Ort der Begegnung - Familienzentrum Metzingen bringt Notwendigkeit von Integration und Hilfe ins Bewusstsein

Menschen brauchen Menschen

VON TILL BÖRNER

METZINGEN. Wie sieht Metzingen in zwanzig Jahren aus? Die meisten Bürger, die an der Veranstaltung »Aufbrechen – wie wollen wir leben?« im Familienzentrum Metzingen teilnahmen, erwarten eine positive Entwicklung der Stadt. Positiv aber nur dann, wenn Wünsche der Bevölkerung umgesetzt werden.

Die Jugendgemeinderätinnen Michelle Grigoruk, Magdalena Gekeler und Alexandra Quesada im Gespräch mit dem Journalisten Rainer Nübel.
Die Jugendgemeinderätinnen Michelle Grigoruk, Magdalena Gekeler und Alexandra Quesada im Gespräch mit dem Journalisten Rainer Nübel. FOTO: Till Börner
Der Abend war dafür gedacht, dass solche Wünsche formuliert wurden. Eine bis dahin verbesserte Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen und Erwachsenen erhoffen sich die drei Jugendgemeinderätinnen Magdalena Gekeler, Michelle Grigoruk und Alessandra Quesada. Und selbstverständlich soll ihr Gremium dann immer noch bestehen.

Eine Frau aus Syrien, die in Damaskus Elektrotechnik studiert hat, jetzt in Deutschland lebt und Bilder malt, hegt den Wunsch, dass es in Metzingen einen Künstlertreff geben soll.

»Treffpunkt aller Generationen und Nationalitäten«
 

In eine ähnliche Richtung wie die Jugendgemeinderätinnen argumentierten auch die Nachtwanderer, die auf ihren Touren durch die Stadt feststellen, dass die Metzinger Jugend immer noch keinen Platz hat, um sich zu treffen, ohne dabei andere zu stören.

So gingen fast alle Ideen und Anregungen in eine Richtung: zum geplanten Familienzentrum. Das soll in der Pfleghofstraße 41 entstehen. Das Gebäude, das Professor Dr. Wolfgang Voelter und sein Vetter Dr. Ulrich Völter der Stadt mit der Auflage überlassen haben, es im weitesten Sinne für die Kinder- und Jugendhilfe zu verwenden, soll ein Ort werden, an dem sich »Menschen aller Generationen und Nationalitäten« treffen können.

Wie dieses Vorhaben im Konkreten umgesetzt werden könnte – darüber durfte die Bevölkerung bei dieser Veranstaltung laut nachdenken.

Der Journalist Rainer Nübel und Martin Müller vom Städtetag Baden-Württemberg, die das Projekt »Aufbrechen« entwickelt haben, moderierten den Abend. »Freiwillige Arbeit durch Senioren«, schallte es aus der einen Ecke der Festkelter.

Die konkrete Idee: Ältere Menschen betreuen Schüler und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Besonders die Zehn- bis Zwölfjährigen finden nur wenig Freizeitmöglichkeiten in der Stadt. Ein Haus, in dem sie sich am Nachmittag aufhalten dürfen, dabei Schulsachen erledigen und ihren Hobbys nachgehen können, könnte eine Lösung sein.

Häufig wurde Inklusion gefordert. Vorstellbar wäre das in einem Café, in dem die Behinderten arbeiten und dadurch gesellschaftliche Schranken abbauen. Als Vorbild könnten die Schulmensen dienen, in denen dieses Vorgehen praktiziert wird.

Unbedingt mit in die Funktionen des Hauses integriert werden sollen die Bewohner der Pfleghofstraße, forderten mehrere Beteiligte. Die meisten von ihnen haben ausländische Wurzeln und prägen mit ihrer Lebensweise das Straßenbild. »So gut klappt das Zusammenleben zwischen Ausländern und Deutschen dort noch nicht«, erklärte eine ortskundige Frau.

Zur Verbesserung der Situation dürfte auch hier das Familienzentrum beitragen. Viele der Pfleghofstraßen-Bewohner haben Probleme mit der deutschen Bürokratie, beim Schreiben von Bewerbungen oder ganz einfach in der Schule. Eine ehrenamtliche Anlaufstelle, in denen sie Unterstützung erhalten, wurde ins Spiel gebracht.

»Alle Wünsche umzusetzen wird nicht möglich sein«
 

Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler freute sich über die Ideenvielfalt, betonte aber auch, dass es »natürlich nicht möglich sein wird, alle Wünsche umzusetzen«.

Einen kleinen Haken gibt es bei der Planung noch: die noch offene Finanzierung. Um die 1,8 Millionen Euro wird der Umbau des Gebäudes kosten; die dafür benötigten Landessanierungsmittel wurden für das Jahr 2013 allerdings nicht genehmigt. Für 2014 wird es einen neuen Versuch geben.

Die gesammelten Vorschläge sollen nun in einem Konzept verarbeitet werden, das dann im Oktober dem Metzinger Gemeinderat präsentiert wird.

Künstlerisch abgerundet wurde der Abend von Zauberer Riktini sowie Erich Schmeckenbecher und Tino Gonzales, die Chicago-Blues kombiniert mit Funk und Latin auf der Bühne spielten. (GEA)



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