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Verkehr - Die Stadt Bad Urach unterstützt die Ermstalbahn auch in den kommenden drei Jahren

Eine Erfolgsgeschichte in der Spur

Von Andreas Fink

BAD URACH. Die Stadt Bad Urach beteiligt sich für weitere drei Jahre an der laufenden Unterhaltung der Ermstalbahn. Dies hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Pro Jahr zahlt die Kurstadt einen Anteil von rund 25 000 Euro. »Wir haben gar keine Alternative zu dieser Entscheidung«, sagt Gemeinderat Walter Vatter, »eine Bahn ist kein x-beliebiges Hemd, das man an- und irgendwann wieder auszieht.« Die Stadt »ist ohne die Ermstalbahn nicht mehr denkbar«, fasst Bürgermeister Elmar Rebmann zusammen, »dieser Zug ist seit Jahren eine Erfolgsgeschichte«.

Kein bisschen in Schieflage, sondern erfolgreich im Gleis: die Ermstalbahn. Dieser Zug fährt vom Uracher Bahnhof (links das alte Bahnhofsgebäude) nicht nur bis Metzingen, sondern über Reutlingen und Tübingen bis Herrenberg.  GEA-FOTO: FINK
Kein bisschen in Schieflage, sondern erfolgreich im Gleis: die Ermstalbahn. Dieser Zug fährt vom Uracher Bahnhof (links das alte Bahnhofsgebäude) nicht nur bis Metzingen, sondern über Reutlingen und Tübingen bis Herrenberg. FOTO: Andreas Fink
Seit der Wiederinbetriebnahme der Ermstalbahn am 1. August 1999 beteiligen sich neben dem Kreis Reutlingen die Städte Metzingen und Bad Urach sowie die Gemeinde Dettingen und seit 2004 auch noch der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) an den Kosten für den laufenden Streckenunterhalt. Die Investitionen wurden vom 1. August 2004 bis zum 31. Juli 2007 auf jährlich 168 000 Euro festgeschrieben. Seither wird mit 178 000 Euro mit einem jährlichen Dynamisierungsfaktor von 2 Prozent gerechnet. Die darüber hinausgehenden Betriebskosten trägt die Erms-Neckar-Bahn AG (ENAG).

»Eine Bahn ist kein x-beliebiges Hemd, das man an- und irgendwann wieder auszieht«
 
»Was die Kalkulation betrifft, ist die Ermstalbahn eine sehr günstige Bahn«, sagt Carsten Strähle, der Vorstandsvorsitzende der ENAG, »wir haben arg auf Kante genäht - da ist nicht mehr viel Luft drin.« Die Aktiengesellschaft hat nur eine Nebenangestellte und arbeitet ansonsten nur mit 400-Euro-Kräften. Unterm Strich 25 nebenamtliche Mitarbeiter für rund 50 Zug-Kilometer. Eine vergleichbare Bahn - die Regio-Bahn Mettmann - habe 17 Festangestellte für 17 Zugkilometer, rechnet Strähle vor. Pro Jahr fährt die ENAG rund 110 000 Zug-Kilometer. Zuschussbedarf: 1,10 bis 1,20 Euro pro Kilometer. Im Landesdurchschnitt sind rund 8 Euro pro Kilometer nötig, »die Nebenbahnen liegen eher noch drüber«, betont Strähle.

Ohne Wenn aber mit ein bisschen Aber stimmte der Uracher Gemeinderat für die weitere Unterstützung. »Hat die ENAG keinen Einfluss auf den Kartenverkauf«, wollte Dietmar Schrade wissen und spielte damit auf Leserbriefe an, die in jüngster Zeit für Stimmung gegen den Zug gesorgt hatten. Ein Uracher Fahrgast wollte nach Problemen mit dem Automaten im Zug eine Karte lösen, war dort aber nur auf zwei Kontrolleure gestoßen, die ihm aber keine Tickets verkauften, sondern eine saftige Strafe aufbrummten. Fazit: »Nie wieder Ermstalbahn.«

Die ENAG als Eisenbahninfrastrukturunternehmen habe keinen Einfluss auf den Kartenverkauf, sagt Carsten Strähle. Nur so viel: »Wenn sich dieser Kunde anstatt an die Presse an uns gewandt hätte, hätten wir sicher eine kulante Lösung gefunden.« Überhaupt: Die RAB sei weit besser als ihr Ruf, verteidigt Strähle den Betreiber, »die sind ja auch daran interessiert, ihre Kunden zu halten«. Die Automaten im Ermstal würden genauso gut gewartet wie anderswo. Das Problem: »Die Geräte werden sehr häufig zerstört - dann dauert's vier, fünf Stunden, bis ein Mechaniker anreist.«

Und die Zukunft - jenseits der drei zugesicherten Jahre? Natürlich wäre eine Takterhöhung - derzeit fährt der Zug stündlich - denkbar und wünschenswert, sagt Strähle auf die Anfrage von Gemeinderat Ernst Haas. Aber nicht ganz billig. Der ENAG-Vorstandsvorsitzende spricht von einem »siebenstelligen Betrag«, um einen dafür nötigen Kreuzungsbahnhof (etwa in Dettingen oder Neuhausen) zu finanzieren. Dazu kämen weitere Fahrzeuge. Nachgedacht wird auch über die Möglichkeit, in Metzingen nicht nur nach links (Richtung Tübingen), sondern auch nach rechts (Richtung Nürtingen) abzubiegen.

Im Rahmen des »Orts-Check Dettingen« geht der GEA am Freitag ausführlich auf die mögliche Weiterentwicklung der Ermstalbahn ein. (GEA)


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