Modellprojekt - Von der Stadt initiiert, vom Land gefördert: Glemser Streuobstwiesen als Beispiel für andere

Eine gefährdete Kulturlandschaft

Von Thomas Füssel

METZINGEN. Streuobstwiesen - nur wenige pflegen sie, doch alle schätzen sie. Das reicht aber nicht aus, um die Kulturlandschaft zu erhalten. Vielmehr ist zu befürchten, dass in einigen Jahrzehnten davon nur noch wenig zu erkennen ist. Ein Modellprojekt, von der Stadt Metzingen initiiert, vom Land finanziell getragen, soll jetzt unter der Moderation von Professor Dr. Christian Küpfer von der Fachhochschule Nürtingen, Wege aufzeigen, wie das verhindert werden kann. Einen ersten Workshop mit interessierten Wiesenbesitzern gab es schon, weitere sollen folgen.

So wie hier sieht es in vielen Bereichen im »Streuobstland« aus, zu dem sich unter Federführung des Kreises Reutlingen sieben Landkreise zusammengeschlossen haben. Ein vom Land gefördertes Modellprojekt soll jetzt helfen, die Streuobstwiesen zu retten.  GEA-FOTO: FINK
So wie hier sieht es in vielen Bereichen im »Streuobstland« aus, zu dem sich unter Federführung des Kreises Reutlingen sieben Landkreise zusammengeschlossen haben. Ein vom Land gefördertes Modellprojekt soll jetzt helfen, die Streuobstwiesen zu retten. FOTO: Andreas Fink
Glems, landschaftstypisch von Streuobstwiesen umgeben, soll Beispiel werden für andere Kommunen. Hier identifizieren sich die Menschen mit ihren Streuobstwiesen, in Glems werden Wiesen und Bäume noch regelmäßig gepflegt. Die Frage ist nur, wie lange noch: In dem Metzinger Teilort sollen deshalb Möglichkeiten gesucht werden, wie Streuobstwiesen nachhaltig geschützt werden können. Denn auch hier wird Kulturlandschaft vom sich ausbreitenden Wald immer mehr bedrängt. »Alle Streuobstwiesen können wir kaum erhalten«, räumt Küpfer ein, weshalb die Stadt Metzingen eine Liste mit den besonders schützenswerten Bereichen aufgestellt hat. Dazu gehört Glems.

Ein großer Reichtum

Heute wird vor allem die ökologische Bedeutung der Streuobstwiesen hervorgehoben, doch einst waren sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Daran möchte Professor Küpfer wieder anknüpfen. »Wir sollten nicht ohne Not etwas aufgeben, was wir wirtschaftlich noch brauchen können«, sagt er. Der Apfelsaft beispielsweise, der in deutschen Supermärkten verkauft werde, komme überwiegend aus Polen oder China. »Doch, was ist, wenn diese Märkte - warum auch immer - zusammenbrechen?«, fragt Küpfer.

Obst sei nicht nur gesund, sondern vielfältig nutzbar, wie kaum ein anderes Lebensmittel. Küpfer spricht deshalb von einem großen Reichtum, der genutzt werden muss. Er erwähnt sogenannte Premiumprodukte aus hiesigen Streuobstwiesen, die es durchaus schon gibt. Ein Problem sei jedoch deren Vermarktung. Ein Punkt, der in den Workshops aufgearbeitet werden soll. »Wir müssen an den Getränkehandel ran.« Genauso an die Gastronomie.

Doch wie werden Streuobstwiesen künftig gepflegt? Küpfer kann sich vorstellen, dass sich mehrere Wiesenbesitzer zusammentun. Das spart Kosten, zum Beispiel bei der Anschaffung von Geräten. Dabei geht es aber auch um Dinge wie Baumschnitt oder Wiesenmahd, insbesondere auf Grundstücken, deren Eigentümer dies nicht mehr bewerkstelligen können.

Die Stadt Metzingen steht unterstützend zur Seite, will helfen, wo sie kann. Beispielsweise wenn es um den Kauf oder um die Bewirtschaftung vernachlässigter Streuobstwiese geht. Allerdings, so der Erste Bürgermeister und Vorsitzender der IG Obst, Dietmar Bez, die Stadt könne den Streuobstgürtel nicht allein auf eigene Kosten erhalten. Daran müssten Land, Kreis, Obst- und Gartenbauvereine und natürlich die Grundstücksbesitzer beteiligt werden.

Ziel des Glemser Modells ist es, nachhaltige und praxisorientierte Lösungen zu finden, die auf andere Gemeinden in ähnlicher Situation übertragbar sind. Großes Gewicht haben dabei Aspekte, die - so die Projektbeschreibung - gemeinschaftliches Wirken fördern, die der Identität des jeweiligen Orts dienen und die die Arbeit in den Streuobstwiesen als Dienst an der Allgemeinheit würdigen.

Professor Dr. Christian Küpfer ist zuversichtlich, dass das gelingt. Denn: »Die, die beim ersten Workshop in Glems dabei waren, sind alles Experten.« Ideen gäbe es schon viele. So könnte ein Most-Sommelier hilfreich sein, Qualität zu definieren. Das nächste Treffen ist um Ostern rum. (GEA)



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