Ehrung - Die erfolgreiche Metzinger Tennisspielerin trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein und begeistert die Jugend

Viel Rummel um Laura Siegemund

VON TILL BÖRNER

METZINGEN. Groß war der Trubel am Montagabend im Foyer des Alten Rathauses. 50 Kinder des TC Metzingen hüpften vor Aufregung durch den Raum, zückten ihre Handys, um Bilder zu machen und hatten nur ein Ziel: ein Autogramm von Laura Siegemund zu ergattern. Die international erfolgreiche Metzinger Tennisspielerin und Olympiateilnehmerin war von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler zu einer Feierstunde ins Rathaus geladen worden, um sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Wie sieht das Leben eines Tennisstars aus? Laura Siegemund steht bereitwillig Rede und Antwort.
Wie sieht das Leben eines Tennisstars aus? Laura Siegemund steht bereitwillig Rede und Antwort. FOTO: Till Börner
Bevor es dazu kommen konnte, musste die 28-Jährige jedoch unzählige Unterschriften leisten, mit den Kindern und ihren Eltern für Selfies posieren und sehr viele Fragen zum Leben eines Tennisstars beantworten. Für Siegemund kein Problem: Sie nahm sich Zeit für jeden einzelnen Fanwunsch und stand den Kids Rede und Antwort. »Das erlebt das Rathaus auch nicht alle Tage«, kommentierte Fiedler die Szene amüsiert.
»Das erlebt das Rathaus auch nicht alle Tage«
 

Der Oberbürgermeister outete sich als Tennisfan und war sichtlich stolz, die »Tochter der Stadt« begrüßen zu dürfen: »Sie tragen den Namen Metzingen in die ganze Welt hinaus.« Für Laura Siegemund ging es 2016 nicht nur einmal quer um den Globus, mit ihrem Erfolg erspielte sie sich auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Auf Weltranglistenplatz 90 begann sie im Januar die Saison. Beim ersten großen Highlight, den Australien Open, erreichte sie die dritte Runde. Beim Porsche-Grand-Prix im April in Stuttgart musste sich Siegemund noch durch die Qualifikation kämpfen. Im Hauptfeld angekommen, schlug sie drei Spielerinnen, die zu den besten zehn der Welt gehören, und unterlag erst im Finale ihrer Landsfrau Angelique Kerber – die inzwischen Weltranglistenerste ist.

Im Juli klappte es dann mit dem ersten ganz großen Titel: Im schwedischen Bastad gewann die 28-Jährige das Turnier. Es folgte der Einzug ins Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, bevor es zu den US Open ging. In New York gewann Laura Siegemund zusammen mit ihrem kroatischen Partner Mate Pavic den Mixed-Doppel-Wettbewerb und darf sich seitdem als eine von nur ganz wenigen deutschen Tennisspielerinnen Grand-Slam-Siegerin nennen. Die Erfolge machten sich natürlich auch in der Weltrangliste bemerkbar, das Jahr beendet sie auf Platz 31.

»Diese Zahlen muss man sich auf der Zunge zergehen lassen«, sagte Ulrich Fiedler, der die gebürtige Metzingerin für ihr Verhalten auf und neben dem Sportplatz lobte. Harte Arbeit, mentale Stärke in Drucksituationen, aber auch das Bewusstsein ihrer Rolle als Vorbild seien die positiven Eigenschaften der Laura Siegemund, so Fiedler.

Dass es im Profisport nicht nur gute, sondern auch schlechte Zeiten gibt, weiß Siegemund selbst am besten. Vor ein paar Jahren hatte sie den Tennisschläger bereits an den Nagel gehängt, widmete sich den zahlreichen anderen Interessen in ihrem Leben und fokussierte sich auf das Psychologiestudium. Erst ihr Freund und Physiotherapeut hat sie »fast unbewusst auf die Bahn zurückgeschubst«, berichtete sie am Montagabend.
»Heute habe ich ein Paket aus New York erhalten, das will ich jetzt öffnen«
 

Der Aufprall im Tenniszirkus war jedoch nicht hart, sondern unerwartet locker. Ihren Beruf sieht sie seitdem weniger als Einzelkampf und mehr als Teamsport. Die Leute im Hintergrund, die sie beraten, trainieren und allgemein unterstützen, seien mit der Schlüssel zum Erfolg. Die Dinge mit Ruhe und Gelassenheit angehen und sich selbst nicht immer allzu ernst nehmen, heißt die neue Devise im Leben der Laura Siegemund. Ihre Rolle als Vorbild für die Jugend nehme sie gerne an, dazu gehöre auch das Vermitteln von Werten durch den Sport.

Zum Abschluss des Abends hatte die blonde junge Frau noch eine Überraschung parat. »Heute habe ich ein Paket aus New York erhalten, das will ich jetzt öffnen«, erklärte sie. Zum Vorschein kam nichts Geringeres als der Pokal für das gewonnene Finale der US-Open, der poliert und frisch graviert die lange Reise über den Atlantik gut überstanden hatte. Breit grinsend präsentierten Laura Siegemund und Ulrich Fiedler die Trophäe. Mit ihren Geschenken unterm Arm – Blumen und Apfelsaft aus heimischen Streuobstwiesen – machte sich die Tennisspielerin anschließend auf den Heimweg, denn die harte Saisonvorbereitung ist bereits in vollem Gange. Ende Dezember fliegt sie zum Turnier nach Brisbane. In Australien will Laura Siegemund an die Erfolge aus dem alten Jahr anknüpfen. (GEA)

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