Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Mostprobe - Pfullinger Obst- und Gartenbauverein und Kulturverein i’kuh luden zur Verkostung in den Klosterkeller

Bisheriger Pfullinger Mostkönig entthront

VON MAGDALENA KABLAOUI

PFULLINGEN. »Das ist nicht unser Favorit. Der hat relativ wenig Geschmack.« Beate Ayvat und Helmut Zeeb sind sich einig. Sogar ein wenig sauer sei der Most, den sie bei der ersten Probe zu probieren bekommen. Gewissenhaft haben sie Farbe, Klarheit und Geruch geprüft, bevor sie den Geschmack und den allgemeinen persönlichen Eindruck bewertet haben.

Stimmen Farbe und Geschmack? Kritische Momente bei der Kür des besten Apfelmosts.  FOTO: KABLAOUI
Stimmen Farbe und Geschmack? Kritische Momente bei der Kür des besten Apfelmosts. FOTO: Magdalena Kablaoui
Jetzt müssen sie sich noch mit den anderen Mostliebhabern an ihrem Tisch einigen, welche Punktzahl sie für die Probe vergeben. Das Diskutieren gehört dazu zur Pfullinger Mostprobe, die heuer zum dritten Mal vom Obst- und Gartenbauverein Pfullingen und der Initiative für ein Kulturhaus (i’kuh) im Keller der Klosterkirche ausgerichtet wurde.

Vor allem beim Geschmack gehen die Meinungen oft auseinander. Nicht so bei diesem Most: Auch an den Nachbartischen wird er allenfalls als »mittelprächtig« eingestuft. Da ist die zweite Probe schon deutlich süffiger und intensiver, während bei der dritten Verkostungsprobe die Ansichten deutlich auseinandergehen. »Der ist wässrig wie ein Schorle«, meint eine Pfullingerin, die bereits zum zweiten Mal an der Mostprobe teilnimmt.

Einigung auf den Mittelwert

»Er hat auch keine typische Mostfarbe«, kritisiert sie und meint: »In einen guten Most kommt Birne mit hinein.« Das sei hier wohl nicht der Fall. Für ihre Nachbarin, die als gebürtige Hessin mit »Äppelwoi« aufgewachsen ist, schmeckt diese Mostprobe fast wie ein Roséwein. Tischnachbar und Schloss-Stüble-Wirt Markus Knak dagegen meint: »Mir schmeckt er hervorragend.« Gerade weil er so komplett anders sei. Bei der Bewertung einigt man sich schließlich auf einen guten Mittelwert.

Dass hier die Gäste den Most bewerten und man an jedem Tisch, der mit sechs bis acht Personen besetzt ist, zu einem einstimmigen Ergebnis kommen muss, das macht das Besondere dieser Mostprobe aus. »Keine Fachjury entscheidet«, erklärt Walter Fromm, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, »sondern das Publikum.« Dem gefiel es auch in diesem Jahr: Mehr als 50 Personen waren zum Mosttest gekommen.

»Deutlich mehr Moste als in den vergangenen Jahren« konnten verkostet werden, freute sich Manfred Kober von i’kuh, der die Idee zu dieser Veranstaltung hatte.

13 Mostkelterer hatten je drei Liter ihres Obstweins für diese Verkostung zur Verfügung gestellt, zwei aus dem Tübinger Raum, elf waren aus Pfullingen. In neutrale Krüge gefüllt, wusste bis zur Auszählung niemand, wessen Getränk gerade verkostet wurde. Nach den ersten Mostproben gab sich »Mostkönig« Sven Hagmaier noch siegesgewiss. Hatte er doch die Vorjahreswettbewerbe um den besten Most gewonnen.

Urkunden für alle

Doch diesmal kam der beste vergorene Apfelsaft von Manfred Kober, der 110 von 133 möglichen Punkten erreichte, nur knapp dahinter Stefan Müller (106 Punkte) und Jochen Linder mit 104 Punkten. Für die drei Gewinner gab es Preise, für alle Teilnehmer Urkunden.

Zur guten Stimmung trug ganz maßgeblich auch Liedermacherin Gitte Müller bei, die »schwäbisch normal bis poetisch« eigene Lieder vortrug. Humorvoll, ironisch, aber auch tiefsinnig und nachdenklich.

Martin Weißschuh vom OGV nutzte die Gelegenheit, die Streuobstwiesenbe-sitzer darauf aufmerksam zu machen, dass sie finanzielle Unterstützung von der Pfullinger Naturschutz-Stiftung beantragen können, um ihre Bäume fachgerecht von einem Fachwart schneiden zu lassen.

Die große Zahl der Mostproben, die an diesem Abend aufgetischt wurden, zeige, dass sich »in den Streuobstwiesen wieder etwas tut«. (GEA)



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