Am Ermskanal - Andrea Trost sucht für die familieneigene, seit 2013 stillgelegte Mühle in Bempflingen eine neue Nutzung

Neue Nutzung für das Kleinod Trost-Mühle gesucht

VON THOMAS FÜSSEL

BEMPFLINGEN. Ein Kleinod mitten im Ort, vor 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnt: die Mühle in Bempflingen. Bis 2013 war sie in Betrieb, genauso wie das Sägewerk, das ebenfalls mit Wasserkraft angetrieben wurde. Beides - Mühle wie Sägewerk - sind noch funktionstüchtig und seit 150 Jahren im Besitz der Familie Trost. Doch leben kann sie davon nicht mehr. Das Anwesen aufgeben kommt aber auch nicht infrage. Trosts suchen eine neue Nutzung, zum Beispiel als Veranstaltungsort.

Andrea Trost vor der romantischen Kulisse des Ermskanals: ein Ort, den sie für andere öffnen möchte.
Andrea Trost vor der romantischen Kulisse des Ermskanals: ein Ort, den sie für andere öffnen möchte. FOTO: Thomas Füssel
Auch einen Laden gibt es, den Günther Trost (78), der letzte Müller der Familie, jeden morgen öffnet. Mühlenprodukte, allerdings nicht mehr selbst hergestellt, Müsli, Naturkost und Geschenkartikel werden hier angeboten. Für Letzteres ist seine Nichte Andrea (51) zuständig. »Der Erlös des Ladens«, sagt sie, »reicht allerdings nicht aus, um das Anwesen zu erhalten«. Sie setzt deshalb auf Veranstaltungen. Ein Antrag auf Nutzungsänderung liegt derzeit beim Landratsamt in Esslingen.

»Der Ort macht die Menschen glücklich«
 

Einzelne solcher Veranstaltungen hat es schon gegeben: kleine Konzerte, Geburtstagsfeiern oder Filmvorführungen. Wie kürzlich mit dem Streifen »Die Trostmühle - die Geschichte einer Familie aus dem Ermstal«, produziert von einem Nachbarn, dem früheren SWR-Kameramann Markus Stecher, der zwei Jahre lang die Familie in ihrem Alltag begleitet hat, zu einer Zeit, als die Mühle noch in Betrieb war, die ihre letzte Modernisierung in den 50er-Jahren erfahren hat. Damals lief sie Tag und Nacht. Die Hauptdarsteller: Günther Trost und sein Bruder, der verstorbene Sägemüller Reiner. Und natürlich Helene, die im Ort bestens bekannte Tante der beiden Brüder, die bis kurz vor ihrem Tod mit 98 Jahren die Familie bekocht hat und als »gute Seele« der Mühle galt.

Interesse an der Mühle als Veranstaltungsort hat auch der Bempflinger Verein »Kultur Kurios«, der hier gerne weiterhin Ausstellungen und anderes anbieten möchte, berichtet Andrea Trost. Regelmäßig gibt es auf dem Gelände bereits Tai-Chi- und Yoga-Kurse. »Der Ort macht die Menschen glücklich«, hat sie festgestellt. »Wer hier ist, fühlt sich wie in einer anderen Welt.«

Das möchte sie erhalten und die Mühle vielen zugänglich machen. Beispielsweise in Form von Führungen. Und eben Veranstaltungen. Auch für private Feiern könnte sie die Mühle öffnen. Der Platz dafür ist vorhanden. Kurz, Andrea Trost möchte verhindern, dass die Mühle in einen dauerhaften Dornröschenschlaf fällt. »Wollte ich hier ein Mehrfamilienhaus bauen, ich glaube, diese Genehmigung hätte ich schneller als die beantragte Umnutzung.«

»Wer hier ist, fühlt sich wie in einer anderen Welt«
 

Zum Anwesen gehört auch ein kleines Wasserkraftwerk. Der hier erzeugte Strom reicht gerade so aus, um den Eigenbedarf zu decken. Alles darüberhinaus wird eingespeist. Doch fraglich ist, wie lange das noch möglich ist. Um das Wasserrecht zu behalten, das sich die Müllerfamilie mit einem weiteren ebenfalls am Ermskanal liegenden Unternehmen teilt, müsste in das Wehr in Riederich investiert werden. Andrea Trost spricht von Gesamtkosten in Höhe von 165 000 Euro.

»Bisher ist es uns noch gelungen, das Anwesen in seiner jetzigen Form in Eigenleistung mit Unterstützung vieler Freunde zu halten.« Auf Dauer aber muss das Ensemble intensiver genutzt werden. Andrea Trost kann sich deshalb vorstellen, ein Mühlencafé zu betreiben. Kombiniert mit Führungen, Workshops aller Art und regelmäßigen Veranstaltungen. Sie ist aber auch für andere Ideen offen.

Nur eins will sie nicht: ein verstaubtes Museum schaffen. Sie möchte das Mühlen-Ensemble in fünfter Generation vielmehr als »lebendigen Ort« gestalten, als einen Ort, der gerne besucht wird, der Vielfältiges ermöglicht. In den sie ihre eigenen Talente einbringen kann: »Gäste bewirten, das liegt mir.« Ein Händchen für Dekoratives hat die frühere Mitarbeiterin der Lufthansa auch.

Übrigens: Ein Denkmal ist die Mühle nicht. Lediglich das alte Mühlrad und ein kleiner Torbogen im Hauptgebäude ist als solches eingestuft.

Martinimarkt

Die nächste Gelegenheit, die Mühle der Familie Trost in der Mühlstraße 2 in Bempflingen zu besichtigen ist am Sonntag, 5. November, von 11 bis 17 Uhr anlässlich des von Andrea Trost veranstalteten Martinimarktes, der auf den Advent einstimmt. Für Bewirtung ist gesorgt. Führungen durchs Ensemble sind an diesem Tag ohne Anmeldung möglich. Auch der Mühlenladen hat geöffnet. (füs)

07123 31671

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