Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Energie - Informationsabend von Klimaschutz-Agentur und Stadt. Micro-Versionen auf dem Vormarsch

Blockheizkraftwerk im Kleinformat

VON ERWIN SCHEIB

PFULLINGEN. Viele Geräte sind in den vergangenen Jahren bautechnisch kleiner geworden; Fernsehapparate und Autos mal ausgenommen.

Die einst das Wohnzimmerambiente mitprägende Stereoanlage beispielsweise wurde längst von einer Micro-Version verdrängt. Auch außer Haus, bei Blockheizkraftwerken (BHKW) beispielsweise, verläuft die Entwicklung nicht anders. Seit Jahrzehnten werden sie erfolgreich für Gebäude mit hohen Energieverbräuchen eingesetzt wie Hallenbädern, Schulen oder Hotels. Jetzt kommen die Micro-BHKW - direkt ins Haus.

Für einzelne Wohnungen sind die kleinen, vom Platzbedarf mit einer Euro-Palette auskommenden Anlagen aber nicht gedacht. Herbert Reusch, Sachgebietsleiter im Stadtbauamt, vergleicht ihre Größe mit der einer Waschmaschine. Hochinteressant aber kann ihr Einsatz in Einfamilienhäusern, kleinen Wohnanlagen oder Geschäftshäusern sein. Wo's passt und sich ihr Einsatz finanziell lohnt, wollen die Stadt und die Klimaschutz-Agentur im Landkreis Reutlingen in einer gemeinsamen Veranstaltung in der Kundenhalle der Kreissparkasse Pfullingen, Lindenplatz 2, im Detail erklären. Termin ist am Donnerstag, 24. März, 20 Uhr.



Für den Hauptvortrag hat die Klimaschutz-Agentur Prof. Dr.-Ing. Bernd Thomas gewonnen. Jürgen Schipek, Geschäftsführer der Agentur, beschreibt ihn in einem Pressegespräch als Top-Fachmann.

Thomas ist seit 1997 Professor im Studienbereich Maschinenbau an der Hochschule Reutlingen mit den Lehrgebieten Technische Thermodynamik und Wärmeübertragung. Seit 2007 leitet er das Forschungsinstitut der Hochschule RRI (Reutlingen Research Institute).

Chancen und Risiken


Schipek selbst wird in der Veranstaltung auf die mit den Micro-BHKW verbundenen Chancen der energetischen Sanierung eingehen, will neben den Vorteilen aber auch zeigen, wo die Risiken dieser Technik liegen. Stadtbaumeister Karl-Jürgen Oehrle wird die Veranstaltung moderieren.

Strom produzierende Heizungen sollen nach dem Willen der EU-Strategen bis 2020 weit verbreitet sein und einen aktiven Klimaschutz leisten, geht Schipek im Pressegespräch auf den Hintergrund zum Themenrahmen »Heizen mit Blockheizkraftwerken« ein.

Lässt sich der visionäre Ansatz aus Brüssel regional überhaupt umsetzen? Wenn ja, für wen kommt die neue Technik infrage? Und was ist an dem Kraft-Wärme-Kopplungsansatz besonders klimafreundlich, wenn doch mit konventionellen Energieträgern wie Öl und Gas geheizt wird? Die Referenten des Abends wollen bei der Veranstaltung diese Fragen beantworten.

Zur Technik erklärt Jürgen Schipek im Pressegespräch: Das Kraft-Wärme-Kopplungsprinzip ist vom Auto bekannt. Mit der Abwärme des Motors wird das Fahrzeug beheizt. Ein BHKW funktioniert ähnlich.

Die von ihm erzeugte Wärme beheizt das Gebäude und treibt zusätzlich einen Generator an, der Strom erzeugt. Der hohe Wirkungsgrad der Anlage (zirka 90 Prozent) übertrifft laut Schipek jeden Heizkessel um Welten. Er zieht den Vergleich: Moderne Kraftwerke haben einen Wirkungsgrad von 45 bis 50 Prozent.

Schipek verweist auf eine Klippe, die es zu beachten gibt. Die höheren Investitionskosten sind nur über lange Laufzeiten des BHKW zu refinanzieren, in dem der produzierte Strom entweder selbst verbraucht oder gegen Vergütung ins Netz gespeist wird.

Beratung hilft weiter


Hohe Laufzeiten werden aber nur erreicht, wenn das ganze Jahr über Wärme abgenommen wird. Das wiederum kann nur erfüllt werden, wenn das Gebäude selbst einen entsprechenden Heizbedarf hat - das ist bei schlecht gedämmten Häusern der Fall - oder bei einem hohen Bedarf an Warmwasser, wie beispielsweise bei Hotels oder Altenheimen.

Die Rechnung geht nicht auf, wenn sich ein Altbau-Eigentümer zuerst für den Einbau eines Micro-BHKW entscheidet und danach das Gebäude gegen Wärmeverlust dämmen lässt, nennt Schipek ein Negativ-Beispiel. Gegen so einen Reinfall hilft nur Beratung. Das genau ist das Ziel des Themenabends. (GEA)



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