Kleinkindbetreuung - Frauen soll nach der Geburt ihrer Kinder der Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert werden

Hunderte Plätze fehlen noch

VON SUSANNE HERRMANN

KREIS REUTLINGEN. Der Ausbau der Kleinkinderbetreuung steht im Fokus: Politik und Wirtschaft erhoffen sich, dass sie den Müttern den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert und dass sich mehr Paare für ein Kind entscheiden.

Ab August 2013 gilt der Rechtsanspruch auf einen Platz für unter Dreijährige - die aktuelle Betreuungsquote liegt in Baden-Württemberg bei nur ungefähr 21 Prozent.

Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, gibt es jetzt zusätzliche Fördermittel in Millionenhöhe für die Kommunen. Auf den Kreis Reutlingen entfallen für den Ausbau der Kleinkinderbetreuung im laufenden Jahr rund 12,80 Millionen Euro aus dem Finanzausgleichstopf.

Kinder optimal fördern


In der Summe stellt das Land im Jahr 2012 rund 509 Millionen Euro für den Ausbau zur Verfügung. »Weg von der Betreuungs-, hin zur Bildungseinrichtung«, laute dabei die Devise, sagen Diplom-Verwaltungswissenschaftler Franz Burger und Sachgebietsleiter Karl-Georg Wiedmann vom Statistischen Landesamt in Stuttgart. Die beiden Statistiker haben sich mit der Thematik eingehend befasst und ihre Ergebnisse in der März-Ausgabe der Reihe »Statistisches Monatsheft« veröffentlicht.

Von den rund 12,80 Millionen Euro, die auf den Kreis Reutlingen entfallen, fließen demnach 11,64 Millionen Euro in den Ausbau der Kindertagesstätten, weitere 1,15 Millionen gibt es für eine bessere Vergütung der Betreuung durch Tageseltern, die in den allermeisten Fällen Tagesmütter sind.

Vom Ausbau der Betreuungsplätze für Kleinkinder erhofft sich die Politik einerseits, dass die - häufig sehr gut ausgebildeten - Mütter die Möglichkeit erhalten, frühzeitig in ihren Beruf zurückkehren zu können. Außerdem erhofft man sich dadurch Anreize, dass die Geburtenrate wieder ansteigt, aber auch, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten frühzeitig möglichst optimal gefördert werden können.

Ab August 2013 gilt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige, dann müssen die Kreise für 34 Prozent der Kleinkinder eine Betreuungsmöglichkeit geschaffen haben - sei es in einer Tagesstätte oder bei einer Tagesmutter. »Zwei Drittel der Plätze sollen in Einrichtungen entstehen und ein Drittel in der Kindertagespflege vor Ort«, fassen die beiden Statistiker zusammen, worauf sich der Bund, die Länder und die kommunalen Spitzenverbände verständigt haben.

Flexibles Angebot


»Vor Ort geht es den Gemeinden aber weniger um das Erreichen dieser Durchschnittswerte«, geben beide zu bedenken, »vielmehr geht es vor allem darum, Betreuung flexibel, zeit- und ortsnah entsprechend dem tatsächlichen Bedarf anzubieten«. Das heißt, dass im Einzelfall »weit mehr Plätze als für die geforderten 34 Prozent der Kinder bereitzustellen sind«.

Das festgeschriebene Ziel ist für die Kommunen eine finanzielle Herausforderung. Seit 2009 gibt es Zuweisungen nach der Zahl der tatsächlich betreuten Kinder und nach der Betreuungsdauer. Doch »nach den Ergebnissen der Jugendhilfestatistik reichen diese Mittel nicht aus«, so Burger und Wiedmann.

»Der Landtag in Baden-Württemberg hat deshalb im Oktober 2011 beschlossen, den Kommunen für 2012 zusätzliche 315 Millionen Euro und im nächsten Jahr 325 Millionen Euro für die Kleinkindförderung zur Verfügung zu stellen«. Somit kommt für das Jahr 2012 die Summe von 509 Millionen für den Ausbau der Kleinkindförderung zustande.

Zusammen mit den Mitteln für die Kindergartenförderung (Drei- bis Sechsjährige) sind das fürs laufende Jahr rund eine Milliarde Euro, die in die gesamte Kinderförderung in Baden-Württemberg fließen.

12,8 Millionen Euro für den Kreis


Auf den Kreis Reutlingen entfallen davon 25,59 Millionen Euro. Für Kinder im Kindergartenalter zwischen drei bis sechs Jahren in Einrichtungen liegt die Zuweisungssumme bei 12,79 Millionen Euro, für die Kleinkindförderung in Einrichtungen erhalten die Kommunen rund 11,64 Millionen Euro.

Weitere 1,15 Millionen Euro erhält der Landkreis Reutlingen für die in Tagespflege betreuten Kinder unter drei Jahren. In der Summe sind das also rund 12,8 Millionen Euro für die Kleinkindbetreuung. (zds/GEA)



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