Geschichtsvermittler - Alexander Zimmermann fertigt in seiner Schmiede in Pliezhausen Kettenhemden, Ausrüstungen und Schilde und gründete die 8.Legion

Pliezhäuser Schmied fertigt römische Ausrüstungen

VON TAMARA LARSSON

PLIEZHAUSEN. »Hier in Pliezhausen müsste man sich eigentlich mit den Alemannen beschäftigen. Aber mein Interesse gilt den Römern«, begrüßte Alexander Zimmermann seine Besucher. Am Sonntag gewährte er im Rahmen der Veranstaltung »Auf der Römerstraße durchs Jahr 2017« Einblicke in seine Arbeit. In der hauseigenen Römerwerkstatt fertigt er Kettenhemden, Ausrüstungen, Schilde und vieles mehr an.

Mitglieder der VEX.LEG.VII.AVG vor dem Merkur-Tempelchen im Garten der Zimmermanns in Pliezhausen. FOTO: LARSSON
Mitglieder der VEX.LEG.VII.AVG vor dem Merkur-Tempelchen im Garten der Zimmermanns in Pliezhausen. FOTO: LARSSON
Alexander Zimmermann ist allerdings kein Einzelkämpfer. Im Jahr 1991 gründete er zusammen mit anderen geschichtsbegeisterten Menschen die VEX.LEG.VII.AVG. Der etwas sperrige Name leitet sich von der mit Sonderaufgaben betrauten Teileinheit der achten Legion ab.

Die Interessensgemeinschaft hat inzwischen 17 Mitglieder, die aus dem gesamten süddeutschen Raum stammen. Gemeinsam wollen sie die Archäologie der Römerzeit lebendig machen. Einen Schwerpunkt bildet dabei das römische Militär. »Aber auch das ganze Drumherum ist spannend. Wie haben die Menschen damals gelebt, was trugen sie für Kleider«, führte Zimmermann aus.

Daher setzt sich die Gruppe auch mit der Medizin der Römer, der antiken Technik und weiteren Aspekten des täglichen Lebens auseinander. »Wir legen großen Wert auf eine gründliche Recherche. Wir halten uns an genaue Vorlagen aus Museen oder Bildern«, betonte der begeisterte Experimentalarchäologe Zimmermann nachdrücklich. »Es gibt inzwischen Rüstungen aus Indien, aber da stimmt oft die Qualität nicht und die Nachbildungen sind fehlerhaft.«

Für Museen und Fernsehen

Selbst anfertigen ist allerdings äußerst mühevoll und sehr zeitintensiv. Ein Kettenhemd kann mehrere Hundert Stunden Arbeit in Anspruch nehmen. Einen römischen Soldaten komplett auszustatten kostet bis zu 10 000 Euro. »Die Arbeit lohnt sich und es macht außerdem riesigen Spaß«, fügte Zimmermann hinzu.

Dabei achtet die VEX.LEG.VII.AVG auf jedes noch so kleine Detail. Die Rekonstruktion antiker Vorlagen ist nach wie vor ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit. Nach der Fertigstellung führen die Geschichtsvermittler ausführliche Testreihen durch, um ein möglichst realistisches Bild davon zu bekommen, wie der alltägliche Gebrauch des konstruierten Gegenstandes ausgesehen haben könnte.

Zum Schluss darf natürlich die Präsentation der Arbeiten nicht fehlen. Bei einer Vielzahl von Veranstaltungen, Ausstellungen oder in Schulklassen führen die Experimentalarchäologen der VEX.LEG.VII.AVG ihre Arbeiten vor. »Dabei wollen wir Geschichte zum Anfassen zeigen«, erklärte Alexander Zimmermann.

Sein Haus gleicht inzwischen einem römischen Museum, sein Büro einer Fachbibliothek. Der Garten der Familie Zimmermann beherbergt ein Merkur-Tempelchen, in dem sich eine Nachbildung des antiken Merkurreliefs der Pliezhäuser Kirche befindet. Die meisten Waffen, Rüstungen und Gegenstände aus Metall hat er selbst angefertigt, die vielen Reliefs und Instrumente ließ er anfertigen. Inzwischen bekommt er Aufträge von Museen und Fernsehproduktionen. Für sie baut er detailgenau römische Feldzeichen nach, oft steht er auch beratend zur Seite. Im Sommer werden zum Beispiel mehrere von Zimmermann gefertigten Feldzeichen im Römer-Erlebnispark in Windisch in der Schweiz Einzug halten. Aber: »Ich will mir aussuchen können, für wen ich was anfertige«, machte Zimmermann deutlich. Daher soll seine Leidenschaft für die Römer und deren Lebensweise auch immer ein Hobby bleiben, wenn auch ein sehr zeitintensives. (GEA)

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