Friedenstage - Ein friedlicher Revolutionär: Empfang für Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter in Metzingen

Den Fall der Mauer angestoßen

VON BENJAMIN DÜRR

METZINGEN. »Wir sind das Volk!« war die Parole, die den Weg freigemacht hat für Frieden und Freiheit. Er war ein Teil davon. War Mahner, Beobachter, Denker, Vordenker und Revolutionär: Albrecht Schröter, heute Oberbürgermeister jener Stadt, wo er vor zwanzig Jahren die Deutschland trennende Mauer umstieß, ist ein Kopf der Wende.

Am Samstag wurde der Oberbürgermeister des thüringischen Jena im Metzinger Rathaus empfangen, eine persönliche Freundschaft verbinde ihn mit Klaus Peter Metzger, dem evangelischen Pfarrer an der Metzinger Martinskirche.

»Genauso kämpfen wir gegen die Mauern in den Köpfen« §§ Metzger und Schröter, beide kämpfen gegen Mauern. Weltweit. Im vergangenen Jahr haben sie gebetet, gesungen, protestiert gegen die Betonwand zwischen Israel und Palästina. »Genauso kämpfen wir gegen die Mauern in den Köpfen«, sagt ergänzend der Metzinger Metzger. Mauern, die Gruppen und Menschen in Metzingen trennen.

Damit hat Schröter Erfahrung. Seine Biografie ist die Geschichte vom Aufständischen zum Angesehenen.

Schröter, Jahrgang 1955, wuchs im Osten auf, war immun gegen DDR-Propaganda, gegen die Werber von Partei und Jugendorganisationen erzogen. Abitur habe er deshalb nicht machen dürfen, studiert hat er trotzdem. Das hat er für sich durchgesetzt. 1984 wurde er Pfarrer in Jena, später Doktor der Theologie. In seinem Gemeindehaus hat er die Jugendlichen Demokratie gelehrt. Auch das hat er durchgesetzt. In seiner Gemeinde hat er am Abend des Sozialismus, in den letzten Tagen der Deutschen Demokratischen Republik, trotz Widerstands die Kommunalwahlen überwacht. Wieder: durchgesetzt. »Vierzig Prozent der Stimmen konnten wir damals zusammentragen«, sagt er, »schon da hat sich gezeigt, dass die offiziellen Zahlen gefälscht waren«.

Im Herbst 1989 war die Stunde, als die Mauer fiel. Im Schatten von Leipzig haben überall in den Kirchen der DDR Gebete für Frieden und Freiheit stattgefunden. Auch in Jena. Auch in Schröters Gemeinde.

§§ »Kerzen statt Knüppel, das war, was wir wollten«
 
Nicht durch das Heer, sondern durch den Geist soll die Mauer fallen, zitiert frei Schröter, der politische Pfarrer, die Bibel. »Kerzen statt Knüppel«, sagt er, »das war, was wir wollten«.

Die Mauer ist gefallen, der Glaube geblieben: »Man kann etwas bewegen«, kommentieren Metzger und Schröter.

Sie mühen sich heute, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, um Partnerschaften zwischen Kirchen, Gemeinden und Menschen. Klaus Peter Metzger als Pfarrer in Metzingen, Albrecht Schröter als Oberbürgermeister von Jena - dort, wo er zuvor als Pfarrer für die Freiheit kämpfte. Dort, wo die Ursprünge der neuen deutschen Freiheit liegen. (GEA)



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