leute  - Die als Mundart-Autorin bekannte Doris Oswald aus Metzingen hat ein neues Buch geschrieben: »Vagabundenwind« ist die Fortsetzung des ersten Bandes

Sie kann auch Hochdeutsch

VON MARA SANDER

METZINGEN. »Vagabundenwind« heißt das neue Buch von Doris Oswald mit Gedanken in Hochdeutsch und Aquarellen von Renate Otto. Es ist die Fortsetzung von »Und der Himmel so blau«. Darauf haben viele Menschen schon lange gewartet. Man muss das erste Buch nicht gelesen haben, um das zweite zu verstehen.

»Ich habe nicht daran gedacht, noch einmal ein Buch zu schreiben. Das erste sollte eigentlich nur die Wünsche von vielen Nichtschwaben erfüllen, etwas für die zu schreiben, die Schwäbisch nicht als Muttersprache haben«, erklärt die erfolgreiche 81-jährige Mundartdichterin.

Aber es kam anders, denn sowohl Leser als auch Bildautorin sowie der Verlag wünschten sich ein zweites Buch, das jetzt im Mesner-Verlag erschienen ist. Anders ausgedrückt, »sahen« sie es am Horizont des »blauen Himmels« und baten Doris Oswald um neue Texte. Waren es beim ersten Buch noch vorwiegend Zusammenfügungen von vorhandenen Texten und Bildern, so gab es bei diesem Buch eine noch intensivere Zusammenarbeit trotz der Entfernung zwischen Metzingen und Sylt, wo Renate Otto lebt. »Wir haben sehr viel telefoniert und uns gegenseitig inspiriert«, sagt die beliebte Metzinger Sebastian-Blau-Preisträgerin.

»Ich habe nicht daran gedacht, noch einmal ein Buch zu schreiben«
 
Sie lädt mit ihren Texten zu einer Jahreszeitenreise mit eigenen Erfahrungen ein. Die kann fast jeder nachvollziehen - von der sonnigen Frühlingslaune über »flirrenden Salbei« bis zu nebligen Novembertagen und winterlicher Märchenstimmung.

»Komm, steig ein«, ist die Einladung in ein »Luftschloss mit offenen Fenstern«, durch die auch der von Oswald erfundene »Vagabundenwind« weht. »Wir haben nach einem passenden Titel gesucht. Renate Otto hat von Sylt und dem Nordseewind geschwärmt, und ich wäre gern einmal an die Nordsee gefahren, war immer gerne unterwegs wie ein Vagabund«, erzählt die Autorin mit der blühenden Fantasie.

So weit reisen möchte sie jetzt mit 81 Jahren nicht mehr. Also stellte sie sich den Wind vor, aber »keinen Sturm, eher einen neckischen Wind«, sagt sie mit dem kleinen, ihr eigenen Schalk in den Augen. Wer sie kennt, weiß, dass Humor sie durch das Leben trägt und sie damit auch ernsthafte Gedanken diplomatisch ausdrücken kann. Beispiel dafür ist der Text »Warum« über eine Depression, die aber keineswegs sie selbst erfasst hat. Im Gegenteil, sie hat diese bei jemanden hinter der nach außen hin gut getarnten »Maske« nicht erkennen und damit auch nicht helfen können.

»Vagabundenwind« lässt den Leser »losgelöster, leichtsinniger« werden, statt den schwermütigen Gedanken nachzuhängen, die im Leben auftauchen. Eine leichte und feinsinnige Lektüre, visualisiert durch gefühlvolle Bilder. (GEA)



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