Neckar + Erms
Eisrettung - Feuerwehr Neckartailfingen probte den Ernstfall auf dem Aileswasensee. Neue Ausrüstung eingesetzt

Eiskaltes Bad zu Übungszwecken

VON RALPH GRAVENSTEIN

NECKARTAILFINGEN. Spätestens beim derzeit einsetzenden Tauwetter sind die Seen der Region eine gefährliche Versuchung: Die scheinbar noch dicke Eisschicht darauf weicht auf, und wenn jemand durch die Oberfläche bricht, ist Eile bei der Rettung geboten - ein Unterfangen, das jetzt die Feuerwehr Neckartailfingen mit neu erworbenem Gerät ausgiebig probte.

Mit dem neuen Eisrettungsanzug und der Leitermethode übte die Neckartailfinger Feuerwehr am Aileswasensee die Rettung von ins Eis eingebrochenen Personen. Schnelle Hilfe will gelernt sein.  FOTO: GRAVENSTEIN
Mit dem neuen Eisrettungsanzug und der Leitermethode übte die Neckartailfinger Feuerwehr am Aileswasensee die Rettung von ins Eis eingebrochenen Personen. Schnelle Hilfe will gelernt sein. FOTO: GRAVENSTEIN
Vom schneidenden Wind über dem See bekommen die 20 Feuerwehrleute an diesem Mittwochabend kaum etwas mit in ihren dicken Einsatzmonturen - niedrige einstellige Plustemperaturen bringt er mit, aber genug Wärme, um die Eisdecke auf dem Aileswasensee am Ortsrand der Gemeinde anzutauen. Spätestens jetzt bei der Tauwetterlage dieser Tage sollte keiner mehr so leichtsinnig sein, sich auf das Eis der Seen in der Region zu wagen, das ohnehin trügerisch ist.

Sprung ins Eisloch

Gut 15 Meter entfernt vom Ufer haben die Einsatzkräfte bereits mit der Kettensäge ein gut zwei mal 1,50 Meter großes Loch in die Eisdecke geschnitten, und die ist trotz der Minusgrade der vergangenen Wochen extrem dünn: »Das sind vielleicht vier Zentimeter tragende Eisschicht, der Rest ist verbackener Schnee - das hält nicht viel aus«, meint Kommandant Gerd-Uwe Hecke, der sich gemeinsam mit Anja Flick in Trockentauchanzüge gehüllt hat.

Beide spielen bei der Eisrettungsübung an diesem Abend die zu rettenden »Eisspaziergänger« und springen immer wieder in das eiskalte Wasser, das schwarz im Eisloch schwappt.

Am Ufer werden unterdessen die Rettungsschritte vorbereitet: Ein Mann im Eisrettungsanzug, der erst Ende vergangenen Jahres von der Gemeinde angeschafft worden war, geht angeleint übers Eis in Richtung Eisloch, ein weiterer in normaler Wehrkleidung folgt - zwei Leitern unter sich, die er wechselweise voranschiebt. Die Leitern verteilen sein Körpergewicht auf eine größere Fläche und verhindern so, dass er beim Retten selbst in die Eisfläche einbricht.

Schnelle Unterkühlung droht

Im Schlepptau hat er zudem eine Schleifkorbtrage: Das Rettungsgerät wurde ebenfalls erst im vorigen Jahr für die Feuerwehr Neckartailfingen beschafft und ist eigentlich dafür gedacht, Personen aus unwegsamem Gelände abzutransportieren: »Die Trage hat aber auch Kufen und ist dadurch perfekt für die Eisrettung geeignet«, so Hecke, der die Rettungsschritte der sich an das Eisloch heranarbeitenden Wehrleute immer wieder kommentiert und korrigiert.

