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Dorfgeschichte - Der Hülbener Hüle-Hock ist mehr als Essen und Trinken. Steinequetscher zeigen ihr Handwerk

Ein halbes Jahrhundert zurückgeblendet

HÜLBEN. Die harte Arbeit und der Staub beim Steine klopfen und quetschen und das anstrengende Verputzen von Hauswänden in früheren Zeiten standen im Mittelpunkt des Hülbener Hüle-Hocks am Wochenende. Günther Schwenkel und »Gehilfen« zeigten, wie früher Steine in einer historischen Steinquetsche zu Kies oder Sand verarbeitet wurden. Er erklärte auch, wie Kalk aus den Steinen gewonnen wurde. Noch Anfang der 60er-Jahre hat Schwenkel so sein Haus gebaut und verputzt, hat alle alten Geräte aufgehoben und zeigte auch, wie mit dem selbst gebundenen Reisigbesen der Kalkputz aufgetragen wurde.

Gewaltige Kalkbrocken werden zu Kies und Sand: Günther Schwenkel (auf dem Wagen) arbeitet mit Gehilfen an der Steinquetsche. FOTO: SANDER
Gewaltige Kalkbrocken werden zu Kies und Sand: Günther Schwenkel (auf dem Wagen) arbeitet mit Gehilfen an der Steinquetsche. FOTO: Mara Sander
Dicht gedrängt umringten die Menschen seine Steinquetsche bei den Vorführungen am Samstag und Sonntag, und schauten zu, wie aus dem heimischen Juragestein grober und feiner Kies oder Sand wurde. Außerdem erfuhren sie, dass es auf der Alb versteinerte Haifischzähne, Seelilien und Krebse gibt, weil »vor 140 bis 150 Millionen Jahren hier alles unter Wasser stand«, so Schwenkel. »Heute geschieht das im Wattenmeer an der Nordsee.«

Für ihn ist »ein Stein nie tot«. Er demonstrierte es am Klang der Steine. Doch nicht jeder kann verarbeitet werden. »Ein guter Stein muss mindesten 97 Prozent Kalk haben.« Der weiße Jura wird bei 1 200 Grad gebrannt.

Schwenkel hat als Lehrbub noch Kalk gelöscht, kennt dessen vielfältige Verwendung nicht nur auf dem Bau aus eigener Erfahrung. Ein Beispiel: »Damit wurden auch Kuhställe desinfiziert bei Maul- und Klauenseuche.« Er zeigte zudem das Anmischen von Putz aus Sand und Kalk und wie dieser mit Erdfarben gefärbt wurde. Viel bestaunt waren die Behälter mit Kalk zum Aufbewahren von Eiern. »Die Hühner haben im Sommer gelegt, dann wurden die Eier im Kalk aufbewahrt, damit man zu Weihnachten backen konnte«, erklärte Schwenkel. Ihm ist wichtig, die alten Techniken und das Wissen weiterzugeben. Damit trug er dazu bei, dass der Hüle-Hock in Hülben weiterhin etwas Besonderes ist. Hier gibt es nicht nur Essen und Trinken, Musik und Spiele für Kinder, sondern auch ein Stück Dorfgeschichte. (mar)


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