Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Late Gospel Night - Zwei Gospel-Chöre präsentieren vor vollen Kirchenbänken klassische und poppige Stücke

»Auch mal auf das Herz hören«

VON CLAUDIA HAILFINGER

PFULLINGEN. Gänsehautstimmung in der Martinskirche. Während das Treiben auf dem Marktplatz längst verebbt war und in der Kneipe nebenan viele noch mit den deutschen Fußballfrauen fieberten, herrschte in der Kirche eine ganz besondere Atmosphäre. 20 schwarz gekleidete Männer und Frauen schritten bedächtig mit kleinen Lichtern in der Hand Richtung Altar, wo sie bereits von ihrer stimmgewaltigen Dirigentin mit einem anrührenden »Hallelujah« empfangen wurden.

Ellen Strauß-Wallisch wollte zum Abschluss des musikgeladenen Tages in Pfullingen, zusammen mit ihrem Esslinger Chor »Rhythmicals«, noch einmal richtig für Stimmung sorgen: »Sie sollen mitklatschen, Sie sollen mitmachen - viel Spaß bei der Late Gospel Night«, lud Strauß-Wallisch ein. In knapp einer dreiviertel Stunde zeigte der Chor dann seine volle Bandbreite, die von traditionellen Gospels bis hin zu Pop-Hits reicht.


»Sie sollen mitklatschen - Sie sollen mitmachen«
 

Neben vorgelesenen Zitaten aus der Bibel versuchte der Chor auch auf moderne Weise, Wertgedanken weiterzugeben. Etwa mit Michael Jacksons »Man In The Mirror« - bei dem Spiegelbild, also bei sich selbst, solle man anfangen, heißt es da.

»Ein ganz toller Gedanke«, findet Strauß-Wallisch, die den Liedern kurze Einführungen voranstellte. »Auch mal auf das Herz und das Bauchgefühl hören«, empfahl sie etwa vor Roxettes »Listen To Your Heart« oder klärte über den Hintergrund des U2-Klassikers »One« auf: Er ist Martin Luther King gewidmet.

Kurz ins Stolpern gerieten die neun Männer und elf Frauen des Chors bei »Heartbeat Of The Sea«. Einsatz verpasst? Text vergessen? Wie dem auch sei - das Publikum half klatschend aus der Patsche. »S'klappt halt nicht immer«, entschuldigte dies die Leiterin im Anschluss.

Doch wenn die Mannschaft mit allen vier Stimmen aufwartete, sich dem Rhythmus des trommelähnlichen Cajons hingab und ihre Singfreude strahlend demonstrierte, vergaß man, dass es eigentlich mitten in der Nacht war. Die Zuhörer in der voll besetzten Martinskirche dankten es mit anhaltendem Applaus und Jubel.


»S'klappt halt nicht immer«
 

Schon zuvor hatten sie den Klängen der 17 Sänger und Sängerinnen von »Dream & Harmonie« aus Ertingen gelauscht. Unter der Leitung von Regina Wiedergrün präsentierten diese echte Gospel-Klassiker wie »Now Let Us Sing« oder »No Need To Knock« und untermalten sie mit kleinen Choreografien: Finger schnippten, Arme flogen in die Höhe, Beine schwangen von der einen Seite zur anderen. Aber erst beim allseits bekannten »Oh Happy Day« sprang der Funke aufs Publikum über.

Die beiden Gospelchöre wurden vom Schwäbischen Chorverband für die Late Gospel Night auserkoren. Das Festival der Jungen Chöre, »Open-Sound« im Klostergarten, fand mit dem stimmungsvollen Konzert in der Martinskirche einen würdigen Abschluss. (GEA)


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