Verkehr - Kreuzungsfreie Verbindung zwischen Metzinger Bahnhofsvorplatz und Rechbergstraße/Nordstadt angestrebt

Zukunftsteam will neuen Radweg

VON MARKUS PFISTERER

METZINGEN. Engagierte Metzinger aus dem Zukunftsteam Infrastruktur und Verkehr wünschen sich einen neuen, kreuzungsfreien Radweg zwischen dem Bahnhofsvorplatz und der Rechbergstraße, die in den nördlichen Stadtteil zwischen Musikschule, »Kaufland« und Gewerbegebiet Längenfeld führt.

FOTO: Markus Pfisterer
»Angesichts der vielen Unfälle mit Radfahrern hält es das Zukunftsteam für dringend erforderlich, die Infrastruktur zu verbessern«, machte Teammitglied und Ex-Grünen-Gemeinderätin Gertrud Kleineikenscheidt bei einem Vororttermin den 20 Interessierten klar. Zur Erläuterung der Pläne hatten sie sich unter der großen Brücke getroffen, über die die Nürtinger Straße verläuft und unter der nach Meinung der Aktivbürger noch Platz für einen Radweg wäre. Knapp zehn Meter entfernt brausen Züge der Hauptstrecke Stuttgart-Tübingen vorbei.

Ex-SPD-Stadtrat Wilhelm Mack, wie Kleineikenscheidt seit Jahrzehnten für das Fahrrad streitend, stellte die Pläne näher vor. Der Bau des Radwegs würde voraussetzen, dass die Stadt Metzingen von der Deutschen Bahn Grund erwirbt. Derzeit hat die Stadt dort einen 6 Meter breiten Streifen in petto, für einen 5,5 Meter breiten Radweg und einen davon getrennten Fußweg wünscht sich Team aber einen 7 Meter breiten Streifen. Hinzu käme ein Sicherheitsabstand, der zur Bahnlinie eingehalten werden muss, und gegebenenfalls Schutzwände oder -zäune zwischen Bahn und Weg.

Auf 1,4 Millionen Euro beziffert

Verhandlungen mit der Bahn können sich nach bisherigen Erfahrungen jahrelang hinziehen, doch das Zukunftsteam möchte mit seinem Vorstoß, dass die Stadt in die Offensive geht und das ihr Mögliche tut. »Pläne liegen seit 2001 in der Schublade«, behaupten Mack und Kleineikenscheidt. Für den Radwegbau müsste nicht nur das alte, gekappte, nicht mehr benötigte Güteranschlussgleis, sondern auch eine frühere Laderampe entfernt werden.

Zukunftsteam und Besucher haben sich die Situation bei einer Begehung angeschaut. Mit dabei waren einige Gemeinderäte, Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler, Baubürgermeisterin Jacqueline Lohde - und zeitweise die Polizei: Weil sich die Gruppe angesichts der räumlichen Enge nahe am Gleis der Hauptbahn bewegte, schlug ein Lokführer Alarm, nicht wissend, was vorging. Fiedler, als OB auch Chef der Ortspolizeibehörde, konnte die herbeigeeilten Streifenbeamten aber schnell wieder beruhigen.

Hinter der Engstelle am Gleis liegt der nächste Engpass unterm Gleis, den das Zukunftsteam gerne fahrradfreundlicher ausgebaut sähe: die Unterführung zwischen Rechbergstraße und Friedenskirche. Sie hat zwei rechte Winkel, die durch Barrieren und »Bitte absteigen«-Schilder gesichert sind. Absteigen tut ersichtlich aber kaum ein Radler. Mack, Kleineikenscheidt und Co. wünschen sich den Neubau einer aufgeweiteten Bahnunterführung, der Sicherheit wegen ebenfalls mit getrennten Rad- und Fußwegen.

Das Zukunftsteam hat nicht nur Wünsche, sondern auch einen Zeit- und einen Kostenplan. Für Planung und Grunderwerb kalkuliert man mit 100 000 Euro und einer Verwirklichung 2018/19. Der Bau des mehrere hundert Meter langen Radwegs möge für 300 000 Euro 2020/21 folgen, der Neubau der Bahnunterführung für eine Million Euro 2022/23; hierzu müsste die Bahnstrecke Stuttgart-Tübingen zeitweise gesperrt werden.

Drei-Meter-Mischweg möglich

In der Diskussion vor Ort bekamen die Zukunftsteam-Sprecher nicht nur den Fahrtwind der Züge, sondern auch etwas Gegenwind aus der Besucherschar ab. »Es gibt einen kreuzungsfreien Radweg zwischen dem Neugreuth und Neuhausen mit Abstellplätzen hinter dem Bahnhof«, warf ein Mann ein, »warum brauchen wir diesen Weg unter der Brücke durch?« Weil er eben vom Bahnhofsvorplatz in die nördlichen Stadtteile führt, während Radler auf dieser Verbindung bisher oberirdisch über Ampeln fahren müssen. OB Fiedler zeigte sich von der montäglichen Ideenbewegung unter der Brücke angetan. »Ich freu mich, dass wir so engagierte Bürger haben, die sich Gedanken über die sich wandelnde Verkehrswelt machen.« Den zunehmenden Fahrrad- und Pedelecverkehr verkennt auch der selbst oft radelnde Rathauschef nicht. »Der Verkehrsplaner muss darauf reagieren.« Bevor Fiedler die Bürgerpläne näher bewertet, will er sie mit Fachleuten aus der Verwaltung durchleuchten.

Gerhard Linder vom Amt für Planen und Bauen hat damit schon angefangen. Zwischenergebnis: »Wenn der Weg so breit werden soll, wie vom Zukunftsteam gewünscht, müssten wir auch noch zur Rechbergstraße hin Grund erwerben.« Der teilweise bebaut ist. Für einen auch von der Stadtverwaltung angedachten, drei Meter breiten gemischten Geh- und Radweg wäre dagegen schon bei der jetzigen Eigentumslage genug Platz da. (GEA)

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