Erinnerung - Der gebürtige Uracher Arzt Dietmar Gann stiftet große Marmorstatue und spendet für Bürgerstiftung

Denkmal für die Leistungen aller Kriegswitwen

BAD URACH. »Wundervoll!«, sagte Dr. Dietmar Gann, als er am Donnerstagmorgen zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth zum ersten Mal die Gedenkskulptur für seine Mutter Friedel Gann auf dem Bad Uracher Friedhof besuchte. Aus Dankbarkeit, dass ihm die Stadt die Fläche zur Verfügung gestellt und die Möglichkeit eröffnet hatte, seine Mutter auf diese Weise zu ehren, überreichte der heute im amerikanischen Tucson/Arizona lebende Mediziner der Bürgerstiftung eine Spende von 10000 Euro.

»Es ist eine außergewöhnliche und großzügige Spende«, sagte Bernd Wacker, Erster Vorsitzender der Bürgerstiftung. Es sei sehr dankenswert, dass Dietmar Gann seiner Heimatstadt nachhaltig etwas Gutes tun wolle.

»Geld für schulische oder soziale Zwecke, Vereine und Forschungsprojekte«
 
»Wir als Bürgerstiftung sehen es als Auftrag und Verpflichtung an, dass wir aus den Erträgen Ihrer Spende etwas für das Gemeinwohl bewirken werden.« Bürgermeister Elmar Rebmann schloss sich dem Dank an. »Sie können sicher sein, dass das Geld für schulische oder soziale Zwecke, Vereine und Forschungsprojekte verwendet wird.«Beim Empfang ließen der Arzt aus den USA und seine zahlreich erschienenen Verwandten und Freunde, zu denen er über die Jahre Kontakt hielt, alte Erinnerungen an den Handballsport, Ferienjobs in Uracher Betrieben oder das Nachpflanzen von Bäumen nach der Hitzewelle der Jahre 1948/49 wieder aufleben. Mit Schmunzeln entschuldigte man sich nachträglich für einen Streich am 1. Mai, bei dem man Verkehrsschilder umgedreht und einen regelrechten Kreisverkehr durch den Ort eingerichtet habe.Aber Dietmar Gann, 1941 in Bad Urach geboren, erinnert sich auch noch gut an die Schwierigkeiten, unter denen seine Mutter als Kriegswitwe ihre Kinder großzog und ihm das Studium ermöglichte. Dieses führte ihn nach Tübingen, Berlin und schließlich mit 20 Jahren nach Miami, wo er sich als Kardiologe spezialisierte. Er erbaute eine eigene Klinik, in der sich besonders gern deutsche Juden behandeln ließen. »Deutsche Ärzte hatten einen guten Ruf«, sagte Gann. Sein Weg führte ihn weiter nach Tucson, wo er heute mit seiner Familie lebt und vor sechs Jahren in den Ruhestand trat.Viele der Gäste trugen gute Erinnerungen an Ganns Mutter Friedel bei, die häufig bei gesundheitlichen Problemen aufgesucht worden sei. Als »Tante Gann« sei sie eine sehr beliebte Respektsperson gewesen. Sie starb 1980 und ist auf dem Uracher Friedhof begraben.Die über zwei Meter hohe Skulpturengruppe in leuchtend weißem Carrara-Marmor ist schon von Weitem zu sehen. Sie zeigt eine Mutter mit zwei Kindern und trägt den Titel »Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit«. Angefertigt wurde sie von Hannes Reutter aus Bad Urach nach Vorgaben des Auftraggebers. Reutter hatte ein Jahr lang in Pietrasanta in der Toskana bei Kunsthandwerker Nicola Stagetti gearbeitet, bei dem auch der bekannte englische Bildhauer Henry Moore Skulpturen hatte anfertigen lassen. Dort hatte er sich intensiv mit dem Material Carrara-Marmor auseinandergesetzt. Bei Professor Velio Grandoli arbeitete er mit Alabaster. »In die Thematik konnte ich mich gut hineinversetzen«, sagte Reutter, »denn auch ich habe eine Mutter, die ein sehr wichtiger Mensch für mich ist.« Der Skulptur fügte er noch eine Steinbank hinzu. »Wir freuen uns, dass wir jetzt auch moderne Kunst auf dem Friedhof haben«, sagte Bürgermeister Rebmann. »Es ist zugleich ein Denkmal für alle Kriegswitwen und ihre Leistungen.« Die Skulptur soll noch eine Tafel bekommen, auf der ihr Titel genannt wird. Morgen ist dann die offizielle Enthüllung. (gb)

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