Unterhaltung - Großer Run auf »Do goht dr Doig« in den Kinos der Region. Gibt's eine Fortsetzung?

Großer Run auf »Do goht dr Doig« in den Kinos

VON ANDREAS FINK

METZINGEN. Eins zu null. Krieg der Bäcker schlägt Krieg der Sterne. Frieder Scheiffele, Chef der Schwabenlandfilm GmbH und Erfinder von »Laible und Frisch«, hat sich für den Start seines Kinofilms »Laible und Frisch - Do goht dr Doig« nicht gerade den einfachsten Zeitpunkt ausgesucht. Die Fortsetzung seines Bäckerkriegs im fiktiven Schafferdingen kam kurz nach dem Start des achten Teils von »Star Wars« in die Kinos.

FOTO: Andreas Fink
Bis jetzt mit allerbestem Erfolg: Der Zoff zwischen Walter Laible und Manfred Frisch hat den Krieg zwischen der hellen und der dunklen Seite der Macht in den Schatten gestellt. »Um Längen«, wie Thorsten Hail, der Vorsitzende des Uracher Stadtjugendrings, der das »Forum 22« und das »Luna« betreibt, sagt. Obwohl der Film in Urach den ganzen Monat über läuft, gleich zweimal am Abend, und seit Donnerstag auch in Metzingen zu sehen ist, waren die Vorstellungen immer und immer wieder ausverkauft.

Bäckerkrieg gegen Sternenkrieg

»Scho schee«, sagt Winfried Wagner und strahlt über beide Backen. Der Darsteller von Bäcker Walter Laible kam natürlich ins »Luna Filmtheater«, als der Film in seiner Geburtsstadt auf die Leinwand kam. Unerkannt kann sich der 68-Jährige hier schon lange nicht mehr bewegen. »Den Winnie« kennen fast alle. Nicht erst, seit er das erste Mal den Bäcker aus Schafferdingen gab - die erste, sechsteilige Staffel flimmerte am 25. Dezember 2009 über die Schirme.

Seit dem 28. Dezember, als der Film in der Region anlief, ist Wagner fast ununterbrochen auf den Beinen. Nicht nur im Erms- und im Echaztal, sondern im ganzen Land. »Wir sind in vier Teams unterwegs«, erklärt Produzent Frieder Scheiffele, »je ein Schauspieler oder eine Schauspielerin und ein Filmschaffender, also Leute wie ich oder Regisseur Michael Rösel.« Die Promo-Maschine läuft.

Rastlos auf Tour

Zwei Termine in zwei Kinos an einem Abend, die locker mal 70 Kilometer auseinanderliegen mit Gesprächen, Interviews und Autogrammen: anstrengend, aber nicht belastend. »Ich habe schon dreieinhalbtausend Bühnenauftritte als Humorist hinter mir«, sagt Winfried Wagner. Ein Auftritt wie der bei der Premiere im »Luna« oder zwei Wochen zuvor im »Forum22« stresst ihn deshalb nicht wirklich. Im Gegenteil: Auch wenn man sich eine klassische Rampensau anders vorstellt, sieht man, dass es Wagner sichtlich genießt, vor Menschen zu stehen und seine Witzchen zu machen. Und das viele, wohlwollende Schulterklopfen tut auch nicht wirklich weh.

Der Unterschied zwischen TV-Serie und Kinofilm? »Als die Serie im Kasten war, hatten wir Schauspieler erst mal unsere Ruhe«, sagt Winfried Wagner, »jetzt, beim Kinofilm, ist es da erst so richtig losgegangen.« Vier Wochen vor der offiziellen Premiere am 28. Dezember war der Film bei der Filmschau Baden-Württemberg im Stuttgarter »Metropol« mit rotem Teppich und großem Tamtam zum allerersten Mal zu sehen. Seither sind Schauspieler und Filmleute rastlos im Land unterwegs.

