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German Interplast - Anästhesist Dr. Herbert Bauer aus Pliezhausen musste einen Hilfseinsatz kurzfristig absagen

Hilfseinsatz im Pulverfass Nigeria abgesagt

VON EWALD WALKER

PLIEZHAUSEN. Seit 40 Jahren steht die Organisation German Interplast für humanitäre Einsätze im Bereich plastisch-chirurgischer Operationen in den sogenannten Entwicklungsländern. Jetzt hat die Organisation erstmals einen für März in Nigeria geplanten Einsatz kurzfristig absagen müssen. »Die zunehmenden Unruhen mit Bombenexplosionen und die aktuelle Entführung eines Wiesbadener Bauarbeiters haben uns zur Absage des Projekts gezwungen«, sagt Dr. Herbert Bauer aus Pliezhausen, Leiter der Stuttgarter Sektion von German Interplast. Er hat als Anästhesist viel Erfahrung bei solchen humanitären Einsätzen gesammelt.

Dr. Herbert Bauer (links) bei einem seiner letzten Hilfseinsätze mit einem kleinen Patienten und seiner Mutter.  FOTO: PR
Dr. Herbert Bauer (links) bei einem seiner letzten Hilfseinsätze mit einem kleinen Patienten und seiner Mutter. FOTO: PR
»Obwohl Sicherheitskräfte das Wohnlager sichern, ist das Risiko zu hoch«
 

Doch diesmal ist vieles anders. Zuletzt gab es in der Neun-Millionenstadt Kano im Norden Nigerias vier zeitgleiche Bombenexplosionen mit insgesamt 150 Toten. Die Radikalisierung zwischen Muslimen im Norden und Christen im Süden hat Nigeria ins Chaos gestürzt und damit auch die Bedingungen für humanitäre Einsätze fast unmöglich gemacht.

Zuletzt operierte 2009 ein achtköpfiges Team von German Interplast unter der Leitung von Bauer im Murtala-Hospital in Kano bei einem zwölftägigen Einsatz rund 120 Kiefer- und Spalt-Patienten erfolgreich. Genau in dieser Gegend sind jetzt die Bomben hochgegangen, hieß es direkt aus dem Krankenhaus. »Obwohl dort bewaffnete Sicherheitskräfte das Wohnlager mit einer vier Meter hohen Mauer sichern, ist das Risiko jetzt zu hoch«, begründet Bauer die Absage. »Wir können keine humanitären Einsätze in Gebieten wagen, in denen es zu kriegerischen Handlungen kommt.«



In der Vergangenheit waren German Interplast-Teams in Krisengebieten wie Tschetschenien und Afghanistan im Einsatz. »Das Risiko dabei war kalkulierbar und wir hatten bislang noch keine Zwischenfälle zu verzeichnen«, sagt der 55-jährige Bauer. Als Nächstes plant die Stuttgarter Sektion für August ein besonderes Projekt auf der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar im Indischen Ozean. Ein sechsköpfiges Team mit versierten Ärzten im Bereich der Kieferchirurgie und der plastischen Chirurgie sowie der Urologie möchte in einem Lehrprojekt Ärzte und Schwestern zur selbstständigen Lösung der akuten medizinischen Probleme ausbilden.

»Wir haben dort beste Bedingungen für die Nachhaltigkeit unseres Engagements und sind deshalb hoch motiviert«, sagt Bauer. (GEA)

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