Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Geschichtsverein - Bildervortrag über Wasserkraft an der Echaz. Neue Projekte im Blick

Wasserkraft: In Pfullingen könnte mehr laufen

Von Kristina Wiechert

PFULLINGEN. Um »Wasserkraft an der Echaz - alte Energie mit neuer Zukunft« ging es im Mühlenmuseum. Der Pfullinger Geschichtsverein hatte zu einem Bildvortrag mit Julian Aicher von der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg eingeladen. Der Journalist und Mühlenbesitzer aus Rotis bei Leutkirch beschrieb das riesige Potenzial der Wasserkraft, mit dem die Energiewende vorangebracht werden kann. »Stürzen 100 Liter Wasser in 1 Sekunde 1 Meter tief, setzen sie dabei 1 Kilowatt an Leistung frei«, rechnete er vor. »Moderne Wasserkraftwerke können bis zu 90 Prozent der Energie in Strom umwandeln!«

Im Maschinenraum der zurzeit stillstehenden Baumann'schen Mühle fachsimpeln Betreiber Gerold Althaus und Julian Aicher (zweiter von rechts) mit interessierten Besuchern.FOTO: KIWI
Im Maschinenraum der zurzeit stillstehenden Baumann'schen Mühle fachsimpeln Betreiber Gerold Althaus und Julian Aicher (zweiter von rechts) mit interessierten Besuchern. FOTO: Kristina Wiechert
Der überzeugte Wasserkraftler brachte einige Beispiele aus Oberschwaben und Allgäu mit. In der oberschwäbischen Gemeinde Rechtenstein stammt mehr Strom aus ortseigener Donau-Wasserkraft, als die Bevölkerung dort verbraucht. Am Beispiel Rechtenstein widersprach Aicher auch das Vorurteil, dass Wasserkraft grundsätzlich die Natur störe. »Die Donau ist dort ein Teil des Naturschutzgebietes, das Stauwehr macht den Fluss ruhiger und es gibt eine Umgehung für Fische.« Oberstdorf bezieht sogar heute schon 50 Prozent des Stroms aus der Wasserkraft. Drei eigene Wasserkraftanlagen, die Beteiligung an einer vierten und zusätzlich sieben private Betreiber speisen in das örtliche Netz ein.

Davon ist Pfullingen, die ehemalige »Stadt der Mühlen«, freilich noch einiges entfernt. »Die Stadt bemüht sich um regenerative Energien«, betonte Waltraud Pustal vom Geschichtsverein. Bestes Beispiel ist das neue Kleinwasserkraftwerk am Friedrich-Schiller-Gymnasium. 37 Standorte für Wasserkraft existierten einmal in Pfullingen, erzählte die Vereinsvorsitzende, »doch momentan gibt es nur noch fünf Wasserkraftanlagen«. Eine davon, die Baumann'sche Mühle, liegt derzeit wegen ihrer verkalkten Turbine still. Doch laut der Wasserkraftstudie des Regionalverbands Neckar-Alb könnte mehr laufen an der Echaz: »Der Regionalverband hat in Pfullingen 17 Wassertreibwerke ermittelt, deren Betrieb möglich wären«, meinte Aicher.

Auch in diesem Jahr beschäftigt sich der Geschichtsverein noch einmal mit dem Wasser, wenn es um die Entwicklungsgeschichte vom Wasserrad zum Elektromotor geht. Wie kam die Kraft des Wassers in die Fabrik? »Das wollen wir aufbereiten«, kündigte Pustal an. »So etwas können sich die Jungen heute gar nicht mehr vorstellen.«

Auch dieses Jahr wird der Geschichtsverein wieder beim Deutschen Mühlentag und dem Tag des offenen Denkmals mit von der Partie sein, ebenso beim Kinderferienprogramm und lebendigen Adventskalender, doch der rührige Verein hat auch neue Projekte im Blick. Gemeinsam mit der Stadt möchte der Verein zukünftig Stadtführungen am Sonntagnachmittag anbieten, die am Marktbrunnen beginnen und bis zum Schlössle führen, am besten mit der Möglichkeit zum anschließenden Museumsbesuch.

Auch mit anderen Geschichtsvereinen sollen die Kontakte verstärkt und gemeinsame Aktionen zustanden kommen. »Aus Lichtenstein in Sachsen kam sogar schon eine Anfrage an uns«, berichtete der Zweite Vorsitzender Martin Fink. Die nächste Ausgabe des Stadtadressbuchs wird dank des Geschichtsvereins ein Stück interessanter, denn zu den Straßennamen wird es jeweils kurze Erläuterungen zu deren Herkunft geben. Mehr Infos zu den Aktivitäten sind unter www.geschichtsverein-pfullingen.de zu finden. (GEA)



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