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Wahlpodium - Diskussionsrunde in der Festkelter in Metzingen ohne den CDU-Mann Karl-Wilhelm Röhm

Die verbindende Kraft von AC/DC

Von Thomas Füssel

METZINGEN. Ein Stuhl blieb leer. Der war für den CDU-Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm reserviert. Der ist, wie angekündigt, nicht gekommen: Mit einem Linken wolle er nicht an einem Tisch sitzen, hat er wissen lassen. Dies mache er nur, wenn alle anderen, die sich um ein Mandat im Landtag bewerben, auch dabei seien. So kam's, dass am Montag das Wahlpodium der Volkshochschule Metzingen-Ermstal in der Festkelter ohne Röhm auskommen musste.

Wahlpodium der Volkshochschule Metzingen-Ermstal, bei der ein Stuhl leer blieb (von links): Moderator Bernd Richard Hinderer, neben dem Karl-Wilhelm Röhm (CDU) hätte sitzen sollen, dann Klaus Käppeler, Andreas Glück (FDP), Dominic Esche (Grüne) und Eberhard Jaensch (Linke). FOTO: NIETHAMMER
Wahlpodium der Volkshochschule Metzingen-Ermstal, bei der ein Stuhl leer blieb (von links): Moderator Bernd Richard Hinderer, neben dem Karl-Wilhelm Röhm (CDU) hätte sitzen sollen, dann Klaus Käppeler, Andreas Glück (FDP), Dominic Esche (Grüne) und Eberhard Jaensch (Linke). FOTO: Markus Niethammer
Sein Parteifreund im benachbarten Wahlkreis, der Reutlinger Abgeordnete Dieter Hillebrand, kennt solche Berührungsängste dagegen nicht: Der war dieser Tage beim Wahlpodium der Gewerkschaft Verdi, trotz Teilnahme des Kandidaten der Linken.

Um es vorwegzunehmen: Es funktionierte auch ohne Röhm. Gleichwohl, neue Erkenntnisse brachte die Podiumsdiskussion kaum, die Bernd Richard Hinderer aus Gomadingen geleitet hat. Der freie Journalist und Berater von angehenden Verwaltungschefs, der deshalb auch »Bürgermeistermacher« genannt wird, merkte noch an, er hätte gerne mit Röhm das Thema »EnBW« diskutiert, doch das war's dann auch. Nachdem Klaus Käppeler (SPD) Röhms Namensschild umgelegt hatte, wurde der CDU-Landtagsabgeordnete im Verlauf der Diskussion nicht mehr erwähn; eine Diskussion, die Hinderer in lockerer Manier führte, was eine Frau in der ersten Reihe dazu veranlasste, beim Moderator mehr Ernsthaftigkeit einzufordern.



Von Pistolen und Zuhältern ...

Die Zuhörer erfuhren so ganz nebenbei von einer Gemeinsamkeit, die der Kandidat der Linken, Eberhard Jaensch, mit dem gestern zurückgetretenen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat: Beide sind offenbar bekennende AC/DC-Fans. Oder dass der Kandidat der FDP, der Chirurg Andreas Glück, nicht promoviert hat (»Wir wissen inzwischen alle, dass das viel Zeit braucht.«) und er als Vorsitzender des Pistolenschützenvereins Dottingen im Gegensatz zum baden-württembergischen FDP-Justizminister Ulrich Goll keine Waffe mit sich herumträgt (»Zum Personenschutz gehört schließlich mehr.«).

Gestreift wurde zudem das Thema Leiharbeit. »Mich erinnert das an Zuhälterei. Das gehört abgeschafft«, sagte der Linke, der Landwirtschaftsmeister Jaensch, den der Moderator als »Gerechtigkeitsfanatiker« vorgestellt hatte. Der Rektor einer Grund- und Hauptschule, Klaus Käppeler, der schon von 2002 bis 2006 im Landtag saß, wiederholte die Forderung der SPD, endlich flächendeckend über alle Branchen hinweg Mindestlöhne einzuführen.

Und Dominic Esche von den Grünen, Student der Volkswirtschaft, mahnte, es dürfe nicht sein, »dass so andere vom Markt verdrängt werden«. Auch Andreas Glück will der Leiharbeit Grenzen setzten, merkte jedoch an, dass so 80 Prozent der Betroffenen eine Festanstellung gefunden hätten, was unter den knapp 200 Zuhörern zu lautem Gelächter und zu Zwischenrufen wie »dummes Geschwätz« führte.

Außerdem wurde »Stuttgart 21« angesprochen, ein Projekt, das Klaus Käppeler und Andreas Glück befürworten, während Dominic Esche den Ausbau des Kopfbahnhofs favorisiert und er wie Eberhard Jaensch die Stärkung der Regionalbahnen fordert. »Was nutzt uns ein Prestigebahnhof, wenn Pendler dort gar nicht hinkommen«, sagte beispielsweise der Linke.

... und zu vielen Sitzenbleibern

Dass das Schulsystem in Deutschland geändert werden sollte (Jaensch: »Das hat zu viele Verlierer produziert.«), da waren sich dann alle wieder einig. Während Käppeler, Esche und Jaensch sich vorstellen können, alle Kinder zehn Jahre gemeinsam lernen zu lassen, sprach sich Glück für eine maximal sechs Jahre dauernde Grundschule aus, um danach die Weichen für weiterführende Schulen zu stellen. Das resultiere aus seinen Erfahrungen, die er bei einem einjährigen Schulaufenthalt in den USA gemacht hat. Eingestanden wurde von allen Beteiligten an der Diskussion die chronische Unterfinanzierung der Volkshochschulen, bei der im Vergleich zu anderen Bundesländern Baden-Württemberg das Schlusslicht bildet.

Nach annähernd zweieinhalb Stunden Diskussion auf dem Podium war Schluss. Ein fast schon kurzweilig zu nennender Abend ging in der Metzinger Festkelter zu Ende. (GEA)



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