Wasser - Doktorandin weist Schwermetalle, Insektizide und Pharmazeutika nach. Belastungen bereits in Seeburg

Der Schein trügt: Schadstoffe in der Erms

Von Norbert Leister

RIEDERICH/ METZINGEN/ URACH. Dass Medikamente in den Kläranlagen der Republik ein immer größeres Problem darstellen, ist mittlerweile keine neue Erkenntnis mehr. Neu dürfte allerdings in der Region die Botschaft sein, dass selbst in Seeburg, wo die Erms noch recht jung ist, die Gewässerbelastung durch Medikamente und Schwermetalle nicht deutlich geringer ist als in Riederich. Katia Bader hat in ihrer Doktorarbeit drei Jahre lang die Erms untersucht - und zwar nicht nur nach dem Fischvorkommen dort, sondern auch nach dem gesundheitlichen Zustand der Tiere.

In der Erms verbergen sich schon kurz nach ihrem Ursprung bei Seeburg gefährliche Frachten: Medikamentenrückstände genauso wie Schwermetalle. Als Ursache kommt Klärschlamm infrage, der oberhalb der Erms in die Felder ausgebracht wurde.FOTO: LEISTER
In der Erms verbergen sich schon kurz nach ihrem Ursprung bei Seeburg gefährliche Frachten: Medikamentenrückstände genauso wie Schwermetalle. Als Ursache kommt Klärschlamm infrage, der oberhalb der Erms in die Felder ausgebracht wurde. FOTO: Norbert Leister
Wie die Diplom-Biologin am Montagabend in der Sitzung des Abwasserzweckverbands Riederich-Bempflingen berichtete, hat sie in regelmäßigen Abständen im Zeitraum zwischen 2007 und 2009 an fünf Probestellen zwischen Seeburg und Riederich Groppen aus der Erms entnommen. Dabei handelt es sich um 12 bis 16 Zentimeter kleine Fische, die nicht besonders gut schwimmen können. Und sich deshalb vor allem am Boden des Flussbettes aufhalten.

Stellenweise »Schadstoffcocktails«

Gerade dort aber, so Bader, würden sich Schwermetalle, Insektizide, Pharmazeutika und noch einige andere unerfreuliche Dinge absetzen. »Da entstehen stellenweise regelrechte Schadstoffcocktails«, betonte die Biologin. Die Groppen bekommen das als Lebewesen am Boden der Erms enorm zu spüren: Katia Bader hat bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass einige Organe der Fische enorm geschädigt sind. Schon in Seeburg seien an den Groppen starke Nierenschädigungen und Entzündungen in den Kiemen festzustellen. Auch die Leber der Tiere habe alles andere als gesund ausgesehen.

Mit in ihre breit angelegte Analyse einbezogen hat die Wissenschaftlerin den Ölunfall, der 2008 in Metzingen die Erms verunreinigt hatte. Die Belastungen für die Groppen seien dadurch (wenig verwunderlich) noch weiter stark angestiegen - allerdings »nur« als zusätzliche Belastung zu der eh schon vorhandenen, der die Fische durch die anderen Schadstoffe ausgesetzt sind.

Dass aber die Untersuchungsergebnisse vor dem Ölunfall sich in Seeburg kaum von denen in Riederich unterschieden, veranlasst Bader zu einem einzigen möglichen Rückschluss: Die Schadstoffbelastungen etwa durch Medikamente und Schwermetalle könnten eigentlich nur durch die Ausbringung von Klärschlamm auf die Felder oberhalb der Erms erfolgt sein. Dass aber selbst das hochgiftige Insektizid DDT - das schon seit vielen Jahren in Deutschland verboten ist - sich immer noch in den abgelagerten Sedimentschichten des Flüsschens wiederfindet, ist erschreckend. Und zeige, dass die Ausspülung solcher gefährlicher Substanzen sich zum Teil über viele Jahrzehnte hinziehen könne.

Ein zusätzlicher Versuch habe gezeigt, dass die Groppen sich trotz aller Schädigungen im Lauf der Zeit von den Belastungen wieder erholen könnten - allerdings hatte Bader dazu einige Tiere aus der Erms herausgenommen und in unbelastetem Gewässer nach zehn Monaten untersucht. Das Problem ist nur: Die Erms ist nun mal nicht unbelastet. Und da kann es auch nicht als Trost aufgefasst werden, dass andere Flüsse mit Sicherheit auch nicht besser aussehen.

Welche Schulnote Katia Bader denn der Erms in Bezug auf die Wasserqualität geben würde, wollte Riederichs Bürgermeister Klaus Bender wissen. Eine Vier, antwortete die Biologin. Zu einer besseren Note konnte sie sich beim besten Willen nicht durchringen. Bedenklich sei das auch deswegen, weil die Erms ja durch das Biosphärengebiet fließe. Und die Schädigung des Gewässers natürlich einige Rückschlüsse auf die Belastung der Felder und Wiesen zulässt. (GEA)



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