Gesang - Die Uracher Schwestern Ursula Tscherner, Hilde Schur und Gertrud Minde verbindet ein gemeinsames Hobby

Drei Uracher Schwestern sind ein Herz und eine Kehle

VON KIRSTEN OECHSNER

BAD URACH. Ein Leben ohne Gesang? Das ist für die Schwestern Gertrud Minde, Hilde Schur und Ursula Tscherner undenkbar: »Wir haben zu Hause immer mehrstimmig gesungen«, erinnert sich Letztere an ihre Kindheit. »Uns hat jemand mal die Trapp-Familie aus der Weberbleiche genannt.« Die Leidenschaft pflegen die Frank-Schwestern heute noch gemeinsam beim Sängerkranz Urach. Auf insgesamt 186 Jahre »offizielles« Singen unter dem Dach des Chorverbands Ludwig Uhland bringen es die drei Frauen inzwischen.

Ein Herz und eine Kehle: Die Schwestern Ursula Tscherner (links), Hilde Schur und Gertrud Minde  singen zusammen fürs Leben gern. FOTO: OECHSNER
Ein Herz und eine Kehle: Die Schwestern Ursula Tscherner (links), Hilde Schur und Gertrud Minde singen zusammen fürs Leben gern. FOTO: OECHSNER
»Ich musste nicht in den Chor, um meinen Schwarm zu sehen«
 

Zu Beginn der 50er-Jahre gab's in Urach für junge Mädchen nicht viel Unterhaltung. Für Gertrud Minde war's deshalb ein doppeltes Vergnügen, als ihre Mutter Hildegard 1951 den Sängerkranz-Frauenchor mit initiierte und sie von Anfang an dabei war: »Ich durfte singen und kam raus«, erinnert sich die heute 81-Jährige an ihre Teenagerzeit. Und, was für ein junges Mädchen noch wichtiger war: »Alle paar Wochen traf sich der gemischte Chor, da waren die Buben mit dabei, und man kam zusammen.«

Als die beiden jüngeren Schwestern 1957 nachrückten, war dies keine Motivation mehr: »Wir durften schon mehr, ich musste nicht in den Chor, um meinen Schwarm zu sehen«, weiß Ursula Tscherner, inzwischen 74 Jahre alt, heute noch ganz genau. »Das Singen hat mir ganz einfach sehr viel Spaß gemacht.« Ganz so große Lust hatte Schwester Hilde Schur damals nicht: »Ich musste in den Chor, sonst hätte ich keine Tanzstunde machen dürfen«, berichtet die 77-Jährige. 60 Jahre später ist Gesang ihre große Leidenschaft: »Er ist ein wichtiger Teil meines Lebens.« Und die Singstunde ist für sie ein Höhepunkt der Woche: »Ich möchte nicht fehlen, denn sonst würde mir etwas fehlen.«

Hilde Schur lässt ihre Stimme seit nunmehr 60 Jahren beim Sängerkranz erklingen, lediglich als junge Mama pausierte sie kurzeitig. Schwester Ursula Tscherner sang für kurze Zeit »aushäusig« in Neuhausen und kehrte bald wieder nach Urach zurück: »Weil dort meine gesangliche Heimat ist.«

In der Gemeinschaft fühlen sie sich wohl, in der Gruppe haben die Schwestern vieles erlebt: Gerne erinnern sie sich an die Zeiten der großen Ausflüge zurück - mit dem Zug ging's unter anderem an die Zugspitze. Und legendär sind die Faschingsbälle im Uracher Hotel am Berg. Die Schwestern waren mittendrin bei großen Konzerten, erlebten das ein oder andere Auf und Ab mit dem Chor: »Wir haben viele Dirigenten, aber auch Mitsänger, kommen und gehen sehen«, erklärt Hilde Schur, die im Lauf der Jahre auch als Vorstandmitglied Verantwortung übernommen hatte.

Der Blick auf ein Gruppenfoto des Chores aus dem Jahr 1957 weckt viele Erinnerungen - Namen und Daten, Geschichten und Orte schwirren durch den Raum, ein ganz besonderer, persönlich geprägter Teil der Uracher Ortsgeschichte wird lebendig. »Heute ist das Du unter den Sängern selbstverständlich«, erzählt Ursula Tscherner. »Früher hat man sich nicht getraut, die älteren Herren im Chor zu duzen, wir haben sie gesiezt.«

Die Schwestern Frank - eine alteingesessene Uracher Familie, zu der auch drei Brüder gehören - haben den Sängerkranz sechs Jahrzehnte lang mitgeprägt. Die Älteste unter ihnen jedoch mit einer langen Pause: »1957 bin ich zum Arbeiten nach Stuttgart und habe mich gleich dem Liederkranz dort angeschlossen.« Nach der Heirat 1960 ging's mit dem Ehemann in alle Welt, unter anderem lebte die Familie in Chile und Ungarn: »Ich habe mir immer gleich einen Chor gesucht«, erklärt die singende Seniorin Minde.

»Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich einmal nicht mehr singen kann«
 

Auf zwanzig Chöre hat es Gertrud Minde insgesamt gebracht, nach der Rückkehr in die Heimat erklingt ihre Stimme wieder in ihrem Stammchor. »Mein Mann mag es eigentlich nicht so, wenn ich abends weg bin«, gibt Gertrud Minde zu, doch in die Singstunde schicke er sie regelrecht. »Weil ich danach so froh und befreit bin.« Das sieht auch Schwester Hilde Schur so, die einst nicht ganz so glücklich über den mütterlich angeordneten Chorbeitritt war: »Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich einmal nicht mehr singen kann.« (GEA)

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