»Den Film habe ich erst viermal als Ganzen gesehen«, sagt Wagner, »den Schluss dafür schon x-mal.« Der Grund: Er kommt, oft in Begleitung von Frieder Scheiffele, immer erst kurz vor Film-Ende ins Kino und spickelt die letzten Minuten durch einen schmalen Spalt der Tür oder des Vorhangs. »Der Film hängt mir aber lang noch nicht zum Hals raus«, sagt Winfried Wagner alias Walter Laible, »im Gegenteil: Auch ich entdecke immer wieder noch kleine neue Sachen.« Klar, auch mal einen winzigen Schnittfehler, den aber nur Insider sehen. »Egal. Der Film g'fällt mir emmer no saumäßig guat.«

Nach seiner Lieblings-Szene wird er immer wieder gefragt. Der vollschlanke Schauspieler (»Ja, ich mag gern Süßes. Auch wenn man mir's nicht ansieht.«) nennt immer die gleiche: Bäcker Manfred Frisch, der jetzt nicht mehr gegen Walter Laible, sondern um seinen Betrieb und seine Ehre kämpft, sitzt im Van neben der Bürgermeister-Sekretärin Lotte Schätzle. »Tapfere Schwaben! Als einer von Euch flehe ich Euch an: kämpft. Kämpft für die Freiheit!«, tönt er in einer pathetischen Rede in sein Headset. Bis sich die knitze Frau Schätzle, hinreißend gespielt von der 92-jährigen Trudel Wulle, ihm die losen Enden des Steckers vors Gesicht hält: »Sie missat des Deng do ei'schdegga, wenn se wellat, dass die Leit se herat!« Im Kino jedesmal ein Brüller.

Folge-Drehbücher sind da

Auch Frieder Scheiffele kriegt, wenn das Licht im Kino wieder angeht und der Applaus aufbrandet, oft als Erstes dieselbe Frage zu hören: »Gibt's eine Fortsetzung?« Die gibt's, sagt der 38-jährige Schwaben-Filmer aus Dettingen, der tatsächlich Scheiffele heißt und sich diesen Namen nicht erst als Künstlernamen zugelegt hat. Allerdings gibt's die nur dann, wenn der Film läuft - richtig gut läuft, ähnlich gut wie seit dem Start. »Die Ideen sind da, die Drehbücher auch schon«, sagt Scheiffele.

Auch die Schauspieler haben alle zugesagt, bei Bedarf weiterzumachen. Selbst Simon Licht, ein gefragter Schauspieler, der viel im Fernsehen und auch bei großen Kino-Produktionen unterwegs ist, gibt sich für die schwäbische Komödie mit einer abgespeckten Gage zufrieden. »Weil mir der Film hier mit dem ganzen Team wahnsinnig Spaß macht.«

»Sonst könnten wir das Ganze gar nicht stemmen«, sagt der Produzent. Rund 1,4 Millionen Euro hat der Film gekostet, so Scheiffele, »1,1 davon sind übrigens im Land geblieben.« Gebraucht hätte er eigentlich »1,6 bis 1,9 Millionen«, sagt der 38-Jährige. Dann hätte er die Schauspieler angemessen bezahlen können und hätte mit seiner Firma, der Schwabenlandfilm GmbH, nicht so stark in Vorleistung gehen müssen.

Zuschauer haben's in der Hand

Scheiffele hofft auf die Zuschauer. Sie haben es in der Hand, ob der Teig weiter geht oder wie ein Pfitzauf in sich zusammenfällt, bei dem man die Ofentür zu früh geöffnet hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie ein kleines Wunder vollbrächten: Im Frühjahr 2017 stand das Projekt fast vor dem Aus, weil die Filmförderanstalten in Berlin dem Projekt der Schwabenlandfilm GmbH keine Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg einräumten, obwohl Millionen den mehrfach wiederholten Fernseh-Mehrteiler sahen und das Theaterstück in der Komödie im Marquardt in Stuttgart fast immer ausverkauft war.

Frieder Scheiffele und sein Geschäftspartner, Drehbuchautor Sebastian Feld, starteten damals eine Crowdfunding-Kampagne, um die Deckungslücke von 50 000 Euro zu schließen. Weil mehr als 500 Privatpersonen, Firmen und Institutionen - nicht nur aus Baden-Württemberg - die Idee unterstützen, starb der Film nicht, das Ziel von 50 000 Euro wurde sogar überflügelt. Das hat Scheiffele nicht vergessen. »Kommen Sie ins Kino und erzählen sie weiter, wenn's Ihnen gefallen hat«, sagt er im Kino nach jeder Vorstellung. (GEA)

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