Dass die 20 Wehrleute den Umgang mit Eisrettungsanzug, Leitern und Trage üben, hat zum Glück schon lange keinen konkreten Notfall mehr zum Anlass gehabt: In den vergangenen Jahren waren die Menschen vernünftig genug, nicht zu risikofreudig zu sein, wenn im Winter die Baggerseen eisbedeckt waren. »Aber wir wollen trotzdem vorbereitet sein«, so Hecke. Übung macht den Meister. Und Meisterschaft braucht es im Ernstfall auch, denn die Rettung muss schnell gehen: »Die Überlebenschancen im eiskalten Wasser sind nicht besonders gut - wenn nicht schnelle Hilfe kommt, unterkühlt der Körper so stark, dass die Muskeln erschlaffen und der Eingebrochene in wenigen Minuten bewusstlos wird«, erklärt der stellvertretende Kommandant Markus Ott.

Schleifkorbtrage im Gepäck

Gut eine Stunde lang wird in wechselnder Besetzung geprobt, bis sowohl das Heranarbeiten an die Eingebrochenen als auch ihr Herausziehen auf die Eisfläche aus dem nassen Krater und das Ans-Ufer-Holen sitzen.

Die Übung habe neben dem Vermitteln der richtigen Vorgehensweise auch ganz klar psychologische Gründe, erklärt Kommandant Hecke: »Die Erfahrung in dem Eisrettungsanzug vermittelt dem Übenden auch ein Sicherheitsgefühl: Er merkt, dass der Anzug ihn nicht nur warm hält, sondern auch genug Auftrieb gibt, wenn er ins eiskalte Wasser gerät.«

Schließlich packt die Mannschaft wieder zusammen - die Scheinwerfer, die die Seefläche ausgeleuchtet haben, erlöschen, das dröhnende Stromaggregat auf dem Einsatzfahrzeug verstummt, Geräte werden verstaut, die Feuerwehrleute rücken ab.

Zurück bleibt in der Dunkelheit der stille See mit einem Loch in der trügerischen Eisdecke. Bleibt zu hoffen, dass es in diesem Winter wieder einmal das einzige Loch im Eis bleibt, in das jemand eintauchen musste. (GEA)


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Eiskaltes Bad zu Übungszwecken - Reutlinger General-Anzeiger - Region Reutlingen - Neckar + Erms

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Eisrettung - Feuerwehr Neckartailfingen probte den Ernstfall auf dem Aileswasensee. Neue Ausrüstung eingesetzt

Eiskaltes Bad zu Übungszwecken

VON RALPH GRAVENSTEIN

NECKARTAILFINGEN. Spätestens beim derzeit einsetzenden Tauwetter sind die Seen der Region eine gefährliche Versuchung: Die scheinbar noch dicke Eisschicht darauf weicht auf, und wenn jemand durch die Oberfläche bricht, ist Eile bei der Rettung geboten - ein Unterfangen, das jetzt die Feuerwehr Neckartailfingen mit neu erworbenem Gerät ausgiebig probte.

Mit dem neuen Eisrettungsanzug und der Leitermethode übte die Neckartailfinger Feuerwehr am Aileswasensee die Rettung von ins Eis eingebrochenen Personen. Schnelle Hilfe will gelernt sein.  FOTO: GRAVENSTEIN
Mit dem neuen Eisrettungsanzug und der Leitermethode übte die Neckartailfinger Feuerwehr am Aileswasensee die Rettung von ins Eis eingebrochenen Personen. Schnelle Hilfe will gelernt sein. FOTO: GRAVENSTEIN
Vom schneidenden Wind über dem See bekommen die 20 Feuerwehrleute an diesem Mittwochabend kaum etwas mit in ihren dicken Einsatzmonturen - niedrige einstellige Plustemperaturen bringt er mit, aber genug Wärme, um die Eisdecke auf dem Aileswasensee am Ortsrand der Gemeinde anzutauen. Spätestens jetzt bei der Tauwetterlage dieser Tage sollte keiner mehr so leichtsinnig sein, sich auf das Eis der Seen in der Region zu wagen, das ohnehin trügerisch ist.

