Prozess - Vierköpfige Diebesbande soll in Metzingen Kleidung im Wert von einer viertel Million Euro gestohlen haben

Ganoven sollen Kleider im großen Stil geklaut haben

VON VEIT MÜLLER

METZINGEN/REUTLINGEN. Vier Reutlinger sollen aus dem Warenlager eines großen Outlet-Unternehmens in Metzingen wertvolle Kleidungsstücke geschmuggelt haben, um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen. Gelungen ist ihnen dies offenbar mithilfe getürkter Lieferscheine und gefälschter Etiketten. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem Schaden in Höhe von bis zu einer viertel Million Euro. Gestern begann der Prozess vor dem Reutlinger Amtsgericht.

«Justitia», Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit, vor einem Gerichtsgebäude. Foto: Daniel Reinhardt
«Justitia», Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit, vor einem Gerichtsgebäude. Foto: Daniel Reinhardt
Zwei der Angeklagten arbeiteten im Warenlager des Textilunternehmens. Sie druckten mit ihren Computern Blanko-Lieferscheine aus und konnten auf diese Weise wohl auch die Etiketten fälschen. Die Kleidungsstücke hingen im Warenlager, kamen anschließend in große Boxen und wurden für die Auslieferung an der Laderampe abgestellt. Ein weiterer Komplize fuhr mit einem gemieteten Lieferwagen vor und holte die Kleiderboxen ab. Absurderweise hatte dieser Fahrer, wie sich später zeigte, keinen Führerschein.

Der vierte Angeklagte wird von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, die gestohlene Bekleidung zwischengelagert und als Hehler weiterverschoben zu haben. Die Polizei fand allerdings nie ein solches Warenlager mit geklauter Kleidung, noch ist sie auf mehr als einen Abnehmer gestoßen. Möglicherweise wurden einzelne Kleidungsstücke von den Angeklagten über Ebay versteigert.

Anonymer Hinweis

Auf die Spur der Täter führte Anfang 2014 ein anonymer Hinweis. Das Textilunternehmen schaltete danach zuerst die eigenen Security-Leute ein. Es wurde im Rahmen dieser Ermittlungen auch ein »Schwund« an Kleidung festgestellt. Allerdings konnte das Textilunternehmen wohl bis heute nicht belegen, welche einzelnen Kleidungsstücke, vornehmlich Anzüge und Jacken, tatsächlich verschwunden sind.

Es gab danach Mitte 2014 einen weiteren anonymen Hinweis. Und diesmal wurde das Warenlager vom Security-Dienst intensiver observiert. Und schließlich stießen die Beobachter auf die zwei diebischen Angestellten des Unternehmens, die in dem Lager arbeiteten. Ihre letzte Fuhre flog auf.

Und die hatte es in sich. Die inzwischen eingeschaltete Polizei stellte am 31. Oktober 2014 den Lieferwagen voll gestohlener Kleidung in Reutlingen und nahm den Fahrer fest. Er hatte 13 Boxen mit Jacken und Anzügen dabei. Offensichtlich warteten noch sieben weitere volle Boxen im Warenlager auf ihre Abholung. Allein diese sichergestellten Kleidungsstücke hatten laut Polizei einen Verkaufswert von rund 170 000 Euro.

Die Handschellen klickten auch bei den beiden Haupttätern, den Angestellten im Warenlager des Unternehmens. Sie gestanden schnell sechs weitere Diebstahlsfuhren in der Zeit von Januar bis September 2014. Allerdings sollen damals pro Fahrt nur durchschnittlich zwei Boxen transportiert worden sein. Die Polizei rechnete den Schaden hoch und kam auf eine Summe von rund 250 000 Euro.

Die Angeklagten schweigen

Am ersten Verhandlungstag wollten die Angeklagten nichts sagen. Das Gericht vernahm zwei Sachbearbeiter der Polizei, um sich einen Überblick über den Stand der Ermittlungen zu verschaffen. Nicht ganz klar ist bisher, was der vierte Angeklagte mit der Sache zu tun hat. Die Polizei stieß durch Handy-Auswertungen auf ihn. Der 43-Jährige bestreitet aber jegliche Tatbeteiligung.

Die anderen drei Männer wollen zu einem späteren Zeitpunkt Angaben zu den Vorwürfen machen. Weitere Zeugen sind notwendig, der Prozess scheint sich in die Länge zu ziehen. Die nächsten Verhandlungstermine stehen bisher noch nicht fest. Es wird aber sicher erst im kommenden Jahr weitergehen. (GEA)



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