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Stadtentwicklung - Rund 250 Metzinger hören und diskutieren Planungsansätze für das Gaenslen-&-Völter-Gelände

Gaenslen und Völter: Die Ideenschmiede ist angelaufen

Von Markus Pfisterer

METZINGEN. Die Zukunft birgt Gesprächsstoff. Rund 250 Metzinger suchten und fanden am Dienstag auf einer Bürgerversammlung in der Stadthalle die lebhafte Diskussion über das künftige Aussehen des Gaenslen-&-Völter-(G&V-) Geländes. Die Wogen blieben unten. Sachliche Kritik bekam vor allem der befürchtete Mehrverkehr ab, ansonsten gab es Nachfragen und Detailwünsche etwa nach einem Abenteuerspielplatz oder einem Textilmuseum, aber auch Zustimmung zu den Plänen der Holy AG und der Stadt Metzingen, die die Innenstadt durch die Entwicklung des G&V-Areals attraktiv abrunden können.

Rege Diskussionen: Bürger (rechts oben) fragen, Planer und Träger des Vorhabens antworten: (großes Foto von links) Prof. Gerd Baldauf, Prof. Rolf Karajan, OB Dr. Ulrich Fiedler, Bürgermeister Dietmar Bez, Moderatorin Ute Kinn und Holy-Chef Wolfgang Bauer. FOTOS: TRINKHAUS
Rege Diskussionen: Bürger (rechts oben) fragen, Planer und Träger des Vorhabens antworten: (großes Foto von links) Prof. Gerd Baldauf, Prof. Rolf Karajan, OB Dr. Ulrich Fiedler, Bürgermeister Dietmar Bez, Moderatorin Ute Kinn und Holy-Chef Wolfgang Bauer. FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Wie mehrfach berichtet, sollen zwei Drittel des sechs Hektar großen Industriegeländes in zehn Jahren neu genutzt werden, danach möglicherweise auch das letzte Drittel, auf dem die Firma Prevent, die das insolvente Metzinger Traditionsunternehmen 2010 übernommen hatte, jetzt noch produziert. Die Holy AG hatte das gesamte Areal im Insolvenzverfahren von G&V Ende 2010 erworben.

Kein Plan B vorhanden

Künftig sollen neue Wege für Fußgänger und Radfahrer durch das bisher abgeschottete Areal führen, Autofahrer über eine neue Erschließungsstraße ein zusätzliches Parkhaus erreichen. Das soll (nicht nur) Kunden der Hugo Boss AG dienen, die ihr Outlet aus der Kanalstraße in zwei Hallen der früheren G&V-Spinnerei und -Weberei verlagern will.



Der bisherige Boss-Gebäudekomplex soll laut Wolfgang Bauer, Vorstandsvorsitzender der Holy AG, teils abgerissen werden, die dortigen Verkaufsflächen sollen dadurch aufgesplittet und verkleinert werden. Damit könnten Probleme ausgeräumt werden, die das Regierungspräsidium im - am Dienstag von Bürgern ebenfalls thematisierten - Raumordnungsverfahren wegen der neuen, 8 000 Quadratmeter großen Boss-Verkaufsfläche womöglich sehen könnte. Und wenn nicht? Bauer: »Es gibt keinen Plan B.«

Holy kann sich für das G&V-Gelände sowohl ein Hotel als auch weitere Büro-, Handels- und Wohnflächen vorstellen, will zudem seinen Firmensitz in die G&V-Villa verlagern. Auch weitere Gebäude des Textilproduzenten sollen als epochale Zeitzeugen stehen bleiben. Wolfgang Bauer und der Städteplaner Professor Gerd Baldauf stellten die bisherigen Planungsansätze dem Publikum vor, die für die in zwei Foren ab Mitte Februar mitwirkenden Bürgern noch viel Gestaltungsspielraum bieten (siehe Infokasten). Offene Türen rannte Baldauf bei den Besuchern mit neu zu schaffenden Grünflächen entlang einer freizulegenden Erms an, die bisher unter G&V-Bauten fließt. Kommt auch ein Stadtstrand?

Geändertes Parkleitsystem

Weniger Begeisterung löste der Parksuchverkehr aus. »Noch mehr Parkhäuser sind kein modernes Konzept«, meinte eine Bürgerin am Saalmikro, während ein anderer Diskutant anregte, nur die Metzinger Automobilisten in die Stadt zu lassen und alle auswärtigen von den Großparkplätzen am Stadtrand per Elektrobus zu den Shopping-Malls zu shutteln. Holy-Chef Bauer sieht ein Parkhaus im G&V-Gelände aber nicht nur für die Outletkunden als nötig an, sondern auch für die Boss-Mitarbeiter. Zudem könne es die Innenstadt beleben, weil Parkende via Stuttgarter Straße schnell zu Fuß dort seien.

Vor neuen Autofluten wollen nicht nur die Bürger Metzingen bewahren, sondern auch die Planer. Der Stuttgarter Verkehrs-Experte Professor Rolf Karajan will mehr Fluss und weniger Staus in der Stadt auf mehrerlei Weise erreichen: mit veränderten Ampelschaltungen genauso wie mit einem neuen Parkleitsystem, das den Verkehr über das Tangentenviereck der Umgehungsstraßen an der Innenstadt vorbei zu den Großparkplätzen an der Eichbergstraße führt, sollten die Parkmöglichkeiten in der City ausgeschöpft sein. Karajans Ansätze sind noch vorläufig. Eine umfassende Erhebung der Verkehrsflüsse steht im März/April an und kann zeigen, wo realistischerweise wie justiert werden sollte. Auch die Entwicklung des möglichen neuen Innenstadtviertels steht noch ganz am Anfang. »Bringen Sie sich weiter ein!«, rief OB Dr. Ulrich Fiedler in den Hallenbauch, »wir wollen versuchen, eine historische Chance für Metzingen zu nutzen.« Gerd Baldauf sieht »den Mehrwert der Konversion vor allem durch die Freilegung der Erms und zusätzliche Grünflächen. Außer dem Friedhof gibt es in Metzingen kaum weiche Plätze!« (GEA)

Bürger weiter aktiv beteiligt


Auf der Bürgerversammlung wurden die Metzinger darüber informiert, welche Vorstellungen es zur städtebaulichen Entwicklung des Gaenslen-&-Völter-Geländes bereits gibt. In zwei Bürgerforen mit je fünf Arbeitsgruppen können bis zu 125 Einwohner selbst an der Planung mitfeilen. Knapp 110 Plätze sind schon belegt. Die Ideen aus dem ersten Forum am 10./11. Februar gehen an die Städteplaner, die damit einen überarbeiteten Entwurf für das G&V-Areal schaffen können. Der wird im zweiten Forum am 17. März diskutiert. Nach einem erneuten Zwischenspiel der Planer soll es am 18. April eine Bürgerempfehlung geben. Sie gelangt wie die gesamten Planungen später in den Gemeinderat, bindet diesen aber rechtlich nicht. Allein der Gemeinderat beschließt als Träger der kommunalen Planungshoheit, wie das G&V-Gelände künftig aussehen soll und welche Bauvorhaben er dort zulässt.

Für alle Interessierten bietet die Holy AG zwei Rundgänge über das G&V-Areal an: am Freitag, 10. Februar, um 14 Uhr für alle Forums-Teilnehmer und am Samstag, 11. Februar, um 14.30 Uhr für sonstige Bürger. Anmeldung zum Rundgang bis spätestens 9. Februar per E-Mail bei der Stadt. (pfi)

t.truckenmueller@ metzingen.de

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