Neckar + Erms
Weinbau - Aus höchsten Lagen des Landes in die Barrique-Fässer im schwarzen Kubus der Bächners in Dettingen

Gottfried stellt Ansprüche

VON INGEBORG KUNZE UND RUTH WALTER

DETTINGEN. Wer gut ist, braucht keine Selbstdarstellung. Hat Ausstrahlung. Gibt Begeisterung weiter wie eine Flamme das Feuer. Petra Bächner, zierlich, apart, rotweinrote Haare bis zur schmalen Taille, blaugraue Augen, hellwacher Blick, strahlendes Lachen, ist so jemand. Sie weiß, was sie will. Sie ist Winzerin, 42, baut in einer der interessantesten, höchsten Lagen Württembergs ihren Wein an und in Dettingen an der Erms aus und holt damit ein »Sehr gut« beim Deutschen Rotweinpreis.

Die Winzerin Petra Bächner bei den Neuffener Reben in 510 Meter Höhe.
Die Winzerin Petra Bächner bei den Neuffener Reben in 510 Meter Höhe. FOTO: Ingeborg Kunze
Der schwarze Kubus an dem in der Sonne gebadeten Südhang auf der nördlichen Seite der Erms, am Sulzweg, wo das Bächlein dieses Namens sich durch grüne Wiesen schlängelt, ist die Adresse des Weinguts Bächner, in dem Thomas Bächner, 45, der Kellermeister ist.

Das Finale des Deutschen Rotweinpreises 2009 hatten von 1 270 Ausstellern zwanzig Prozent erreicht. Unter diesen 260 kamen 76 auf mehr als 15 Punkte. »510 NN« hat's bis an die Spitze geschafft, der Spätburgunder aus Bächners Keller im schlichten schwarzen Bau neben dem konventionellen gelben Wohnhaus im ganz und gar normalbürgerlichen Dettinger Wohngebiet mit Einfamilienhäusern, Vorgärten, Gartenmauern, Büschen, Bäumen.
»Wir leben gern hier, wir sind angekommen«
 

Zwölf Winzer aus Württemberg waren in der Schlussrunde des Deutschen Rotweinpreises, den die Experten des europäischen Magazins »Vinum« ausgeschrieben hatten; nur vier Konkurrenten wurden höher bewertet als der 510 NN. Das sagt: Der Spätburgunder reift auf 510 Meter über dem Meeresspiegel auf braunem Jura - höher als die anderen Reben in Lagen zwischen 430 und 480 Meter auf den 1,6 Hektar Rebfläche in Neuffen, die Petra und Thomas Bächner vor wenigen Jahren gekauft haben. Wer begeistert bei der Sache ist, will den Erfolg, arbeitet sich konsequent durch ans Ziel, Vorzügliches vorzulegen.

Beim Startjahrgang 2007 standen die ersten Tanks des Dettinger Weinguts noch in der Garage. Jetzt hat die Qualität aus den kleinen Barriquefässern im Kubus-Keller in Dettingen Namen: Zum Spätburgunder 510 NN aus dem Rotweinpreis-Finale kamen Mechthild, die als »charmant« bezeichnete Cuvee aus Schwarzriesling und Dornfelder und die Weißwein-Cuvee Gottfried.

Damit sind Ansprüche gestellt, Ansprüche an den Adel von Weinen, für die der Minnesänger Gottfried von Neifen und seine besungene »frowe« Mechthild als regionale Paten stehen. Beste Herkunft, beste Kontakte: Gottfried gehörte zum Kreis des Königs Heinrich VII., des Sohnes und Mitkönigs des Staufer-Kaisers Friedrich II. (»stuopor mundi«). Ihn hat die Medienfrau Petra Bächner entdeckt, als sie ihre junge, aber tief gehende Beziehung zum Ermstal und zu ihrem Neuffener Weinberg mit regionalem Geschichtswissen untermauert hat.

Petra Bächner ist Mediendesignerin, Thomas, ihr Mann, ist Maschinenbauingenieur, »ein richtiger Tüftler«, der sich auch im Weinkeller bewährt. Sie haben zwei Kinder, haben sich, im Remstal mit Reben aufgewachsen, immer den eigenen Weinberg gewünscht, haben im Remstal bereits auf winzigen neun Ar Wein erzeugt: Riesling. Das war schon die richtige Richtung.

Fachleute von »Vinum« sehen die Dettinger Wein-Frau in einem Beitrag über die neue Generation, die in Deutschland Furore macht, bei »Germany's next Topwinzerinnen«. Soeben, im Februar 2010, berichteten sie in ihrem Magazin aus dem Dettinger Weingut: »Riesling, Silvaner, Kerner bilden eine weiße Cuvée. Als Solist überzeugte der Kerner 2007 in Form einer in Barriques ausgebauten Beerenauslese. Die Trau- benreste erbrachten noch einen ausgezeichneten Tresterbrand. Richtig stark ist Petra Bächner mit Rotwein«.

Mit gutem Ergebnis wie der Spätburgunder können nach dem Experten-Urteil auch der Kerner Barrique und der elegante »Storchenfärber« aus Zweigelt, Merlot und Lemberger aus den kleinen Eichenfässern rechnen. Cuvée Gottfried wird im Stahltank ausgebaut.

Ihre gelobten feinen Weine verkaufen die Bächners via Mundpropaganda. Dennoch öffnen sie Tür und Tor für jegliches Wein-Interesse, zeigen den Keller, laden ein zu Weinprobe und Wein-Information in den Kubus. Gleich am Eingang steht eine für ihre Schöpferin, die Beurener Bildhauerin Silvia Siemes, typische Skulptur, die ihren kleinen Mann auf Händen trägt: »Wir lieben sie, wir nennen sie Frau Nudel nach dem Kinderlied spannenlanger Hansel und nudeldicke Dirn«, lacht die Winzerin, die autodidaktisch ihr Wissen erworben hat. Dort, im Kubus, feiert sie nach getaner Arbeit auch mit Freunden, die im Weinberg immer dabei sind, wenn's gilt.

Das sind Dettinger und Dettingerinnen, die spontan Kontakt und Hilfe angeboten haben. Kindergarten und Schule sind die Orte, in denen Petra, die Remstälerin, im Ermstal andere junge Frauen kennengelernt hat, die begeistert mitmachen. Die Bächners über den Ort, in dem ihr Weingut zu Hause ist: »Wir leben gern hier, wir sind angekommen«. (GEA)

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