Wasserkraft - Die Fair-Energie Reutlingen will am Diegele-Wehr in Bad Urach eine Anlage bauen

Wasserkraft: Grüner Strom von der Erms

Von Andreas Fink

BAD URACH. Die Erms war immer schon für Energie gut. Auf Uracher Markung liefen bis zu 27 Mühlen oder Kraftwerke. Dazu kamen zwei Anlagen an der Elsach und eine am Stadtbach. Die Mühlen sind schon lange weg, Strom wird heute - wenn auch teilweise nur in geringem Umfang - aber immer noch an zwölf Standorten produziert. Ein dreizehnter soll dazukommen: Die Fair Energie Reutlingen will am Diegele-Wehr auf Höhe des Graf-Eberhard-Gymnasiums ein kleines Wasserkraftwerk bauen. Es soll Strom für 60 Haushalte liefern.

Lauschiges Plätzchen: Am Diegele-Wehr auf Höhe des Uracher Graf-Eberhard-Gymnasiums will die Fair-Energie ein Wasserkraftwerk bauen. Es soll grünen Strom für 60     Haushalte liefern. GEA-ARCHIVFOTO: FINK
Lauschiges Plätzchen: Am Diegele-Wehr auf Höhe des Uracher Graf-Eberhard-Gymnasiums will die Fair-Energie ein Wasserkraftwerk bauen. Es soll grünen Strom für 60 Haushalte liefern. FOTO: Andreas Fink
Von der Stadt Urach her ist alles klar: Der Gemeinderat hat der Sache schon im Oktober 2011 sein Einvernehmen gegeben. »Mehr kann die Stadt nicht tun«, sagt Bernd Mall, der Pressereferent der Stadt Bad Urach, »das ganze restliche Verfahren, also sämtliche Genehmigungen, liegt beim Landratsamt.« Die Reutlinger haben den Bescheid am 31. Januar dieses Jahres ausgestellt.

Die Ausschreibung läuft

Jetzt ist die Fair-Energie - seit dem Jahr 2000 ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Reutlingen GmbH - am Zuge. »Wir hätten gern schon früher angefangen«, sagt Klaus Leibfritz, Pressesprecher der Fair-Energie, »aber die Genehmigung kam erst jetzt.« Seither laufen die Ausschreibungsarbeiten. Leibfritz will keine Prognose darüber abgeben, wie lange es dauert, auch über den Baubeginn kann er nichts sagen - schon wegen des Wetters, von dem bei Wasserbauarbeiten besonders viel abhängt. Die Bauzeit? Zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Ein Anhaltspunkt: Die Wasserkraftanlage in Pfullingen hat die Fair- Energie in einem Jahr fertiggestellt.

Die installierte Leistung des künftigen Diegele-Kraftwerks soll bei 25 Kilowatt liegen, die Fair-Energie erwartet eine Jahresleistung von 170- bis 180 000 Kilowattstunden. Nicht das ganze Wasser, das von der Quelle hinter Seeburg Richtung Neckar fließt (im Jahresmittel 2,15 Kubikmeter pro Sekunke), kann verstromt werden. Ein Teil des Wassers wird auch künftig über Fischtreppen fließen, die es Klein(st)lebewesen ermöglicht, gegen den Strom zu schwimmen. Auch das vorhandene Diegele-Wehr hat schon eine Aufstiegshilfe, das in den 70er-Jahren angelegte Bauwerk ist allerdings nach heutigen Maßstäben viel zu kurz und steil und deshalb für die Erms-Bewohner unpassierbar.

Das Wehr wird bleiben, um den Wasserlauf auch künftig regulieren zu können. Die Strom-Mühle wird nebenan eingebaut. Ursprünglich hatten die Planer für Urach eine Turbine vorgesehen, inzwischen sprechen sie von einer Wasserkraft-Schnecke. Die ist nicht ganz so effizient wie eine Turbine, hält aber deutlich länger. Beim Vor-Ort-Termin im Oktober 2011 sprach der Fair-Energie-Fachmann von »50, 70, 100 Jahren Laufzeit«.

Diskutiert wurde auch noch eine große Lösung für Urach. Die Anlage hätte für 290 Haushalte Strom produziert. Das Ermswasser hätte hierzu über eine einen Kilometer lange Druckleitung zu einer Turbinenanlage geleitet werden müssen, die in einem schon bestehenden Krafthaus kurz unterhalb der Brühlbachmündung untergebracht wäre. Bei einer Fallhöhe von zwölf Metern wäre eine Leistung von rund 230 kW mit der entsprechenden Jahresarbeit von etwa 1,15 Millionen Kilowattstunden möglich.

Technisch machbar, aber weder von der Stadt noch vom Regierungspräsidium gewollt. Die Erms, die sich frisch renaturiert durch den Kurpark schlängelt, wäre zu einem dünnen Rinnsal verkümmert - die Musik spielt unter dem Boden. Das wäre weder ökologisch noch optisch sinnvoll. (GEA)

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