Umbau Katholische Kirchengemeinde baut ehemalige Blessing-Villa aus. Räume für die Diakonie-Sozialstation
Ein Haus mit Charme
PFULLINGEN. Es ist ein »Haus mit Charme«, beschreibt Pfarrer Werner Laub die ehemalige Blessing-Villa. Im Herbst letzten Jahres kaufte die katholische Kirchengemeinde in Pfullingen die Villa samt dem 17 Ar großen Grundstück, das direkt an die St.-Wolfgang-Kirche und das katholische Gemeindezentrum mit dem Kindergarten grenzt.
Seit Februar wird das repräsentative Gebäude, das vor rund hundert Jahren erbaut wurde, saniert: Drei Wohnungen sollen an kirchliche Mitarbeiter vermietet werden, das komplette Erdgeschoss aber wird für die Diakonie-Sozialstation Pfullingen-Eningen ausgebaut. Läuft alles planmäßig, kann die Sozialstation Ende Oktober aus dem zu eng gewordenen sogenannten Doktorhaus im Schlösslespark in das inklusive Anbau 200 Quadratmeter große Erdgeschoss der Villa umziehen. »Das Haus soll nicht nur Mietobjekt sein, sondern auch einen Zweck erfüllen über die Kirchengemeinde hinaus«, erklärt der Pfarrer dazu.
Größte Investition
Ein weiterer Grund für die größte Investition der St.-Wolfgang-Gemeinde seit dem Bau der Kirche vor rund 40 Jahren sei die Standortsicherung, so Laub. Man halte sich durch den Grundstückskauf die Möglichkeit offen, irgendwann einmal Gemeindezentrum oder Kindergarten zu erweitern oder die Grünflächen für die Gemeinde zu nutzen. Außerdem wolle man keine dichte Stadtbesiedlung um Kirche und Gemeindezentrum.
Etwa 1,1 Millionen Euro gibt die Kirchengemeinde für Kauf und Sanierung der solide gebauten Industriellenvilla aus. Einen Teil finanziert die Gemeinde durch den Verkauf eines Hauses in der Goethestraße. Als Architekt für die Umbaumaßnahmen konnte der Pfullinger Eberhard Wurst gewonnen werden und auch die Handwerker kommen überwiegend aus Pfullingen und Reutlingen. Zudem hätten etliche Gemeindemitglieder ehrenamtlich auf der Baustelle mitgearbeitet, betont Laub, beispielsweise beim Ablösen der Tapete. Das gemeinsame Arbeiten an der Villa habe das Bewusstsein verstärkt, dass das Haus nun der Gemeinde gehöre.
Nicht nur aus Kostengründen wurde darauf geachtet, dass bei der Sanierung möglichst viele typische Elemente erhalten blieben, die den Charakter der noch im späten Gründerzeitstil erbauten Villa ausmachen.
Neben der Fassade sind das zum Beispiel der Stuck an den hohen Decken, das alte Parkett in den Wohnräumen, das lediglich abgeschliffen wurde, der Original-Fliesenboden in Fluren und Küchen, die Türen in den Eingangsbereichen zu den Wohnungen oder das alte Treppengeländer. Im reizvollen Kontrast dazu stehen die großen neuen Heizkörper, die teilweise fast wie Kunstobjekte wirken.
Geräumige Wohnungen
Geräumige Wohnungen sind im ersten Obergeschoss und im neu isolierten Dachgeschoss der Villa entstanden sowie im Obergeschoss des Anbaus. Im Erdgeschoss der Villa und des Anbaus, in dem lange Jahre die Pfullinger Ärztin Liselotte Dautel praktiziert hat, liegen acht Räume und diverse Nebenräume, die die Mitarbeiter der Diakonie-Sozialstation künftig nutzen werden.
Der Verbindungsgang zwischen den beiden Gebäudeteilen wird der neue Eingangsbereich für die Sozialstation mit rollstuhlgerechter Rampe. Parkmöglichkeiten gibt es im Hof und entlang der Marktstraße. »Ein werbewirksamer Platz«, sei die Lage an der Pfullinger Durchfahrtsstraße, findet Pfarrer Laub. Für die Besucher der Sozialstation würden Lage und ebenerdiger Zugang sicher eine Erleichterung darstellen gegenüber dem bisherigen Domizil. (GEA)