Soziales - Für Kinder mit und ohne Behinderung: Übergabe des Integrativen Kinderhauses im Metzinger Neugreuth
Vielfalt als Bereicherung erleben
VON ANDREAS FINK
METZINGEN. Das Integrative Kinderhaus im Metzinger Neugreuth ist schon seit September 2010 in Betrieb, gestern wurde es feierlich der Öffentlichkeit übergeben.
Reine Lebensfreude beim Tanz der Kinder des Integrativen Kinderhauses Metzingen. Die Einrichtung läuft schon seit September 2010, gestern wurde sie feierlich der Öffentlichkeit übergeben.
FOTO: Andreas Fink
Entstanden ist es aus der Zusammenlegung des Kindergartens Neugreuth II und des Schulkindergartens der Körperbehindertenförderung Neckar-Alb (KBF). Hier lernen und leben 96 Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. »Für uns ist es normal, verschieden zu sein«, ist der Leitspruch des Integrativen Kinderhauses, »wir erleben Vielfalt als Bereicherung.«
»Es war ein sehr langer Weg, den die beteiligten Einrichtungen, die Eltern und die Kinder gemeinsam beschritten haben«, sagt der KBF-Vorstandsvorsitzende Professor Hermann Wenzel. Hier lernten Kinder »voneinander und miteinander, sie lernen, sich gegenseitig zu akzeptieren und Toleranz zu üben«. Mit dem Integrativen Kinderhaus werde das Angebot der Stadt Metzingen an Kinderbetreuungsplätzen um einen weiteren Baustein ergänzt und bereichert, betont Wenzel.
Ein schillernder Mosaikstein
Das findet auch der Metzinger Oberbürgermeister Ulrich Fiedler: »Das Integrative Kinderhaus ist ein weiterer schillernder Mosaikstein in unserer Kindergartenlandschaft.« Der Weg sei »mit Sicherheit noch nicht zu Ende«, so der Verwaltungs-Chef, »aber wir haben einen ersten wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan.« Fiedler ist überzeugt, »dass das Integrative Kinderhaus bei der der KBF in den besten Händen sein wird«.
Derzeit betreut und verwaltet die 1970 gegründete Körperbehindertenförderung Neckar-Alb 71 Einrichtungen an 22 Standorten in den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Freudenstadt. Im Metzinger Kinderhaus werden Kinder mit körperlichen, geistigen und sprachlichen Behinderungen zusammen mit Kindern ohne Behinderung betreut. »Das Konzept scheint aufzugehen«, sagt der Metzinger OB, »die neue Einrichtung ist voll belegt.«
Ein Grund dafür dürfte das »sehr differenzierte Angebot« sein, das Martin Schüler vom Staatlichen Schulamt Tübingen hervorhebt. Er nennt die unterschiedlichen Kleingruppen, den Tagesablauf, das Lernangebot und die Öffnungszeiten: Ein Haus, das auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder ebenso eingehe wie auf die der Eltern. »Unsere Kinder lernen hier enorm viel«, sagt die Elternbeiratsvorsitzende Olivia Calasso, »aber auch wir Eltern« - etwa »offen aufeinander zuzugehen«. Spontanen, vielseitigen Eltern-Beifall erhielt Olivia Calasso, als sie sich bei den Erzieherinnen des Kinderhauses »für den liebevollen Umgang mit unseren Kindern« bedankte.
Das neue Logo des Integrativen Kinderhauses ist von fünf Fußabdrücken durchzogen. Als Sinnbild dafür, »dass jedes Kind seinen eigenen Weg gehen darf«, wie Mechthild Bruns, die gesamtorganisatorische Leiterin der Einrichtung erklärt. Erst als das Logo fertig war, bemerkten die Verantwortlichen, dass sich in der Zeichnung ein kleiner Fehler eingeschlichen hat: Am ersten Fuß sind die Zehen an der falschen Seite. Der Fuß tanzt trotzdem durchs Bild. »Im Nachhinein finden wir diesen vermeintlichen Fehler richtig gut«, sagt Mechthild Bruns. Weil »wir es normal finden, verschieden zu sein«. (GEA)
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