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Afrika-Tour - Der Walddorfer Werner Bitzer fuhr mit dem Rad über 6 000 Kilometer von Nairobi bis Johannesburg

Strampeln über Wellblech-Pisten

VON VEIT MÜLLER

WALDDORFHÄSLACH. Er hat es geschafft, er hat Südafrika erreicht, er hat die Tour d'Afrique abgeschlossen. Seit drei Tagen ist der Walddorfer Werner Bitzer wieder zurück in seinem Heimatort, aber nur körperlich.

Werner Bitzer - unterwegs auf den völlig ausgefahrenen Straßen Afrikas, auf denen er gehörig gefordert wurde. FOTO: BITZER
Werner Bitzer - unterwegs auf den völlig ausgefahrenen Straßen Afrikas, auf denen er gehörig gefordert wurde. FOTO: BITZER
In seinen Gedanken ist der 60-jährige ehemalige Gemeindediakon noch unterwegs, muss die 6 300 Kilometer, die er von Nairobi bis Kapstadt innerhalb von neun Wochen mit dem Rad zurückgelegt hat, noch verarbeiten.

Am 14. März ist er in Nairobi gestartet. Organisiert hat die Tour ein kanadischer Reiseveranstalter. Mit Werner Bitzer waren noch rund 70 weitere Radenthusiasten aus aller Welt quer durch Afrika unterwegs. Fast jeden Tag sind sie zwischen 74 und 207 Kilometer geradelt, stundenlang durch flache Steppen oder mühsam über hohe Berge.

»Wir sind immer herzlich und lachend aufgenommen worden«
 

Morgens nach dem Frühstück ging es um 6.30 Uhr los. Im Pulk, zu zweit, zu dritt oder alleine. Nach drei Stunden gab es Lunch, danach hieß es, wieder aufs Rad, oft bis zum Abend, bis das Camp erreicht war, wo der Begleit-Tross mit Mechanikern, Koch und Krankenschwester wartete. Noch schnell das Zelt für die Nacht aufbauen, die Iso-Matten zurechtlegen und dann zum Nachtessen. Die Älteren gingen früher ins Bett, bei den Jüngeren wurde es oft später, »die haben das alles einfach besser weggesteckt«, meinte Bitzer.

Viele bleibende Eindrücke hat Werner Bitzer unterwegs gesammelt. Was ihn sehr beeindruckt hat, war die Freundlichkeit der Menschen in Afrika. »Niemand war böse, aggressiv oder unwirsch. Wir sind immer neugierig, freundlich, höflich, herzlich und lachend aufgenommen worden«, erzählt der Walddorfer.

Aber auch diese Erlebnisse gab es. Manchmal führte die Radtour stundenlang an einem einzigen Sonnenblumenfeld oder an einer riesigen Kaffee-Plantage entlang. Oder er radelte auf kerzengerader Strecke durch dichte Wälder, »das war wie zwei grüne Wände rechts und links der Straße«. Manchmal hörte er hinter den Bäumen doch Hühner oder ein Mensch trat plötzlich auf die Straße, aber mehr bekam er nicht zu Gesicht. Für Bitzer war dies »sehr eindrücklich«, ein »ein symbolisches Bild für Afrika, weil wir sehr wenig dahinter sehen können, was wirklich läuft«.

Ein anderes Thema sind die Straßen und der Verkehr. Manchmal waren es nur sandige oder geschotterte Strecken, manchmal, wie Globetrotter es nennen, Wellblech-Pisten, wenn die Fahrbahndecke so ausgefahren war, dass die Afrika-Radler durch die vielen Rillen völlig durchgerüttelt wurden.

Und Vorfahrt auf Afrikas Landstraßen haben in erster Linie die Lastwagen, die oft wesentlich gewaltiger als in Europa sind. »Die Fußgänger und Fahrradfahrer werden da einfach weggehupt«, sagt Bitzer und schmunzelt.

Vor zwei Jahren hat er mit den Lastwagen allerdings eine leidvolle Erfahrung gemacht. In Tansania wurde er 2009 von einem dieser Ungetüme in den Straßengraben gedrückt. Er erlitt schwere Verletzungen am rechten Arm, musste seine Afrika-Tour abbrechen und nach Hause geflogen werden. Bis heute spürt er die Folgen dieses Unfalls, aber seine Afrika-Tour wollte er trotzdem vollenden.

Deshalb setzte er sich in diesem Jahr wieder in Afrika aufs Rad. Diesmal lief es gesundheitlich besser, auch wenn ihn ein heftiger Durchfall einmal sechs Tage lang flach legte. Viel Gewicht hat er dabei verloren. Aber er hat auch auf die Zähne gebissen und ist, obwohl stark geschwächt, weiter bis Kapstadt geradelt. Auch Malaria- und Typhus-Fälle gab es im Camp, das sie zudem an einem Tag nicht verlassen durften, weil in der Gegend die Cholera ausgebrochen war.

Neben den Krankheiten sorgten auch die Tiere für Gefahr. »Einmal stürmte ein Elefant aus dem Unterholz mit einem Wahnsinnstempo auf die Straße, trompetend und mit wackelnden Ohren. Da sind wir schleunigst abgehauen«, erzählt Bitzer. Ein anderes Mal musste das Camp kurzfristig verlegt werden, weil das Team zuvor Löwenspuren entdeckt hatte.

Auch in diesem Jahr diente die Tour wieder einem sozialen Zweck. Werner Bitzer nimmt die Strapazen der Fahrt auch für die Spendengelder auf sich, die dem Weltdienst des evangelischen Jugendwerks durch die Afrika-Tour zufließen. Diese Gelder dienen dem Auf- und Ausbau einer Schule in einem Flüchtlingslager im Sudan. Einige Tausend Euro sind bereits zusammengekommen, aber das Projekt braucht noch viel mehr Unterstützung, weshalb Bitzer auf weitere Spender hofft.

Unterwegs hat dem gläubigen Menschen Bitzer auch eine kleine Bibel Kraft gegeben, die er vor der Reise von Walddorfhäslachs Bürgermeisterin Silke Höflinger erhielt. »Das war sehr gut so, ich habe abends oft darin gelesen«, betont der Walddorfer und zeigt auf das kleine Büchlein. (GEA)


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