Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
LEUTE - Ingrid Rumpf wird am Sonntag mit dem Preis der Palästinensischen Gemeinde Deutschland geehrt

Auszeichnung für gelebte Solidarität

Von Petra Schöbel

PFULLINGEN. Mit der Betreuung von libanesischen Flüchtlingen in Pfullingen begann vor mehr als 25 Jahren Ingrid Rumpfs Engagement für die Benachteiligten des Nahostkonflikts. Nach ihrem ersten Besuch in einem Flüchtlingslager im Libanon 1994 machte sie es sich zur Aufgabe, insbesondere für die vielen Kinder dort eine Zukunftsperspektive zu schaffen. Seit 19 Jahren ist die Pfullingerin Vorsitzende des Vereins »Flüchtlingskinder im Libanon«, der vielfältige Projekte in den palästinensischen Lagern im Libanon unterstützt.

Ingrid Rumpf in ihrem Element: Auch bei der Eröffnung der Nakba-Ausstellung vor einem Jahr in Pfullingen wies sie auf das Schicksal der vielen palästinensischen Flüchtlingskinder im Libanon hin. Im Januar wird sie die Hilfsprojekte vor Ort erneut besuchen. FOTO: PR
Ingrid Rumpf in ihrem Element: Auch bei der Eröffnung der Nakba-Ausstellung vor einem Jahr in Pfullingen wies sie auf das Schicksal der vielen palästinensischen Flüchtlingskinder im Libanon hin. Im Januar wird sie die Hilfsprojekte vor Ort erneut besuchen. FOTO: PR
Mit ihrer Ausstellung »Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948« hat sie zudem einen wichtigen Beitrag geleistet, dieses wenig bekannte Schicksal des palästinensischen Volkes in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

Am Sonntag, 23. November, wird Ingrid Rumpf in Bad Godesberg mit dem mit 2 000 Euro dotierten Palästina-Solidaritätspreis der Palästinensischen Gemeinde Deutschland (PGD) ausgezeichnet. Er wird alle zwei Jahre vergeben.

Botschafterin als Schirmherrin

»Mit diesem Preis würdigt die Jury ihren langjährigen Einsatz für Flüchtlingskinder im Libanon«, heißt es in der Pressemitteilung der PGD, die eine Dachorganisation für alle in Deutschland lebenden Palästinenser ist. Ingrid Rumpf habe zudem mit ihrer Nakba-Ausstellung in ganz besonderer Weise dazu beigetragen, eine breite Öffentlichkeit mit der Geschichte des palästinensischen Volkes bekannt zu machen und für die aktuelle politische Lage zu sensibilisieren. »Dies ist eine grundlegende Bedingung, um Verständnis für die Situation der Palästinenser zu erhalten und somit für die Solidarität mit Palästina zu werben«, heißt es im Pressetext. Schirmherrin der Preisverleihung im historischen Gemeindesaal in Bad Godesberg ist die Botschafterin Palästinas in Deutschland, Dr. Khouloud Daibis.

Für Ingrid Rumpf ist diese Auszeichnung eine große Ehre. »Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass ich für diese Ausstellung schon viele Beschimpfungen über mich ergehen lassen musste«, erklärt sie. An vielen Orten, an denen die Nakba-Ausstellung seit 2008 gezeigt wurde, hatte es im Vorfeld heftige Diskussionen gegeben. Diese gipfelten darin, dass Ingrid Rumpf Antisemitismus vorgeworfen wurde. »Was völlig abwegig ist«, wie sie betont. In dieser Hinsicht sei sie sehr selbstkritisch. Die 65-Jährige erinnert daran, dass sie gemeinsam mit anderen Ende der 80er-Jahre mehrfach alternative Gedenkfeiern zum Volkstrauertag organisiert habe. »Dort haben wir insbesondere auch an die jüdischen Opfer erinnert«, erklärt sie. Deshalb schätzt sie die Anerkennung, die dieser Preis mit sich bringt. Und sie freut sich auf die Reise nach Bad Godesberg. »Dort werde ich viele Bekannte und Freunde, die Solidaritätsarbeit für Palästina leisten, wiedersehen«, sagt sie.

Genf, Edinburgh, Johannesburg

Auch die Nakba-Ausstellung wird in Kürze ganz besonders gewürdigt: Die englische Fassung wird vom 26. November an aus Anlass des Internationalen Tages der Solidarität mit dem palästinensischen Volk bei den Vereinten Nationen in Genf gezeigt. Dass so etwas möglich ist, verdankt Ingrid Rumpf ihrer inzwischen sehr guten internationalen Vernetzung. »Die Kontakte zur UN sind über unsere Partner-Organisationen in Frankreich und der Schweiz entstanden, die dort die französisch-sprachige Version der Ausstellung betreuen«, berichtet sie.

Insgesamt sind jetzt vier deutsche, drei französische und drei englische Fassungen der Ausstellung in Umlauf. Zeitgleich mit der Schau in Genf wird sie auch in Edinburgh zu sehen sein, Anfang Dezember wird sie in Johannesburg gezeigt. Für Ingrid Rumpf bedeutet das stets zusätzliche Arbeit: Teils muss sie persönlich die Schautafeln auf den Weg bringen, stets aber die dazu gehörigen Kataloge, die vor Ort verkauft werden sollen. Die Erlöse daraus kommen – ebenso wie ihr Preisgeld – voll und ganz dem Vereinszweck zugute: »Im vergangenen Jahr konnten wir 200 000 Euro aus privaten Spendengeldern in unsere Projekte im Libanon investieren.« (GEA)



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