Gaenslen-&-Völter-Gelände - Aus der Industriebrache in Metzingen wird ein urbanes Stadtviertel
Gaenslen und Völter Gelände: Die Bürger reden mit
Von Thomas Füssel
METZINGEN. Die Anlieger haben sich das Gelände schon angesehen. Sie sind aufgerufen mitzureden, wie alle in der Stadt. Am Dienstag ist die Bürgerversammlung. Wer Interesse hat, kann sich danach noch für die Arbeitsgruppen melden, die das Gaenslen-&-Völter-Gelände städtebaulich mitentwickeln sollen. Zum Teil schon heute eine Industriebrache, soll daraus ein urbanes Viertel werden, das Outletcity und Innenstadt noch enger verzahnt, als es schon der Fall ist.
Das Gaenslen-&-Völter-Gelände wird voraussichtlich von der Reutlinger Straße aus erschlossen. GEA-ARCHIVFOTO: KEIPER
Wie berichtet, gibt es nur wenige Vorgaben. Fest steht, dass die Hugo Boss AG ihr Outlet hierhin verlegt, wofür Teile der früheren Weberei und Spinnerei des Metzinger Traditionsunternehmens Gaenslen & Völter genutzt werden. Der Modekonzern möchte hier über 30 Millionen Euro investieren, um mit seinem Fabrikverkauf wieder in die erste Reihe zu rücken (vergleiche GEA vom 26. Januar). Alles andere ist derzeit noch offen, hier soll den Vorschlägen aus der Bevölkerung nicht vorgegriffen werden.
Historische Chance
Für Metzingen ist es eine historische Chance: Das Gelände im Eigentum der Holy AG, zwischen Christian-Völter-Straße und Erms gelegen, zieht sich von der Reutlinger Straße, vom Adidas-Outlet, bis zum Kaufland und bietet die Möglichkeit, die Innenstadt zu erweitern und gleichzeitig einen fließenden Übergang in die Outletcity zu schaffen.
Neue Grünflächen und Wegeverbindungen werden dadurch denkbar. Gleichwohl sich gerade hier nicht alles schnell verwirklichen lässt, wie einen durchaus wünschenswerten Fuß- und Radweg entlang der Erms. Für den Teil des Industriegeländes bestehen Mietverträge, die mindestens noch zehn Jahre laufen. Hier produziert weiterhin das Wolfsburger Unternehmen Prevent, das 2010 G & V übernommen hat. Daran möchte niemand rütteln. Sollte eines Tages jedoch dieser Standort aufgegeben werden, möchte die Stadt Pläne in der Schublade haben.
Erschlossen wird das Quartier von der Reutlinger Straße aus. Dort, wo es ins Parkhaus P3 geht, entsteht demnach eine neue Straße. Besonders Fragen des Verkehrs haben denn auch die Anlieger beschäftigt, die bei der Geländebegehung dabei waren. Die Abbiegespur ins Parkhaus sei schon heute viel zu kurz, weshalb künftig hier lange Staus erwartet werden könnten.
Und noch eine Befürchtung wurde geäußert: Die Outletcity rückt so näher an Kaufland, weshalb darauf geachtet werden müsse, dass der Supermarkt für Metzinger auch erreichbar bleibe: Nicht dass es plötzlich heißt, der Samstagseinkauf könne dort nur noch mit dem Fahrrad und zu Fuß gemacht werden, weil die Supermarkt-Parkplätze von Outletkunden belegt sind. (GEA)
Bürgerversammlung zum Gaenslen und Völter Gelände
Bei der Bürgerversammlung am Dienstag, 31. Januar, um 19.30 Uhr in der Stadthalle werden die Metzinger darüber informiert, welche Vorstellungen es bereits zur städtebaulichen Entwicklung des Gaenslen-&-Völter-Geländes gibt. Der Stadtplaner Professor Dr. Baldauf will dazu erste Skizzen vorlegen, wobei noch nichts feststeht. Schließlich sollen hier die Metzinger selbst mitreden. Auch gibt es die Möglichkeit, sich für die Bürgerforen anzumelden, die dann die eigentliche Planung vorantreiben sollen, ein Prozess, den Ute Kinn vom Büro Grips (Gesellschaft für intelligente Projektsteuerung) moderiert. Auch Wolfgang Bauer von der Holy AG, der Eigentümerin des Geländes, wird dabei die Chancen aufzeigen, die seiner Meinung nach diese Form der Bürgerbeteiligung hat.
Es folgen Bürgerforen am 10./11. Februar und am 17. März, in denen Engagierte eigene Ideen zum Planungsentwurf der Stadt beisteuern können. Aus diesen Foren geht ein überarbeiteter Entwurf hervor, der als unverbindliche Bürgerempfehlung in den Gemeinderat gelangt.
Dieser allein beschließt darüber, wie das G-&-V-Gelände künftig aussehen soll. (GEA)