Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Hobby - Der »Old Bison Club« Pfullingen glänzt mit gediegener Westernatmosphäre. Freitags geöffnet für alle

»Old Bison Club«: Cowboys im Stil der alten Zeit

Von Gabriele Leippert

PFULLINGEN. Wer glaubt, in Pfullingen ist außer ländlicher Idylle samt gemütlichem Kleinstadtflair mit Sportvereinen und Musikkapellen nichts geboten, der irrt gewaltig. Seit zwei Jahren kann sich jeder, der an amerikanischer Geschichte, Rothäuten und Cowboys interessiert ist, direkt auf den Weg in den Wilden Westen in die Zeit nach dem Unabhängigkeitskrieg und vor allem in die Vergangenheit der deutschen Auswanderer versetzen lassen.

Die Gründer des »Old Bison Clubs« in Pfullingen (von links): Andreas Kluge, Gabi Stein, Andy Schreiter, Olli Stein, Petra Alt und Harald Reinhardt.
Die Gründer des »Old Bison Clubs« in Pfullingen (von links): Andreas Kluge, Gabi Stein, Andy Schreiter, Olli Stein, Petra Alt und Harald Reinhardt. FOTO: Gabriele Leippert
Schon als Kind hatte Harald Reinhardt großes Interesse an allem, was mit dieser Zeit zu tun hat. Über die Jahre fand er Gleichgesinnte, die sich zuerst sporadisch trafen. Der Wunsch nach einer festen Bleibe wuchs und schließlich entstand die Idee, einen Saloon zu eröffnen. Dafür mussten allerdings viele Vorschriften beachtet und Genehmigungen eingeholt werden. »Wir wurden quasi zur Gründung eines Vereins gezwungen«, erinnert sich der Vorsitzende.

Große Bar wie im Western

Etwas abseits der Klosterstraße fanden die Gründungsmitglieder schließlich das passende Domizil. Schon der Eintritt in den Saloon des »Old Bison Clubs« sorgt für ein Aha-Erlebnis. Ein riesiger Bisonkopf ziert die Wand. Die großzügige Bar sieht aus, wie aus einem amerikanischen Western entliehen. Rote Vorhänge, gemusterte Tapeten und edle Tische mit ausgesuchten Stühlen sowie ein kolossaler Spiegel verstärken diesen Eindruck.



Bis der beeindruckende Raum fertig zur Nutzung war, verging allerdings einige Zeit. »Monatelang, jeden Tag nach der Arbeit, haben wir bis tief in die Nacht geschuftet«, erinnert sich Andy Schreiter. Heute ist die imposante Bar mit unzähligen Flaschen ausgestattet. »Wir haben alleine vierzig verschiedene Whisky-Sorten hier«, ist Reinhardt stolz.

Doch die Getränke und der Lokal-Betrieb stehen erst an zweiter Stelle. »Wir sind eigentlich im weitesten Sinne ein Brauchtumsverein«, erklärt der Vorsitzende. Was erwartete Deutsche, die sich Ausgang des 18. oder zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Übersee aufmachten? Wie lebten die Menschen dort? Mit welchen Schwierigkeiten hatten sie zu kämpfen? Wie war der Umgang mit Indianern oder auch Sklaven? Intensiv haben sich die Gründungsmitglieder mit der Geschichte beschäftigt.

»Wir haben unzählige Berichte und Bilder gesucht«, sagt Andreas Kluge, damit der Clubraum auch authentisch wirkt. »Auch unsere Kleidung entspricht historischen Vorlagen«, erzählt Petra Alt. »Wir sind keine Hollywood-Cowboys«, betont Reinhardt mit Nachdruck. Mehrmals im Jahr nehmen die »Old Style Cowboys«, wie sie sich selbst nennen, an sogenannten Lagern teil. »Da wird die Kultur der Auswanderer gelebt«, erklärt Gabi Stein.

Dann schlafen sie in Zelten, kochen in Kesseln über offenem Feuer. »Die Lager sind wie ein Dorf in dieser Zeit«, ergänzt Reinhardt, denn nach dem Bürgerkrieg habe es teilweise sehr lange gedauert, bis die Menschen feste Häuser bauen konnten. Kein Handy, Radio oder Luftmatratze, kein neumodischer Kram verfälscht die zwar spartanische, aber beileibe nicht trostlose Atmosphäre.

»Hier entfliehen wir dem hektischen Alltag«, bekräftigt Olli Stein. Unzählige alte Kostbarkeiten wie Uhren, Leuchten, aber auch Waffen - denn »die gehören zum richtigen Outfit« - zieren Saloon und Cowboys. »Ein Sammelsurium aus Überfällen«, sagt Reinhardt und grinst spitzbübisch. Tatsächlich haben die Western-Freaks ihre Schätze gesammelt: »Wir sind viel auf Flohmärkten unterwegs, da findet man allerlei«, sagt Alt.

Weil sie ihre Leidenschaft mit anderen teilen möchten, öffnen sie ihren Saloon jeden Freitagabend. »Da darf gern jeder kommen, der das gleiche Interesse wie wir hat«, sind sich die Gründer einig. Dank der in den Lagern geknüpften Kontakte kommen bereits viele Gleichgesinnte nach Pfullingen. »Denen gefällt die Atmosphäre hier mit leiser, traditioneller Westernmusik«.

Beim Ferienprogramm der Stadt hat der junge Verein auch schon mitgemacht. »Die Kids waren total begeistert«, freut sich Kluge, dass der Nachmittag mit Reiten, Goldschürfen, Lassowerfen und dem Zubereiten von Essen wie anno dazumal bestens ankam.

Inzwischen hat der »Old Bison Club« knapp vierzig Mitglieder, die aus dem ganzen Umkreis stammen. Irgendwann wollen sie selbst ein Lager anbieten, auch ein Tag der offenen Tür ist geplant. Zudem kann der Saloon für Festivitäten gemietet werden. »Wir sind offen für jedermann, auch ohne Cowboy-Kluft«, freuen sich die »Old Style Cowboys« auf neugierige Besucher. (GEA)

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