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Ökologie - Seit zehn Jahren produziert die erste Bürgersolaranlage Eningens Strom. Betreiber sind zufrieden

Eninger Bürgersolaranlage: Die Sonne hat geliefert

VON UWE SAUTTER

ENINGEN. Und wenn die Sonne mal nicht scheint - was dann? Vor mehr als zehn Jahren, als die Fotovoltaik in Eningen ein größeres Thema wurde, fragten sich viele: »Zahlt sich das jemals aus?« Die GAL-Gemeinderätin Annegret Romer hatte in den Sitzungen des Rats mit Nachdruck darauf gedrängt, dass die Gemeinde Dächer zur Verfügung stellt, damit darauf Bürgersolaranlagen installiert werden können. Doch nur ein Dach war dafür letztendlich geeignet: So kam die Anlage auf den Bruckbergkindergarten. Für die Betreiber Anlass, eine positive Bilanz zu ziehen.

Neujahrsempfang Stadt Eningen 2018
Die Vier von der Bürgersolaranlage (von links): Bürgermeister Alexander Schweizer, Martin Baum, Günther Regenauer und Hans-Peter Hofmann informieren zehn Jahre nach dem Bau über das Projekt auf dem Dach des Bruckbergkindergartens. FOTO: Markus Niethammer
»Wir wollten einfach den Strom, den wir selber verbrauchen, auch erzeugen«, sagt Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer, der selbst Anteile der Betreibergesellschaft kaufte. Rund 200 Interessenten hatten sich damals in der Eninger Gaststätte »Drei König« getroffen, um mehr über das Projekt zu erfahren. Letztlich sind aber nur 24 davon in das Geschäftsmodell eingestiegen und haben Anteile gezeichnet. Das Versprechen damals: Nach zehn bis elf Jahren sollte sich die Investition amortisiert haben und Geld an die Gesellschafter zurückfließen.

»Wir waren damals alle ökologisch angehaucht«
 

»Das haben wir nicht ganz geschafft«, sagt Martin Baum beim Pressegespräch im Technikraum des Kindergartens. Dort hängen Gleichrichter und was man sonst noch alles braucht, um den Strom vom Dach in das Netz der Energieversorger einzuspeisen. Doch hier liegt das Problem für die längere Amortisationszeit der Anlage nicht. Auch die Sonne ist nicht schuld: Sie hat in den vergangenen zehn Jahren die Erwartungen erfüllt und geliefert. Das Problem war das Dach des Bruckbergkindergartens. Denn bei der Montage der Anlage 2007 ist dessen Abdichtung beschädigt worden. Wer dafür verantwortlich war und vor allem, wer für den Schaden aufkommen muss, blieb lange umstritten. Letztlich hatten sich Betreibergesellschaft, Gemeinde und die ausführende Firma auf einen Kompromiss geeinigt. Eine erkleckliche Summe mussten deshalb auch die Eigentümer schultern und diese - so nicht zu erwartende - Ausgabe und der Einnahmeausfall haben die Gesellschaft drei Jahre zurückgeworfen.

»Wir waren damals alle etwas ökologisch angehaucht«, erklärt Baum weiter, der aber keinen Zweifel daran lässt, dass er die Investition heute nicht bedauert. So sehen es auch die Verantwortlichen der Gesellschaft Günther Regenauer (Vorsitzender) und Hans-Peter Hofmann (stellvertretender Vorsitzender). Für sie ist die Argumentation von damals immer noch überzeugend. Auch hat von den anderen Teilhabern noch keiner seine Anteile abgestoßen. »Alle sind noch dabei.«

Favorisiert hatte die Gruppe vor zehn Jahren allerdings das Dach des Bauhofs als Standort. Unter anderem war dieser vom Gemeinderat in einem sogenannten Sieben-Dächer-Programm als geeignet eingestuft worden. Doch beim näheren Hinsehen entpuppte sich nicht nur der Bauhof als ungeeignet. Auch die Achalmschule oder das Feuerwehrhaus waren entweder von der Statik nicht geeignet oder offenbarten andere Defizite.

»Das bedeutet eine Einsparung von 274 Tonnen Kohlendioxid«
 

»Letztlich war der Bruckbergkindergarten für uns das beste Dach«, sagt Baum. Es lieferte über die Jahre gute Erträge - trotz der nicht optimalen Ausrichtung. Diese glich aber die flache Dachneigung aus. Die Ergebnisse waren so gut, dass die Betreibergesellschaft sich schon nach einem Jahr entschlossen hatte, die Leistung zu verdoppeln und eine weitere 30-Kilowatt/Peak-Anlage auf dem Ostdach zu installieren.

Insgesamt hat die Anlage in den vergangenen zehn Jahren rund 520 000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Damit könnten - rein rechnerisch - etwa 13 Haushalte mit jeweils vier Personen versorgt werden. »Das bedeutet eine Einsparung von 274 Tonnen Kohlendioxid«, betont Günther Regenauer den ökologischen Nutzen der Investition.

Gerne, so Schweizer auf eine entsprechende Frage, hätte die Gemeinde in den vergangenen Jahren noch mehr Dächer belegt: »Das Interesse war da«, betont der Bürgermeister - doch die geeigneten Gebäude fehlten. Inzwischen steht auf der neuen Arbachtal-Halle eine Anlage und vielleicht bekommt auch die Achalmschule in absehbarer Zeit Module aufs Dach.

Bisher kam der Standort wegen der unsicheren Zukunft der Gebäude nicht infrage. Nachdem jetzt die Sanierung abgeschlossen ist, rückt die Achalmschule aber wieder in den Fokus. Ein hoher Strombedarf bei einem niedrigen Wärmebedarf prädestinierten den Standort, sagt Schweizer. Auch, um den Strom dort einmal vor Ort zu verbrauchen. (GEA)



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