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Würzen und heilen - Einer der größten Kräutergärten Baden-Württembergs in Dettingen ist jetzt zertifiziert

Maca - das Viagra der Anden

Von Ruth Walter

DETTINGEN. Es ist einer der größten Kräutergärten Baden-Württembergs, der in Dettingen gedeiht - im Gewächshaus. Das Gärtnern steckt den Wursters seit Generationen im Blut. Die Kreativität offensichtlich auch. Während Wally Klett eine weltweit gefragte und ausgezeichnete Floristin ist, haben sich ihr Bruder Karlheinz sowie dessen Sohn Jörg den Kräutern verschrieben. Rund vierzig Arten und 50 000 Pflanzen davon ziehen sie jedes Jahr groß.

Die Katzenschwanzpflanze, deren Saft gegen Schrunden hilft, zeigt Jörg Wurster (links). Sein Vater Karlheinz hält das Kraut der Unsterblichkeit, auch Kraut des Lebens genannt, in der Hand. GEA-FOTO: WALTER
Die Katzenschwanzpflanze, deren Saft gegen Schrunden hilft, zeigt Jörg Wurster (links). Sein Vater Karlheinz hält das Kraut der Unsterblichkeit, auch Kraut des Lebens genannt, in der Hand. FOTO: Ruth Walter
Darunter Besonderheiten, deren Namen kaum bekannt sind, die es nicht überall gibt und die oftmals Wally Klett aus irgendeiner Ecke der Welt mitgebracht hat. »Wir möchten Trendsetter sein«, sagen sie.

Auf Gewürz- und Heilpflanzen sowie auf Gemüse hat sich der seit diesem Jahr zertifizierte Gartenbau-Betrieb spezialisiert. Brahmi, Gotu-Kola, Jiaogulan, Maca, Lakritz-Tagetes, Katzenschwanzpflanze lauten die Namen der exotischen Kräuter, die in Dettingen neben Bekanntem wie Liebstöckel, vielen Basilikumarten, Salbei, Pfefferminzen sowie diversem Thymian wachsen.

Beim QS-GAP-Zertifikat, das die Wursters seit Kurzem haben, geht es um Düngung, Pflanzenschutz, Rückverfolgbarkeit, aber auch um Arbeitssicherheit. Die Kräuter und Gemüsejungpflanzen werden von Laboren auf Pflanzenschutzrückstände untersucht. Die Wursters verwenden ausschließlich Öle beim biologischen Schutz vor Schädlingen, für jedes Kraut das passende.

Als Viagra der Anden gilt Maca, sagt Karlheinz Wurster. Wenn die Gärtner das ihren Kunden erzählen, passiert es regelmäßig, dass die Männer sagen, »des brauchet mir net« und die Frauen kaufen's, berichten sie. Kraut und Wurzelknollen werden wie Gemüse zubereitet. Die Knolle kann jedoch auch gemahlen werden wie eine Muskatnuss. Geschmacklich sei sie der Kresse ähnlich, beschreiben die Beiden.

Ihr Sortiment unterteilen sie in Gewürz-, Heil- und Anti-Aging-Kräuter sowie solche für Kinder. Aus Cola-Kraut etwa, auch Eberraute genannt und dem Dill ähnelnd, lasse sich aus den Blattspitzen völlig kalorienfrei ein Tee herstellen, der kalt getrunken, zusammen mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser wie die beliebte, aber dick machende Brause schmeckt.

Wer von der Gartenarbeit Schrunden an den Fingern bekommt, sollte sich die Katzenschwanzpflanze (Bulbine frutescens) zulegen. Ähnlich wie Aloe vera gibt sie einen klebrigen Saft frei, wenn man die fleischigen fingerdicken Blätter aufschneidet. Außerdem zeigt sie hübsche Blüten an langen Stängeln.

Beim Erdbeerspinat handelt es sich um ein altes, aber vergessenes deutsches Gewürzkraut, das früher stark verbreitet war. Da die Pflanze jedoch Frucht und Gemüse gleichzeitig ist, eignet sie sich nicht für die maschinelle Ernte. Die Blätter lassen sich roh als Salat verzehren oder als Gemüse kochen wie normaler Spinat, sind jedoch etwas zarter. Die leuchtend roten Beeren, die tatsächlich wie Erdbeeren aussehen, haben keinen bemerkenswerten Geschmack, bieten sich aber zu Dekorationszecken an oder als Zugabe zu einem Salat.

Experimentierfreude gehört dazu

Jiaogulan, ein Heilkraut aus der traditionellen chinesischen Medizin, auch Kraut der Unsterblichkeit oder Kraut des Lebens genannt, soll viele Wirkstoffe enthalten, die auch in Ginseng vorkommen, aber um das Zigfache erhöht. Die robuste und völlig unkomplizierte Rank- und Kletterpflanze kann bis zu zwei Meter hoch werden, hängt aber auch attraktiv über Mauern nach unten. Sie soll zudem den Winter draußen überstehen.

Das jeweils bei den Kräutern herauszufinden, die aus Asien, Südamerika oder Afrika kommen, gehört mit zur Experimentierfreude der Wursters. Die beiden Fachleute versorgen die Kunden mit entsprechenden Beschreibungen für Anwendung, Pflege und Wintertauglichkeit.

Finden sie ein neues Kraut, geht es daran, es in hiesigen Breiten zumindest im Gewächshaus zu kultivieren - teils durch Stecklings-, teils durch Samenvermehrung. Manchmal sind es Kleinigkeiten, wenn es zunächst nicht klappt. Jiaogulan etwa, das Kraut des Lebens, braucht absolute Dunkelheit an den Wurzeln. So waren zwei schwarze Kunststofftöpfe vonnöten, um diese Bedingung zu erreichen. Bei nur einem drang zu viel Licht ein. Ist die Kultivierung gelungen, geht es an die Testverkäufe, »ob der Kunde es auch annimmt«, erklären Jörg und Karlheinz Wurster.

Die meisten Kräuter können roh, als Tee oder Öl verwendet werden, auch gemischt. Allerdings sollte man bei der Dosierung aufpassen und sich gut informieren, warnen Karlheinz und Jörg Wurster vorsorglich. (GEA)


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