Pilotprojekt - Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen begeht bei Integration und Sprachförderung neuen Weg

Integration: Pferdetherapie für Flüchtlingskinder

VON ANINA LEISNER-KRÄMER

NÜRTINGEN. Mit einem Pilotprojekt der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) und dem Psychosozialen Netzwerk der Stadt Nürtingen soll eine pferdegestützte Therapie für traumatisierte Flüchtlingskinder ins Leben gerufen werden. Der Start ist für Herbst geplant.

FOTO: HFWU
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Susann Striebel studiert Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU). Seit einem Jahr engagiert sie sich ehrenamtlich in einer Flüchtlingsunterkunft. Hier erlebt sie täglich, wie sich Erinnerungen an Krieg und Zerstörung auf den Alltag der Flüchtlinge auswirken. Besonders oft leiden Kinder unter posttraumatischen Belastungsstörungen und Angstzuständen. Therapeuten können oft nur erahnen, welche Bilder den Kindern vor Augen sind. Viele mussten mit ansehen, wie Familienmitglieder getötet wurden und das eigene Zuhause zerstört wurde. Die Angst vor einem Angriff war oft täglich präsent.

Offener und selbstbewusster

Aufgrund der Sprachbarriere ist es schwer, diesen Kindern mit klassischen Therapien zu helfen. Um sie auch ohne ausreichende Sprachkenntnisse zu unterstützen, brachte Susann Striebel zusammen mit Professor Dr. Konstanze Krüger, Leiterin des Studienganges Pferdewirtschaft an der HfWU, das Projekt »pferdegestützte Therapie für Flüchtlingskinder« auf den Weg. Diese Form der stabilisierenden Therapie hat sich besonders hilfreich für Kinder erwiesen, die stark unter dem Schrecklichen, was sie erlebt haben leiden und es ihnen dadurch schwerfällt, sich zu integrieren. Durch pferdegestützte Therapien werden sie offener und selbstbewusster. Zudem lernen sie über den Kontakt zum Pferd verloren gegangenes Vertrauen wiederaufzubauen.

Bei den Therapieeinheiten steht weniger das Reiten an sich, als die sprachliche Entwicklung und das soziale Miteinander der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. Um dies zu erreichen, werden die Flüchtlingskinder, die aufgrund ihrer Ängste und Albträume reguläre Schulklassen oft nicht besuchen können, gemeinsam mit einheimischen Altersgenossen langsam an die Tiere herangeführt.

Die Betreuer erklären den Kindern zuerst wie sich Pferde verhalten, wie sie gefüttert werden und was zu ihrer Ausrüstung gehört. So werden sie mit der neuen Situation auf dem Hof vertraut und können ihren Wortschatz erweitern. Erst danach beginnt die Arbeit mit dem Pferd. Spielerisch, so dass auch eher zurückhaltende Kinder eine Aufgabe bewältigen können, werden die Therapiepferde gemeinsam geputzt und der Stall ausgemistet. Danach werden zu Pferd die von Therapeuten individuell an die Kinder angepassten Übungen absolviert. Die Therapie soll den Kindern ein Verantwortungsgefühl vermitteln, auf das sie im späteren Leben aufbauen können.

Ziel der Projektgruppe ist es, in den nächsten Monaten einer größeren Gruppe von Kindern diese Art der Begegnung mit dem Pferd unter pädagogischer und therapeutischer Aufsicht zu ermöglichen.

Projekt soll weitergehen

Über die Hochschule hinaus hat Konstanze Krüger ein Netzwerk von Kooperationspartnern aufgebaut, in dem neben einer Vielzahl an Therapeuten auch das Hippotherapiezentrum Scharnhausen, das Landratsamt Esslingen und die Stadt Nürtingen vertreten sind. Das im Herbst anlaufende Projekt soll langfristig weitergeführt werden. Auch im nächsten Semester werden sich die Studierenden der Pferde- und Agrarwirtschaft wieder engagieren. Gerade in einer dauerhaften Unterstützung für die Flüchtlingskinder sehen die Initiatoren einen besonders großen therapeutischen Nutzen.

Kick-Off mit Fest am 9. Oktober

Erste Einheiten werden im Hippotherapiezentrum Scharnhausen laufen, das bereits Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingen hat. Am 9. Oktober ist als Kick-off-Veranstaltung des Projekts ein Fest im Hippotherapiezentrum in Ostfildern-Scharnhausen geplant. Die Veranstaltung soll als eine Art Schnuppertag für Kinder, Eltern und Sponsoren dienen. (GEA)

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