes, mit viel Bildmaterial angereichertes, 135 Seiten starkes Druckwerk rund um Eningens Kirchengeschichte.

Eine Lücke in der Eninger Geschichtsschreibung hat Ausmeier damit geschlossen, anerkennt Pfarrer Johannes Eißler im Vorwort, gar kleine Fehler korrigieren können. Und das, obwohl Ausmeier zwar seit 37 Jahren im Posaunenchor und damit auch regelmäßig im Gotteshaus ist, sich ansonsten aber als »Laien« in Kirchendingen bezeichnet.

Im Mittelpunkt des Buchs steht natürlich die Geschichte der evangelischen Andreaskirche: von ihren Anfängen über erste Umbau- und Sanierungsarbeiten bis hin zum Abriss und Neuaufbau. Auch darüber, wie die Glocken in die Kirche kamen, schreibt Ausmeier. Wie im ganzen Werk sind es die kleinen Anekdoten, die aus trockenen Fakten lebendige Eninger Geschichte machen. Die Abplatzungen an der ehemaligen Treppenstufe am Eingang in den Kirchturm sind so ein Beispiel: Sie sind Zeugnis der Schlittenkufen, auf denen ein Pferdegespann 1942 die schweren Glocken über die Schwelle gezogen hatte. Bis 2009 waren die Spuren sichtbar. »Ich bin detailverliebt«, bekennt Ausmeier. Bilder, die ihm in die Hände fallen, werden genaustens begutachtet. Kirchenbögen mit dem Fernglas nach Steinmetzzeichen abgesucht.

Die ursprüngliche Idee für die Jahresgabe des Geschichts- und Heimatvereins war eine Auflistung der Pfarrer in Eningen. Irgendwie habe er sich dann aber »festgelesen«, erklärt Ausmeier. Ins Buch geschafft haben es schließlich knackige Infos zu Lebens- und Wirkzeiten der Pfarrer von 1466 an: So erfährt der Leser etwa, dass die Eiferthöhe nach Pfarrer Carl Maximilian Eifert (von 1849 bis 1881 in Eningen aktiv) benannt ist, der dort Erholung suchte. Der erste weibliche Name in der Liste erscheint 2013: Regina Lück.

Die Kabinettscheiben, die Bodenfliesen, die Orgel - alles hat Ausmeier ins Visier genommen. Ein Rätsel aber konnte auch er nicht lösen: Was bedeuten die Buchstaben und Zeichen auf der Eninger Säule, die 1930 in der Eitlinger Straße gefunden wurde? Sie war vermutlich einst Bauteil der Andreaskirche. In der Mathematik, Physik, Chemie, Astronomie und Astrologie hat er nach Antworten geforscht. »Ich habe nichts unversucht gelassen.« Entschlüsseln konnte er die Inschriften nicht.

Dafür aber trug er Wissenswertes über längst Verschwundenes zusammen: über die Kapelle St. Diepolt etwa, die im 15. und 16. Jahrhundert am Eninger Ortsrand stand oder die St. Georg-Kapelle, die einst auf der Achalm thronte. Vor Glaubensgrenzen machte er keinen Halt, folgte auch den Spuren der katholischen und evangelisch-methodistischen Kirche.

»Ich hab' einfach zu viel Energie«, sagt der Eninger lachend, der statt vor dem Fernseher zu hocken, lieber Fakten sammelt. Und die will gut eingesetzt sein: Mehrere Buchprojekte laufen parallel. In einer »Herzensangelegenheit« ist Ausmeier, von Beruf Servicetechniker, bereits gut vorangekommen: Über Eninger Postkarten will er schreiben. Rund 500 hat er bereits eingescannt. (GEA)

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