Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Rathaus Pfullingen - Martin Fink erledigt im Rathaus zurzeit das Tagesgeschäft. 18- bis 20-Stunden-Tag

Martin Fink vertritt den erkrankten Bürgermeister

VON PETRA SCHÖBEL

PFULLINGEN. Seinen Arbeitsplatz hat er sich am runden Tisch im Vorzimmer eingerichtet. »Das ist praktisch für die vielen Besprechungen, die es mit den verschiedensten Leuten gibt«, sagt Martin Fink. Dort sitzt er keine drei Meter entfernt von Chefsekretärin Cornelia Gekeler, die mit den Verwaltungsabläufen vertraut ist und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.

FOTO: Petra Schöbel
Seit Ende November verbringt Fink als erster Stellvertreter des erkrankten Bürgermeisters Michael Schrenk viel Zeit im Rathaus, um die Amtsgeschäfte weiterzuführen. Seine eigentlichen Berufe als Personalberater und Leiter eines Unternehmens für Sprengtechnik übt er dennoch weiter aus, ein Balance-Akt, der ihm momentan viel abverlangt.

Als Bürgermeister-Stellvertreter - ein Ehrenamt, das im Bedarfsfall mit einem Tagessatz von 50 Euro entlohnt wird - hat Fink schon einige Erfahrung. Seit 1999 ist er immer einer von drei Stellvertretern gewesen. Nach der Kommunalwahl 2014 rückte er an die erste Stelle, da seine Fraktion (UWV) und er die meisten Wählerstimmen erhielten. Schon zu Zeiten von Bürgermeister Rudolf Heß hat er in der Urlaubszeit die Vertretung im Rathaus übernommen: »Freilich war das dann ferienbedingt viel weniger Geschäft.«

Seit November sind Fink sowie seine Stellvertreter-Kollegen Christine Böhmler und Gert Klaiber verstärkt gefordert. Zunächst war Bürgermeister Michael Schrenk zwei Wochen ausgefallen, dann nahm er eine Woche lang die Amtsgeschäfte wieder auf, ist aber seit dem 28. November kontinuierlich krankgeschrieben, wie Fink erklärt. Abzusehen sei, dass Schrenk bis Anfang Februar im Krankenstand bleibe.
»Mir macht es nichts aus, wenn viel los ist«
 

So lang wird Fink auf jeden Fall fast täglich stundenweise im Rathaus sein und sich um das Tagesgeschäft kümmern. Auch Christine Böhmler und Gert Klaiber übernehmen Aufgaben, vor allem im repräsentativen Bereich. »Da gibt es viele Termine, vor allem auch am Abend«, betont er.

Über die Hintergründe von Schrenks Erkrankung weiß Fink nichts. »Es wird ja viel spekuliert in der Stadt, aber ich beteilige mich nicht daran«, hebt er hervor. Für ihn ist es eine Frage des Anstands, einem Erkrankten seine Ruhe zu lassen. Weshalb er mit Schrenk seither auch noch nicht gesprochen hat. »Ich habe ihm, auch im Namen des Gemeinderats, Genesungswünsche zugeschickt«, sagt er.

»Mir macht es gar nichts aus, wenn viel los ist«, sagt der 55-Jährige zu seiner momentanen Belastung. »Ich arbeite gern in den späten Abend- oder frühen Morgenstunden.« Deshalb kann er die 18- bis 20-Stunden-Tage, die bei ihm zurzeit beinahe die Regel sind, auch ganz gut verkraften. Doch er stellt fest: »Ein Dauerzustand darf das nicht werden!«

Die Stunden des Tages teilt er auf zwischen der Verwaltungsarbeit und dem Engagement für seinen Beruf. Morgens kommt er oft ins Rathaus, verabschiedet sich dann zum Beispiel vormittags, um als Personalberater einen Kundentermin wahrzunehmen, kehrt nach dem Mittagessen wieder an seinen Platz im Vorzimmer zurück, spricht mit Amts- oder Sachgebietsleitern über anstehende Dinge, erteilt Aufträge oder Baugenehmigungen, kümmert sich um Beurkundungen und vieles mehr. Zwischendurch nimmt er sich auch der Probleme von Bürgern an, die mit der Hoffnung auf Unterstützung, hereinschauen. »Ich versuche, möglichst viel nach dem Prinzip der kurzen Wege und im persönlichen Gespräch zu erledigen«, beschreibt er. Manchmal nimmt er sich auch einen Tag »frei« vom Rathaus, weil er für seine Sprengtechnikfirma eine Baustelle besuchen muss.

In den Abendstunden ist in seinem eigenen Büro stets viel Schreibtischarbeit angesagt. »Manchmal setze ich mich noch mal zwei Stunden hin, wenn ich von einem Abendtermin für die Stadt wieder heimkomme«, berichtet er. Auch Grußworte für Veranstaltungen schreibt er bevorzugt in den »ruhigen Stunden«. Das Wochenende versucht er, sich weitgehend frei zu halten. Denn irgendwann muss auch er Zeit zum Abschalten haben.