Sprung ins Eisloch

Gut 15 Meter entfernt vom Ufer haben die Einsatzkräfte bereits mit der Kettensäge ein gut zwei mal 1,50 Meter großes Loch in die Eisdecke geschnitten, und die ist trotz der Minusgrade der vergangenen Wochen extrem dünn: »Das sind vielleicht vier Zentimeter tragende Eisschicht, der Rest ist verbackener Schnee - das hält nicht viel aus«, meint Kommandant Gerd-Uwe Hecke, der sich gemeinsam mit Anja Flick in Trockentauchanzüge gehüllt hat.

Beide spielen bei der Eisrettungsübung an diesem Abend die zu rettenden »Eisspaziergänger« und springen immer wieder in das eiskalte Wasser, das schwarz im Eisloch schwappt.

Am Ufer werden unterdessen die Rettungsschritte vorbereitet: Ein Mann im Eisrettungsanzug, der erst Ende vergangenen Jahres von der Gemeinde angeschafft worden war, geht angeleint übers Eis in Richtung Eisloch, ein weiterer in normaler Wehrkleidung folgt - zwei Leitern unter sich, die er wechselweise voranschiebt. Die Leitern verteilen sein Körpergewicht auf eine größere Fläche und verhindern so, dass er beim Retten selbst in die Eisfläche einbricht.

Schnelle Unterkühlung droht

Im Schlepptau hat er zudem eine Schleifkorbtrage: Das Rettungsgerät wurde ebenfalls erst im vorigen Jahr für die Feuerwehr Neckartailfingen beschafft und ist eigentlich dafür gedacht, Personen aus unwegsamem Gelände abzutransportieren: »Die Trage hat aber auch Kufen und ist dadurch perfekt für die Eisrettung geeignet«, so Hecke, der die Rettungsschritte der sich an das Eisloch heranarbeitenden Wehrleute immer wieder kommentiert und korrigiert.

Dass die 20 Wehrleute den Umgang mit Eisrettungsanzug, Leitern und Trage üben, hat zum Glück schon lange keinen konkreten Notfall mehr zum Anlass gehabt: In den vergangenen Jahren waren die Menschen vernünftig genug, nicht zu risikofreudig zu sein, wenn im Winter die Baggerseen eisbedeckt waren. »Aber wir wollen trotzdem vorbereitet sein«, so Hecke. Übung macht den Meister. Und Meisterschaft braucht es im Ernstfall auch, denn die Rettung muss schnell gehen: »Die Überlebenschancen im eiskalten Wasser sind nicht besonders gut - wenn nicht schnelle Hilfe kommt, unterkühlt der Körper so stark, dass die Muskeln erschlaffen und der Eingebrochene in wenigen Minuten bewusstlos wird«, erklärt der stellvertretende Kommandant Markus Ott.

Schleifkorbtrage im Gepäck

Gut eine Stunde lang wird in wechselnder Besetzung geprobt, bis sowohl das Heranarbeiten an die Eingebrochenen als auch ihr Herausziehen auf die Eisfläche aus dem nassen Krater und das Ans-Ufer-Holen sitzen.

Die Übung habe neben dem Vermitteln der richtigen Vorgehensweise auch ganz klar psychologische Gründe, erklärt Kommandant Hecke: »Die Erfahrung in dem Eisrettungsanzug vermittelt dem Übenden auch ein Sicherheitsgefühl: Er merkt, dass der Anzug ihn nicht nur warm hält, sondern auch genug Auftrieb gibt, wenn er ins eiskalte Wasser gerät.«

Schließlich packt die Mannschaft wieder zusammen - die Scheinwerfer, die die Seefläche ausgeleuchtet haben, erlöschen, das dröhnende Stromaggregat auf dem Einsatzfahrzeug verstummt, Geräte werden verstaut, die Feuerwehrleute rücken ab.

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