Workshop - Um Vorurteile und Diskriminierung abzubauen, kamen Jugendberater in die Schönbein-Realschule

Rollenspiele wirken wie Spiegel

VON TILL BÖRNER

METZINGEN. Wer in einem streng katholischen Umfeld aufwächst, der versteckt seine Homosexualität vor den eigenen Eltern lieber so gut es geht. Das Gleiche gilt für die lesbische Tochter einer muslimischen Familie. Und wer ganz offenkundig keine deutschen Wurzeln besitzt, der könnte bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz schlechte Karten haben. »In der Mitte der Gesellschaft« heißt das Spiel, das die Schülerinnen der Klasse 7a der Schönbein-Realschule Metzingen zusammen mit Patrick Differt und Katharina Riehle spielten.

Eine Lücke ist zwischen den Schülerinnen der Schönbein-Realschule entstanden. Mit einem Spiel demonstrieren Metzingens Jugendarbeiter Katharina Riehle und Patrick Differt (Mitte), wie es geschieht, dass Menschen an den Rand der Gesellschaft geraten. FOTO: BÖRNER
Eine Lücke ist zwischen den Schülerinnen der Schönbein-Realschule entstanden. Mit einem Spiel demonstrieren Metzingens Jugendarbeiter Katharina Riehle und Patrick Differt (Mitte), wie es geschieht, dass Menschen an den Rand der Gesellschaft geraten. FOTO: BÖRNER
Das Duo der Mobilen Jugendarbeit war in die Schule gekommen, um einen Workshop zum Thema Vorurteile und Anti-Diskriminierung mit den Schülern zu machen. Dabei waren zuerst die Jungs an der Reihe und anschließend, als die männlichen Klassenkameraden zum Sportunterricht gingen, spielten die Mädchen das Rollenspiel.

Mithilfe dieses Rollenspiels wurde den Beteiligten deutlich klar, dass es Personen gibt, die ihren Platz mitten in der Gesellschaft haben und sich dort sehr wohl fühlen, während sich andere am Rand befinden und sich nicht trauen, das Leben zu führen, das sie sich wünschen. Sichtlich erkennbar wurde der Unterschied durch eine große Lücke zwischen den Schülerinnen, die sich im Laufe der Simulation gebildet hatte.

»Intensiver aus der Sicht anderer denken«
 

»Durch das Spiel ist mir aufgefallen, wie gut es uns eigentlich geht«, berichtete ein Mädchen und ihre Klassenkameradin hatte gelernt, »intensiver aus der Sicht anderer zu denken«.

Viele Beispiele, die Patrick Differt und Katharina Riehle im Rollenspiel verwendeten, mussten nicht erst ausgedacht werden, sondern gehören zum Erfahrungsschatz der beiden Jugendarbeiter.

Zwar hat jeder Mensch Vorurteile, die Schülerinnen und Schüler sollten aber lernen, diese zu differenzieren. »Das ist ein Alter, in dem sich gesellschaftliche Bilder fest einprägen«, antwortete Differt auf die Frage, warum der Workshop gerade mit den Siebtklässlern gemacht werde. Das Internet sei ein Ort, wo Rassismus und Vorurteile oft ungefiltert und widerspruchslos zu finden sind.

Man müsse Kindern und Jugendlichen eben klar machen, dass sie nicht alles glauben dürfen, was sie lesen und sehen, meinte Patrick Differt, der die Frage ins Klassenzimmer warf, ob denn alle Polen klauen würden. Schnell stellten die 12- und 13-Jährigen fest, dass diese gern verbreitete Aussage, die sich auch in vielen Witzen wiederfindet, wohl nicht stimmt.

»Es ist wichtig, die Jugend zu sensibilisieren, sodass sie lernt, zu reflektieren«, sagte Konrektorin Maribel Martin. Dadurch, dass während des Workshops kein Lehrer anwesend war, berichteten die Schüler offen von ihren persönlichen Erlebnissen und versetzten sich tief in ihre Rolle. »Die haben super mitgemacht«, freute sich Katharina Riehle über den erfolgreichen Vormittag.

»Es ist wichtig, die Jugend zu sensibilisieren, sodass sie lernt zu reflektieren«
 

Aufgefallen ist den beiden Jugendberatern, dass es den meisten Jungs schwerer fiel als den Mädchen, sich mit weniger erfolgreichen Rollen zurechtzufinden. »Da kommt das Erfolgsstreben stärker hervor«, erzählten Katharina Riehle und Patrick Differt. (GEA)

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