Helfer vor Ort - Mitglieder des DRK Dettingen retten Kurt Maier nach einem Infarkt vor dem Herztod

Durch Teamwork zurück ins Leben

VON ARMIN KNAUER

DETTINGEN. Es ist nicht so alltäglich, dass die Helfer vom Roten Kreuz in Dettingen zum Halbjahresabschluss eine größere Spende bekommen - und dazu noch die Verpflegung für ihre kleine Feier. Kurt Maier, 57, ist es ein Bedürfnis, danke zu sagen, denn ohne die Rotkreuz-Helfer wäre er nicht mehr am Leben. Am 1. Mai brach er zusammen - erst das Defibrillationsgerät der »Helfer vor Ort« vom Roten Kreuz brachte sein Herz wieder zum Schlagen. Heute kann er sogar wieder arbeiten.

Kurt Maiers Fall ist ein Beispiel dafür, wie die Glieder der »Rettungskette« im besten Fall nahtlos ineinandergreifen. Am 1. Mai wacht er mit Halsschmerzen auf und denkt sich nichts dabei. Schmerzen in der Brust spürt er nicht, mit dem Herzen hatte er nie Probleme. Er ist mit dem Auto unterwegs, ohne sich einer Gefahr bewusst zu sein, am Nachmittag kommen Sohn und Enkel, um ein Dreirad zu holen.

Dann geschieht es, in der Wohnstube, ohne jede Vorwarnung. Mitten im Gespräch kippt Kurt Maier rückwärts zu Boden. »Ich dachte erst, er macht Blödsinn mit dem Enkel«, sagt Lebensgefährtin Hildegard Marozowa. »Aber im Hinknien merkte ich, er atmet nicht mehr und er wird ganz blau.«

Hildegard Marozowa steht unter Schock, erst vor zehn Jahren hat sie ihren Mann verloren, »ich dachte, lass' du mich jetzt nicht auch noch alleine«. Es ist der Sohn, der am schnellsten schaltet: Er setzt einen Notruf ab und erinnert sich, dass der Nachbar bei der Feuerwehr ist. Der Feuerwehrmann beginnt sofort mit Beatmung und Herzmassage. Erst im Januar hat er dazu eine Auffrischung gemacht.

Zwei Minuten nach dem Notruf treffen die »Helfer vor Ort« vom Dettinger Roten Kreuz ein. Zwei von ihnen, Timo Walter und Erwin Stanischa, sind mit dem Krankenwagen vom Sportplatz her angefahren, wo sie bei einem Fußballspiel Dienst schoben.

Ein dritter, Heiko Kästel, eilt von zu Hause heran. Er hat das entscheidende Defibrillationsgerät dabei. Die Rotkreuzler beatmen den Bewusstlosen mit reinem Sauerstoff und legen die Elektroden des »Defi« an. Das Gerät analysiert das EKG-Muster des Patienten und fordert zwei Mal auf, den Elektroschock auszulösen. Danach stellen die Helfer bereits wieder einen Puls fest.

»Ich dachte erst, er macht Blödsinn mit dem Enkel«
 
Kurz darauf treffen der Notarzt und Rettungssanitäter ein. Sie setzen die Wiederbelebung fort, geben Medikamente. Vom Laienhelfer bis zu den Profis greift eines ins andere - das ist Kurt Maiers Glück.

Mehrere Tage liegt er in der Klinik in Reutlingen im künstlichen Koma. Die Ärzte stellen einen Infarkt an der Hinterwand des Herzmuskels fest. Am Donnerstag nach dem Zusammenbruch lassen sie den Patienten aus dem Koma aufwachen. Erstaunlich schnell ist er wieder auf den Beinen.

Kaum zu glauben: Bereits am Montag darf er wieder nach Hause. Es folgen drei Wochen Rehabilitation und weitere Wochen im Krankenstand; am 3. Juli kehrt Kurt Maier zurück an seinen Schreibtisch in einem Betrieb in Trochtelfingen.

Dass er medizinisch bereits tot war, sei ihm anfangs gar nicht bewusst geworden, sagt er. Für seine Lebensgefährtin war es auch deshalb eine dramatische Sache, weil erst im vergangenen Jahr ihr Bruder einen Herzkreislaufstillstand erlitten hatte. Auch dort waren die »Helfer vor Ort« vom Dettinger Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes zur Stelle gewesen - auch ihn hatten sie ins Leben zurückgeholt.

Nicht jede Wiederbelebung gelingt, bei manchen bleiben Spätfolgen zurück. Und doch gab es seit der Einführung des »Helfer-vor-Ort«-Systems 2004 fast jedes Jahr zumindest eine solche Erfolgsgeschichte wie die mit Kurt Maier, wie Bereitschaftsleiterin Susanne Buchholz berichtet.

Beim Dettinger Roten Kreuz hat man aus diesen Erfahrungen die Konsequenz gezogen und weitere automatische Defibrillationsgeräte (»AED«) angeschafft - obwohl die Geräte mit rund 1 600 Euro pro Stück nicht billig sind.

Nach den Einweisungen, die in den nächsten Wochen folgen sollen, verfügt in Dettingen nun jeder der fünf »Helfer vor Ort« über ein solches Gerät. Zwei weitere Defibrillationsgeräte sind in den beiden Einsatzfahrzeugen des Dettinger DRK-Ortsveerbandes stationiert, damit auch bei Sanitätsdiensten auf Sportwettkämpfen oder anderen Veranstaltungen diese lebensrettende Technik zur Hand ist. (GEA)



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