Auf der Strecke bleibt bei all dem der private Bereich. Das Musizieren im Posaunenchor hat er schon vor einer Weile aufgegeben, auch weil er beruflich zu sehr gefordert war. »Jetzt sitze ich nur noch als Zuschauer im Konzert«, bedauert er. Und er ist sich im Klaren darüber: »Hätte ich Familie und Kinder, dann wäre das alles noch viel schwieriger.« Jetzt sind es vor allem seine Nichten und Neffen, die beklagen, dass sie ihn gar nicht sehen.

Vorübergehend abgegeben hat Fink auch den Vorsitz der UWV-Fraktion. Günther Mollenkopf und Ute Jestädt übernehmen zurzeit diese Funktion. Als Bürgermeister-Stellvertreter sieht er sich der Neutralität verpflichtet und macht das auf diese Weise deutlich. Und trifft sich in dieser Funktion mit den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats ebenso regelmäßig wie mit den Amtsleitern der Verwaltung. Informiert sein und Informationen weitergeben, das ist ihm wichtig.
»Wir werden den Haushalt bis Ende März verabschieden«
 

Denn neben dem Tagesgeschäft im Rathaus gilt es derzeit auch, den Haushaltsplan für das laufende Jahr auf den Weg zu bringen. Was dadurch erschwert wird, dass auch Kämmerer Matthias Baumann bereits eine ganze Weile krankgeschrieben ist. Inzwischen arbeite dessen Stellvertreter Manuel Baier an dem umfangreichen Zahlenwerk, betont Fink. »Die Eckpunkte sind festgesetzt. Wir werden den Haushalt bis Ende März verabschieden«, ist er sich sicher, »der Zeitplan für die Beratung im Gemeinderat steht.«

Für ihn, der sonst als Ratsherr die Geschicke der Stadt mitbestimmt, ist es durchaus spannend, jetzt die Umsetzung von Ratsbeschlüssen aus der Perspektive der Verwaltung zu erleben. Er ist in stetem Kontakt mit den Mitarbeitern der verschiedenen Ämter, wird zu Besprechungen hinzugezogen, muss Entscheidungen fällen. »Das ist vergleichbar mit der Leitung eines mittelständischen Betriebs«, stellt er fest.

Fink geht davon aus, dass Schrenk Anfang Februar wieder gesund sein wird und die drei Stellvertreter nicht mehr so gefordert sein werden. Sollte der Bürgermeister aber doch noch länger krankgeschrieben sein, würde er sich wünschen, dass dann eine andere Regelung gefunden werden kann. »Auf Dauer kann das nicht so gehen«, erklärt er. Erfahrungen in Kommunen mit langzeit-erkrankten Bürgermeister zeigten, dass nach einer gewissen Zeit die Kommunalaufsicht aktiv werde.

In anderen Städten übernimmt im Krankheitsfall des Bürgermeisters der Erste Beigeordnete die Amtsgeschäfte. In Pfullingen sei es aber bisher nie ein Thema gewesen, eine solche Stelle auch nur zu schaffen, erklärt Fink. Und lässt offen, ob er sich das wünschen würde. (GEA)



Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Schalke bestätigt: Goretzka-Transfer zum FC Bayern fix

Nationalspieler Leon Goretzka wird im Sommer vom FC Schalke 04 zum FC Bayern München wechseln. Foto: Tim Rehbein

München (dpa) - Der FC Bayern München hat den Tran... mehr»

Halbe Milliarde Euro Schäden durch «Friederike»

Der Orkan ist vorbei, Reisende müssen aber noch mit Einschränkungen rechnen. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Berlin (dpa) - Orkan «Friederike» hat in Deutschla... mehr»

Paul Rudd bekommt den «Hasty Pudding»-Preis

Eine Puddingschüssel für Paul Rudd. Foto: Richard Shotwell/Invision

Los Angeles/Cambridge (dpa) - Paul Rudd (48, «Ant-... mehr»

VW investiert 1,8 Milliarden Euro in nächsten Golf

Die nächste Golf-Generation, der Golf 8, wird 2019 auf den Markt kommen. Foto: Boris Roessler

Wolfsburg (dpa) - Die Volkswagen-Kernmarke VW Pkw ... mehr»

AfD erzwingt Abbruch von Bundestagssitzung

Alexander Gauland über den Abbruch: «Wenn man Krieg haben will in diesem Bundestag, dann kann man auch Krieg kriegen.» Foto: Bernd von Jutrczenka

Berlin (dpa) - Die AfD hat den Abbruch einer Bunde... mehr»

Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen