Vereine - Die Modellflugvereine sehen ihre Existenz durch die geplante neue Luftverkehrsordnung (LuftVO) bedroht

Dünne Luft bei den Modellfliegern

VON RALF RITTGEROTH

KREIS REUTLINGEN. Die Mitglieder und Verantwortlichen bei den Modellflugvereinen in der Region blicken zurzeit mit großer Sorge und mit Spannung auf den Bundesrat in Berlin. Der entscheidet am 10. März über eine neue Verordnung der Bundesregierung: die Luftverkehrsordnung (LuftVO). In der steht unter anderem drin, wie, wann, wo und vor allem wie hoch die sogenannten Drohnen oder auch »Multicopter« in die Luft steigen dürfen.

Gibt es bald keine Modellflugshows mehr? Die Modellflugvereine fürchten um ihr Weiterbestehen, sollten sie in Zukunft unter dieselben strengen Regeln fallen wie Drohnen. Foto: dpa
Gibt es bald keine Modellflugshows mehr? Die Modellflugvereine fürchten um ihr Weiterbestehen, sollten sie in Zukunft unter dieselben strengen Regeln fallen wie Drohnen. Foto: dpa
Der Hintergrund ist, dass immer mehr Menschen sich die preisgünstigen und unkomplizierten Fluggeräte kaufen können – auch ohne Vorkenntnisse über den Luftraum in Deutschland. Immer häufiger schwirrt und brummt es über unseren Köpfen. Bis 2020 – so Schätzungen – könnte es in Deutschland mehr als eine Million Drohnen geben.
»Wird der Segelflug bald verboten?«
 

Ein Sicherheitsproblem in vieler Hinsicht. Denn Drohnen können – mit kleinen Kameras bestückt – nicht nur zum »Spannerflug« über Nachbars Terrasse aufsteigen, sondern auch zur Planung von Verbrechen missbraucht werden. Auch muss die Polizei immer wieder zu Unfällen mit den kleinen Flugobjekten ausrücken. Der bekannteste Drohnen-Unfall der Region wird wohl der auf Burg Hohenzollern bleiben, wo vor fast genau einem Jahr eine Drohne in den Innenhof stürzte und nur durch viel Glück keine Besucher traf. Nicht nur wegen solcher Unfälle hat die Bundesregierung entschieden: Deutschland braucht eine neue strengere Verordnung, die dem Drohnenflug klare Grenzen setzt. Eine dieser Grenzen ist die »100-Meter-Grenze«. Höher sollen solche unbemannten Flugsysteme künftig nicht aufsteigen dürfen. Und weil die Verordnung eben nicht nur für Drohnen, sondern auch für andere Flugmodelle gilt, fühlen sich die Modellflugvereine in unserer Region durch sie bedroht.

»Wird der Segelflug bald verboten?« heißt es beispielsweise in einem Positionspapier der Modellflugfreunde Metzingen (MFF). Oder auch der Modellclub Eningen unter Achalm befürchtet schlimme Auswirkungen der neuen Luftverkehrsordnung. Der Vorsitzende Christof Deutscher erklärt diese Befürchtung so: »Segelflieger müssen über 100 Meter Höhe aufsteigen, sonst können sie die Auf- und Abwinde, die sie zum Fliegen benötigen, überhaupt nicht nutzen.«

Wenn es nach der Bundesregierung geht, dürfen Modell-Segelflieger (wie auch die mit Motor) demnächst nur noch an den Flugplätzen der Flugvereine aufsteigen. »Was aber ein echter Modell-Segelflieger ist, der will auch an den dafür optimalen Plätzen seinem Hobby frönen«, so Deutscher.

Beliebte Ecken in der Region sind unter anderem der Rossberg, die Achalm oder die Hänge des Ermstals. Sollte die Verordnung, so wie sie geplant ist, auch tatsächlich durchkommen, wären Modellsegelflieger dort demnächst verboten. Das wollen die Modellflieger einfach nicht. »Wir montieren keine Kameras an unsere Flugzeuge und wir wollen auch niemanden ausspionieren«, sagt beispielsweise Ilja Grum von den Metzinger Modellflugfreunden. Ihr Kampfgeist ist geweckt. Sie wollen die neue Luftverkehrsordnung unbedingt verhindern und haben deshalb auch eine erste Demonstration dagegen organisiert.

Am Freitag, 10. Februar, wollen sie von 10 bis 17 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz protestieren und auch informieren. »Unser ganzes Vereinswesen ist in seiner Existenz bedroht«, sagt Deutscher. So habe man viel in die Jugendarbeit investiert und die Jugendlichen würden sich gerade auch für die Segelflieger unter den Modellen interessieren. Die neue Verordnung gehöre abgeändert oder dürfe so nie in Kraft treten, heißt es.
»Wir montieren keine Kameras an unsere Flugzeuge«
 

Das letzte Wort dabei hat jetzt der Bundesrat in Berlin. Die Kammer der Bundesländer kann tatsächlich noch Änderungen am 45-seitigen Entwurf vornehmen. Die Sprecherin des Bundesrates, Camilla Linke, hält das sogar für möglich: »Mit dem Entwurf der Bundesregierung werden sich unsere Ausschüsse zwischen dem 20. und 24. Februar intensiv beschäftigen. Eine Entscheidung soll am 10. März fallen«, hat sie im Gespräch mit dem GEA gesagt. Änderungen im Text der neuen Verordnung müsse die Bundesregierung dann übernehmen, so Linke. »Oder sie lässt das Vorhaben ganz fallen und es gilt weiter die bisherige Regelung.« Möglicherweise wäre das den Modellfliegern am liebsten. Die Sitzung des Bundesrates ist öffentlich und kann live im Internet verfolgt werden. (GEA)

www.bundesrat.de

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